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25.01.2005

10:19 Uhr

Ausstellungstipp

Blick auf RAF bleibt gespalten

„Prada Meinhof“ – nach langem Streit eröffnet am 29. Januar die RAF-Kunstausstellung in Berlin. Pläne für die Ausstellung lösten 2003 einen Sturm der Entrüstung aus, sogar der Kanzler musste sich einschalten. Jetzt geht die Ausstellung privat an den Start.

Ulrike Meinhof.

Ulrike Meinhof.

HB Sie sind Mörder und Pop-Ikonen, gewaltversessene Revolverhelden und romantische Gesetzlose der Blick auf die Rote Armee Fraktion (RAF) bleibt fast 30 Jahre nach dem blutigen Deutschen Herbst gespalten. Filme und Bücher haben die „bleierne Zeit“ um 1977 jüngst als rebellischen Aufbruch porträtiert, als radikale Sinnsuche der 68er-Generation. Pläne für eine RAF-Ausstellung in Berlin lösten 2003 einen Sturm der Entrüstung aus. Hinterbliebene von Opfern protestierten, der Kanzler schaltete sich ein, Bundesgelder wurden gesperrt. Die Schau „Mythos RAF“ wurde daraufhin abgesagt.

Anderthalb Jahre nach dem Eklat wird die Ausstellung an diesem Samstag (29. Januar) mit einem überarbeiteten Konzept und privater Finanzierung eröffnet. „Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF“ nennt sich jetzt die Präsenation, die rund 100 Werke aus vier Jahrzehnten zeigt. Dabei gehe es den 55 Künstlern vor allem um die Wahrnehmung der RAF durch die Medien, sagt Klaus Biesenbach, Gründungsdirektor der Galerie Kunst-Werke. Zusammen mit Felix Ensslin, Sohn der 1977 im Stammheimer Gefängnis gestorbenen RAF-Mitbegründerin Gudrun Ensslin, und Ellen Blumenstein hat Biesenbach die Kunstschau konzipiert. Schirmherr ist Gerhart Baum (FDP), Innenminister von 1978 bis 1982.Für die jüngeren Generationen sei der Terror der 70er Jahre nur mit Namen und Fotos verbunden, sagte Biesenbach. Die Ausstellung wolle die Bilder Ereignissen zuordnen.

Zeitzeugen wie Joseph Beuys, der schon 1972 zur documenta V über die politische Gewalt reflektiere, Sigmar Polke, Jörg Immendorff stellen die Reaktion des Staates auf die RAF, die Verschärfung des Strafrechts und die Einschränkung der Grundrechte in den Mittelpunkt. Mit dabei ist auch Gerhard Richter, dessen Stammheim-Zyklus „18. Oktober 1977“ zuletzt auf der MoMA-Schau zu sehen war. Mit der medialen Wirkung beschäftigen sich vor allem jüngere Künstler. Mit dem für ein Titelbild entworfenen Logo „Prada Meinhof“ greift der britische Designer Scott King die Kommerzialisierung revolutionärer Symbole im „radical chic“ an.

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