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22.07.2011

00:00 Uhr

Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen

Kunst für Managers Mußephase

VonSabine Spindler

Attraktive Alte Kunst und lange Öffnungszeiten locken in Bambergs malerische Altstadt. Das wissen nicht nur Wagnerfans zu schätzen, die aus dem nahegelegenen Bayreuth anreisen. Von Sabine Spindler

Höfischer Konsoltisch, um 1680.

Höfischer Konsoltisch, um 1680.

BambergWenn Banker, Industrielle, Vorstände und chinesische Geschäftsleute jetzt durch Bamberg schlendern, "sind sie in der Mußephase", sagt Walter Senger, Mitbegründer der Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen. "Im Sommerurlaub oder während der Bayreuther Festspiele sind Manager anders empfänglich für schöne Dinge." Diese Tatsache machen sich 15 Antiquitätenhändler seit 16 Jahren in einer der malerischsten Altstädte Deutschlands zunutze.

Sie halten bis zum 21. August ihre prachtvoll dekorierten Ladengschäfte sieben Tage die Woche offen. Was sie bei dieser "Hausmesse" verkaufen, mag Senger, wie alle diskreten Händler, nicht beziffern. "Aber es hat das Volumen einer großen nationalen Messe." Weil Hotel- und Transportkosten entfallen, ist der Gewinn höher. Diese Leistungsschau spielt bei Senger 20 Prozent des Jahresumsatzes ein.

Die Antiquitätenwochen haben Bamberg zum Zentrum des Handels mit Kostbarkeiten aus Barock und Rokoko gemacht. Es reiht sich ein in das entspannte, fränkische Sommervergnügen aus Opernabenden, Schlossbesichtigungen und kulinarischen Genüssen.

Matthias Wenzel ist Antiquitätenhändler in zweiter Generation in der Karolinenstraße. Der 47-Jährige unterstreicht sein Profil mit einer ca. 1485 gefertigten Figur des Heiligen Sebastian aus der Werkstatt des Münchener Bildschnitzers Erasmus Grasser (50.000 Euro) und mit einer romantischen Flusslandschaft des Frankfurter Malers Franz Hochecker aus dem späten 18. Jahrhundert (15.000 Euro).

Für den quirligen Kunsthändler Christian Eduard Franke "zählt nur die Ware", weniger ihr Marketing und Timing. Franke, der vor allem das 18. Jahrhundert liebt, überrascht diesmal mit zwei älteren, wohl noch vor 1700 entstandenen Einrichtungsstücken. Sowohl das Paar versilberter Standleuchter mit dem kraftvoll geschnitzten Blattdekor (78.000 Euro) als auch die vergoldete Konsole mit Kindern als tragenden Halbfiguren (64.000 Euro) zeugen von jener Vitalität hochbarocker Möbel, wie sie heute nur noch selten auf dem Markt zu finden sind.

Beide Teile stammen aus einem Schloss aus Westfalen. Doch ob es sich um französische Arbeiten oder um deutsche handelt, das ist bis heute die große Frage. Eindeutiger liegt der Fall bei der Rokokopendule des Bamberger Hofuhrmachers Leopold Hoys. "Seine Uhren waren damals ein Verkaufsknüller", so Franke. Jeder fränkische Schlossherr musste eine besitzen. Hoys rangierte ganz oben: Anlässlich der Krönung Franz Stephans von Lothringen zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1745 ließ der Fürstbischof Karl Friedrich von Schönborn bei keinem anderen als bei Hoys eine Prunkuhr fertigen, die erst kürzlich bei Sotheby's für mehr als 400.000 Pfund versteigert wurde.

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