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26.04.2011

12:24 Uhr

Autobiografie

Was Sie noch nicht über Bud Spencer wussten

VonThorsten Giersch

Man kennt Bud Spencer als einen Haudrauf-Schauspieler, doch das ist nur eine Facette von vielen eines hochinteressanten Menschen. Genialer Student, Erfinder, Unternehmer, Olympia-Teilnehmer und viel mehr steckt in ihm.

Carlo Pedersoli alias Bud Spencer präsentierte vor wenigen Tagen sein Buch auch in Berlin. Quelle: dpa

Carlo Pedersoli alias Bud Spencer präsentierte vor wenigen Tagen sein Buch auch in Berlin.

Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, hat viel zu erzählen. Jetzt hat es der 81-Jährige endlich getan. Seine Lebensgeschichte ist beeindruckend – vor allem beeindruckend abwechslungsreich. Es ist auch die Geschichte der 40er- bis 90-Jahre. Der Leser erfährt zudem viel über seine Freundschaft zu Terence Hill, seine Familie, das Leben generell und seine Lust auf Essen. Das Buch schoss in Deutschland gleich in der ersten Woche auf Platz 1 der Sachbuch-Bestsellerliste.

Die Kindheit: Neapel 1929 bis 1943

Carlo Pedersoli wurde am 31. Oktober 1929 in Neapel geboren. Die Familie lebte im Viertel Santa Lucia, das zu den schickeren gehörte. Das Elternhaus war großbürgerlich und wohlhabend. „Muss ich mich dessen schämen?“, fragt Bud Spencer in seiner Autobiografie und gibt die Antwort gleich mit: „Ich glaube nicht.“ Doch Vater Pedersoli musste immer wieder von vorne anfangen. Zum Beispiel auch nach dem Zweiten Weltkrieg, als seine Fabrik zerstört wurde. Es folgen die wesentlichen Merkmale von Carlos Kindheit:

Gewicht bei der Geburt

Das Sternzeichen Skorpion gilt typischerweise für physisch starke Menschen, aber bei Carlo war es schon besonders heftig: Er war zwar klein, aber mit sechs Kilogramm alles andere als leicht („Meine arme Mama“).

Deutsch statt Italienisch

Carlos Gouvernannte hieß Rosa Polacek – eine Deutsche. Sie kümmerte sich um den Jungen und seine Schwester Vera, die vier Jahre nach Carlo geboren wurde. Nach ihrer Zeit im Hause der Pedersolis ging Rosa nach Rom und wurde Lehrerin. Carlo wuchs daher mit der deutschen Sprache auf, ohne Italienisch zu können.

Stolz auf Neapel

„Ich sage es voller Stolz: Mein Neapel lebt in meinem Inneren.“ Bud Spencer schreibt, wie gern er sein Leben lang nach Neapel zurückkehrte und wie speziell die Stadt für ihn ist. Auch wenn sie die heitere Stimmung voller Eleganz, die sie vor dem Krieg auszeichnete, inzwischen ein gutes Stückweit verloren hat.

Begabt für Scherereien

Der kleine Carlo machte seinen Eltern mit größer Unbekümmertheit größten Ärger: „Für Scherereien war ich einfach begabt, sie gelangen mit ganz wie von selbst.“

Das Schwimmen entdecken

Es geschah im Urlaub in Seiano, als der kleine Carlo ins Meer fiel. Er paddelte wie wild, um sich über Wasser zu halten. Der „fabelhafte Seemann“ Nimuccio Savarese rettete ihn. Er schipperte Touristen durch die Gegend und nahm von da an Carlo mit, um ihm das Schwimmen beizubringen. Daraus sollte noch viel entstehen ...

Schrecken des Krieges

Lange Zeit war der kleine Carlo von den Schrecken des Krieges verschont geblieben. Obwohl die Familie ihr Vermögen weitgehend verlor, erlitt er nie Hunger. Selbst die Nächte in Bunkern erlebte Carlo nie als dramatisch, auch weil er den Ernst der Situation noch nicht begriff. Allerdings erinnerte er sich, wie seine Eltern ihre Eheringe dem Vaterland spendeten.

Die Jugend: 1943 bis 1947

Mit 13 Jahren war der Krieg in Carlos Alltag endgültig angekommen: Auf der Rückfahrt von einer Schwimmmeisterschaft, wo er im 100-Meter-Brustschwimmen italienischer Meister wurde, entging er nur knapp seinem Tod.

Das Bombardement

Am 19. Juli 1943 nahm sich Carlo am römischen Bahnhof San Lorzeno ein Taxi, weil er nicht auf den Anschluss warten wollte. Kurz darauf machten US-Bomber den Stadtteil dem Erdboden gleich – 3000 Menschen starben. Es war reines Glück, dass Carlo überlebte. Aber er schiebt das nicht auf göttliche Vorhersehung: „Das würde ja bedeuten, dass dieser Jemand all jene nicht gernhatte, die umkamen.“

Leben in Rom

Die Pedersolis waren nach Rom geflohen und lebten im Haus des Onkels. Die Familie konnte nur einen Teil des Ersparten retten. Zudem arbeitete die Mutter als Schneiderin.

Begegnung mit der SS

In Rom hatte Carlo regelmäßig Kontakt mit SS-Männern, die sich über sein „Makkaroni-Deutsch“ lustig machten. Als er mal beim Klauen erwisch wurde, zeigten die Soldaten aber auch Mitleid, weswegen sein Verhältnis zu Deutschen nie ganz schlecht war. Wenn möglich blieb er zu Hause, um von der „hässlichen Seite der deutschen Besatzung“ möglichst wenig mitzubekommen.

Der jüngste Student Italiens

Carlo ging auf das staatliche Gymnasium Mariani und übersprang gleich zwei Klassen. Später wurde er der jüngste Italiener, der sich an einer Universität einschrieb, und zwar an der Chemie-Fakultät mit 16 Jahren. „Ich war sicher kein Genie, aber ich hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis.“ Allerdings musste Carlo 1947 sein Studium abbrechen, um mit den Eltern nach Südamerika zu gehen. Es war kein Geld mehr da.

Sportlich

Abgesehen von den großen Erfolgen als Schwimmer spielten auch andere Sportarten für Carlo eine große Rolle: Mit 14 wurde er Teammitglied in der Rugby-Mannschaft und holte mit dieser die Meisterschaft.

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