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11.02.2013

15:34 Uhr

Ayyam Gallery

Nahost-Kunst will die Welt erobern

VonMatthias Thibaut

Khaled Samawi war in seinem früheren Leben Banker. Heute ist der Syrer Galerist mit einem Netzwerk von Dependancen, jetzt auch in London. Den Wert seines Unternehmens steigert er durch den Ankauf von Werken mit wachsendem Marktwert. Deshalb hat sich bereits ein Risikokapitalfonds in das wachsende Imperium eingekauft.

Nadim Karam: "Playing Music on a Plane Above a World Full of Absurdity", 2012, Mixed Media auf Leinwand. (Ausschnitt) Nadim Karam, Ayyam Gallery

Nadim Karam: "Playing Music on a Plane Above a World Full of Absurdity", 2012, Mixed Media auf Leinwand. (Ausschnitt)

LondonUngeduldig lehnt sich Khaled Samawi in dem Stahlrohrsessel in seiner neuen Galerie vor und bringt die Diskussion knapp auf den Punkt. „Wir arbeiten nicht für den Nahen Osten, wir arbeiten für unsere Künstler“.  Wenn es nach ihm geht, war Nahostkunst lange genug „Emerging Art“, Aushängeschild für ein wiedererwachendes kulturelles Selbstbewusstsein im Nahen Osten, Manifestation des arabischen Frühlings, der Selbstreflexion der Region, die nach 9/11 und Irakkrieg begann. Nun ist es Zeit, diese Kunst nicht mehr in der Peripherie zu verorten, sondern im Zentrum, als Teil der internationalen Contemporary Art.

Hisham Samawi, Vetter des Gründers und Manager seines Ayyam Galerie-Imperiums, ergänzt: „Wir wollen auf die nächste Ebene kommen, wo wir nicht länger nur als Nahostgalerie Teil einer lokalen Szene sind. Wir wollen einfach eine internationale zeitgenössische Galerie aus dem Nahen Osten sein“, so der Absolvent einer amerikanischen Business School in lupenreinem Amerikanisch.

Kein bescheidener Auftritt

Khaled und Hisham Samawi, Syrer, mit internationalem Background, haben ihre neueste Galerie direkt gegenüber Sotheby’s in der Londoner Bond Street über dem Ralph Lauren Geschäft aufgemacht. Auch wenn es nur der erste Stock ist, weder die Adresse noch der Auftritt sind bescheiden. Die Hausfassade wurde mit einem nahöstlich wirkenden Eisengeflecht verziert, dahinter verkündet eine riesige Milchglasscheibe plakativ den Namen der Galerie: Ayyam.

Aggressives Marketing

„London ist das Zentrum. Wir wollen hier unsere Kunst dem internationalsten Publikum zeigen und wissen, was die Leute davon halten“, sagt Khaled. Selbstbewusstsein, aggressives Marketing, Expansion und gute Kunst, das ist sein Business Plan. Die Rechnung scheint aufzugehen. Bei der Eröffnung standen die Menschen in Trauben auf der Bond Street, die Galerie musste wegen Überfüllung geschlossen werden. Nahostkunst hat in London schon längst eine starke Basis, auch der Künstler der ersten Ausstellung, Nadim Karam, ist kein Unbekannter. Eine seiner „Urban Toy“-Skulpturen, ein Elefant aus Edelstahl, belebt seit Jahren genau neben dem Notting Hill U-Bahn-Eingang den öffentlichen Raum.

Surreales in der Metropole

Karam, ein Libanese,  der als Architekt nebenbei auch die neue Ayyam Galerie gestaltet hat, entwickelte aus kritzligen Linienzeichnungen ein Lexikon von Piktogrammen, mit denen er die Akteure der „urban crowd“ in humorvoll-kritischer Taxonomie erfasst und als surrealistisch-spielerische Gegenwelt in die Metropolenwelt des 21. Jahrhunderts zurückspielt. Zweidimensionalen Piktogramme werden zu Cut Outs aus Edelstahl, die zu Skulpturen montiert werden. Man sah diese Geistersilhouetten schon auf öffentlichen Plätzen in Tokio, Schanghai, New York, auf der Karlsbrücke in Prag oder vor dem Institut du Monde Arabe in Paris.

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