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01.01.2011

09:00 Uhr

Ausstellungstipp (6)

Revolution im rechten Winkel

VonOlga Grimm-Weissert

Radikalen Purismus predigte die holländische Künstlergruppe „De Stijl“. Ihr Stilwille prägte Design, Architektur und Stadtplanung. Ideengeber war der Maler Piet Mondrian. Das Centre Pompidou in Paris erinnert an einen rigorosen Maler und den kompromisslosen Gestaltungswillen des „Stijl“.

Streng viereckig komponiert: Piet Mondrians "Lozenge Komposition mit Gelb, Schwarz, Blau, Rot und Grau" (1921) aus dem Art Institute in Chicago. Foto: 2010 Mondrian/Holtzman Trust c/o HCR International Virginia USA © 2010 Mondrian/Holtzman Trustc/o HCR International Virginia USA

Streng viereckig komponiert: Piet Mondrians "Lozenge Komposition mit Gelb, Schwarz, Blau, Rot und Grau" (1921) aus dem Art Institute in Chicago. Foto: 2010 Mondrian/Holtzman Trust c/o HCR International Virginia USA

PARIS. Eine randlose Brille und eine einfache Pfeife - mehr Utensilien brauchte der Fotograf André Kertész 1926 nicht, um den Maler Piet Mondrian (1872-1944) als einen rigorosen Menschen zu charakterisieren. Minimalistisch ist auch der Blick in "Mondrians Atelier": eine schmale Holztreppe und eine Vase mit einer Tulpe im Vordergrund. Ein Porträt des holländischen Malers zeigt schütteres Haar, einen kleinen Schnurrbart und den eng anliegenden Anzug, der die schlanke Silhouette des hungernden Künstlers betont. Sein Blick vermittelt Disziplin, Strenge und Selbstbeherrschung.

Die Fotos von Kertész sind Teil der umfassenden Ausstellung "Mondrian/De Stijl" im Centre Pompidou, wo ihnen ein Saal vorbehalten ist. Sie hängen auch in der ausgezeichneten Retrospektive, die das Pariser Museum Jeu de Paume dem ungarischen Fotografen ausrichtet. Wenn die Pariser Museumsdirektoren ihr Ausstellungsprogramm miteinander abgesprochen haben, dann funktioniert die Koordination bestens, weil eine Schau die andere ergänzt.

Mondrian legte die theoretische Basis für De Stijl

"Mondrian/De Stijl" ist die üppige, kompakte Zusammenfassung von zwei Ausstellungen. Sie erschließen sich in einem klug aufeinander abgestimmten Rundgang, der auf 2.100 Quadratmetern dargeboten wird. Mondrian dient als Bindeglied. Der Maler schuf die theoretische Grundlage für die Stilrichtung De Stijl, die ab 1917 Möbel, Design, Architektur und Stadtplanung modernisierte und revolutionierte. Gefordert wurden klare Linien, rechte Winkel und geometrische Formen, die sich auf Rechtecke, Quadrate und Rhomben beschränken sollten. Nur die Primärfarben rot, gelb, blau sowie weiß und schwarz sollten zum Einsatz kommen.

Die Ausstellungskuratoren des Beaubourg gehen strikt chronologisch vor und beziehen die Vorgeschichte der puristischen Stilbewegung mit ein: Sie lassen den Rundgang mit den symbolistisch und theosophisch inspirierten Gemälden der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts beginnen. Ihre zunächst gedeckten Farben und geschwungenen Formen werden immer opulenter. Beispiele liefern etwa Piet Mondrians Selbstporträt von 1908/09 oder die metaphysischen Visionen von Theo van Doesburg, Johannes Tielens oder Janus de Winter.

Der Kubismus als Inspirationsquelle

In der zweiten Dekade experimentieren die Mitglieder der De Stijl-Gruppe mit der konstruktiven Abstraktion. Dabei folgen sie den Kompositionen von Mondrian, der sich ab 1911 in Paris mit den kubistischen Gemälden von Pablo Picasso und Georges Braques auseinandersetzt. Sehr schön ist in der Ausstellung zu sehen, wie der Künstler eine zusehends radikaler werdende geometrische Abstraktion entwickelt.

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