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20.01.2007

19:43 Uhr

Auszeichnung

Ruth Klüger erhält Lessing-Preis

Die 74-Jährige Schriftstellerin Ruth Klüger erhält den diesjährigen Lessing-Preis. Die nach dem Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing benannte Auszeichnung würdigt alle zwei Jahre herausragende Leistungen in Literatur, Literaturkritik und Theater.

HB KAMENZ. Zum Auftakt der diesjährigen Lessing-Tage in Kamenz hat die Schriftstellerin Ruth Klüger den Lessing-Preis 2007 des Freistaates Sachsen erhalten. In seiner Ansprache erinnerte Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) am Samstag an den Nationalsozialismus, der eine Gesellschaft ohne Vernunft und Menschlichkeit angestrebt habe. Klüger, die den Holocaust überlebt hat, wurde 1931 in Wien geboren und lebt in Kalifornien. Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählt ihre 1992 erschienene Autobiografie “Weiter leben. Eine Jugend“.

Die Auszeichnung ist mit 13 000 Euro dotiert und würdigt alle zwei Jahre herausragende Leistungen auf den Gebieten der Literatur, der Literaturkritik und des Theaters. Der Dresdner Kulturjournalist Volker Sielaff und der Leipziger Autor Clemens Meyer wurden mit Förderpreisen von je 5500 Euro geehrt.

Die 74-jährige Klüger wurde mit elf Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Ihr Vater und ihr Halbbruder fielen dem Holocaust zum Opfer. Ruth Klüger emigrierte nach dem Krieg 1947 in die USA, wo sie Germanistik studierte und später unter anderem in Princeton lehrte.

Das Motto der 46. Lessing-Tage „Lessing und die Juden“ ist nach den Worten von Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) sehr aktuell. „Denn für das gegenseitige Verständnis von Anhängern aller Religionen gilt, dass es jeden Tag aufs Neue gefestigt werden muss.“ Damit Lessings Werke wirkten und die Erziehung zu Offenheit und Toleranz gelinge, brauche es einen festen Standpunkt im Leben, um Fremdes annehmen zu können, sagte Milbradt. „Das geht nur, wenn man sich seiner Identität sicher ist.“ Wichtig dabei sei auch Rückhalt in der Familie, bei Freunden und Kollegen.

Lesungen, Filme, Vorträge und Theaterstücke sollen bis zum 15. Februar Gelegenheit zur Begegnung bieten. Die Lessing-Tage finden traditionell zwischen dem Geburtstag (22. Januar) und dem Todestag (15. Februar) des Dichters der Aufklärung statt. Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) wurde in Kamenz geboren, sein Drama „Nathan der Weise“ gilt als Inbegriff des modernen Toleranzgedankens.

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