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07.04.2012

13:50 Uhr

Ausstellungen

Einladung zum Narzissmus

VonChristian Herchenröder

Viel Skulpturales ist zu sehen auf den Frühjahrsausstellungen der Berliner Galerien. Eine italienische Künstlerin kokettiert mit der Ästhetik des Brutalen, eine Bildhauerin zeigt Ikonen der Automobilgeschichte.

Monica Bonvicini: Built for Crime (detail), 2006, Galerie Max Hetzler, Berlin. VG Bild-Kunst

Monica Bonvicini: Built for Crime (detail), 2006, Galerie Max Hetzler, Berlin.

BerlinMaterialien, die physische Kraft ausstrahlen, raumgreifende Dimensionen, maskuline Anmutung – alles das findet sich in den Skulpturen, Installationen, Papierarbeiten von Monica Bonvicini. Die in Berlin lebende Italienerin hat gerade ihre zweite Einzelausstellung in der Galerie Hetzler. Zwei monumentale Schriftskulpturen beherrschen den Raum. In „Built for Crime“ ist eine Leuchtschrift blinkender Glühbirnen in frei hängende Bruchglasscheiben eingeschraubt: ein fordernder wie abschreckender Slogan. Noch gewaltiger, um nicht zu sagen gewalttätiger, ist die Stahlschrift „Satisfy me“, die mit ihren spiegelglatten Stahllettern zu narzisstischer Selbstbespiegelung einlädt und das zugleich als Attitüde vorführt.

Alle Exponate leben von der Spannung, die eine Ästhetik des Brutalen aufbaut und hinterfragt. Maskuliner Habitus wird als Pose entlarvt. In den 200 Papierarbeiten, die eine mit rotem Faden auf weiße Blätter gestickte Zange in unterschiedlichen Formationen zeigen, ist der Kraftmensch auf die Feinarbeit einer Nähmaschinenstickerin reduziert (einzeln je 2.900 Euro, komplett 180.000 Euro). In großen schwarz-weißen Temperaarbeiten ist die unruhige Schraffur diagonal gesetzt, Tropfspuren graben sich wie Stacheldraht ein (je 65.000 Euro).

Die Installation „Identify Protection“ knüpft an die Sling-Arbeit „Never again“ von 2005 an. Sechs Sprungwesten hängen an einem sanft schaukelnden Stahlring, der die Gurte leicht hin- und herbewegt. Ein Fetischgefühl wird in dieser frei schwebenden Skulptur durch die schwarze Gummihülle geweckt: Arbeitswelt und Lustcharakter verbinden sich zu einer ambivalenten Einheit (150.000 Euro. Bis zum 14. April).

Bei Carlier/Gebauer hat die Berliner Bildhauerin Asta Gröting drei Karosserien in Polyurethan nachgegossen und upside down als Bodenskulpturen in den Hauptsaal gesetzt: den Unterbau von Goethes Reisekutsche, Adenauers Mercedes und dem eigenen Smart. Über Aspekte der Mechanik hinaus wird der Blick auf historische Kontraste und Zeitstufen gelenkt, in denen prominente Vehikel zu Ikonen ihrer Zeit und einer sich wandelnden Technik werden (42.000 bis 58.000 Euro). In den Nebenräumen sind weitere Bodenstücke wie die bronzene Abformung einer sich umarmenden Familie abgelegt und die auseinandergeklappte Silikonabformung eines Liebespaars, die als Dokument einer Umarmung nur deren leere Hülle zurücklässt (30.000 Euro. Bis zum 14. April.).

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