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22.02.2013

15:27 Uhr

Barbier-Mueller

Keramik aus Lateinamerikas Frühzeit

VonOlga Grimm-Weissert

Ein Museum in Barcelona stellt präkolumbische Kunst der Sammlung Barbier-Mueller aus, doch der versprochene Ankauf blieb aus. Jetzt lässt der Sammler die einzigartige Kollektion bei Sotheby's versteigern.

Bemalte Venus: Die Keramikskulptur der mexikanischen Chupicuaro ist weit über 2000 Jahre alt. Sie ist das Starlos der Auktion. Erwartet wird ein Zuschlagspreis um die zwei Millionen Euro. Sotheby's/ArtDigital Studio

Bemalte Venus: Die Keramikskulptur der mexikanischen Chupicuaro ist weit über 2000 Jahre alt. Sie ist das Starlos der Auktion. Erwartet wird ein Zuschlagspreis um die zwei Millionen Euro.

ParisIhre Sammlung altamerikanischer Kunst aus der Zeit vor Kolumbus' Entdeckung Amerikas ist einmalig und von musealer Qualität. Zusammengetragen hat sie das Schweizer Ehepaar Monique und Jean-Paul Barbier-Mueller. Doch was Sotheby's am 22. und 23. März in Paris für schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Euro versteigern wird, ist nur ein relativ kleiner Teil der immensen Sammlungen Barbier-Mueller. Insgesamt dürften die Kunstsammlungen 6.500 Objekte umfassen.

Schon Moniques Vater, der Schweizer Industrielle Josef Mueller (1887 - 1977), erwarb ab 1907 Werke von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler und später Wassily Kandinsky und Fernand Léger. Ab 1920 legte Josef Mueller den Grundstock zur Stammeskunst-Sammlung. Monique Barbier-Mueller erwirbt ihrerseits Moderne und zeitgenössische Kunst im großen Stil, veröffentlicht aber nichts über ihren Bestand. Die Global Player unter den Galeristen rollen den roten Teppich aus, wenn die resolute blonde Dame auftritt. Sie und ihr Mann Jean-Paul Barbier-Mueller, mit dem sie seit 1955 verheiratet ist, zählen zu den bedeutendsten, vielseitigsten Sammlern der Welt.

Der bibliophile, 82-jährige Jean-Paul mit dem diskreten, unwiderstehlichen Charme der "grande bourgeoisie" war im Immobilienbereich tätig. Der Buchliebhaber kann sein immenses Fachwissen geschickt weitergeben. Er stellte innerhalb von fast 70 Jahren eine Bibliothek mit antiquarischen Büchern und Manuskripten der französischen und italienischen Dichtung aus dem 16. Jahrhundert zusammen.

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Auf stupende Weise baute er systematisch, entschlossen und ebenfalls mit phänomenaler Sachkenntnis die Tribal-Art-Sammlung seines Schwiegervaters aus. "Er ist ein Gelehrter mit enzyklopädischem Wissen, dessen Stammeskunst- Sammlung von der Qualität her zu den besten der Welt zählt", charakterisiert Stéphane Martin, Präsident des Pariser Stammeskunstmuseums "Musée du Quai Branly", den Sammler. Über dessen Bestände weiß der Museumsleiter sehr genau Bescheid, da Barbier-Mueller immer großzügig ganze Ensembles verleiht, dem französischen Staat schenkte oder verkaufte.

Für die jetzt anstehende Auktion präkolumbischer Kunst wählte Jean-Paul Barbier-Mueller den Händlerexperten Jacques Blazy, der in Paris schon die Topauktionen mit Kunst aus Altamerika betreute: 2003 die einschlägigen Objekte von André Breton, 2005 und 2011 die präkolumbischen Sammlungen Gerard Geiger sowie H.Law (Anagramm für Francis Wahl). "Blazy hat mir nie ein falsches Objekt verkauft", betont Barbier-Mueller. "Und er reservierte mir die Vorauswahl aus der Sammlung Guy Joussemet."

Das bedeutendste Los der Pariser Auktion ist eine 71 Zentimeter hohe, polychrome Venus Chupicuaro aus Mexiko mit Joussemet-Provenienz. Ihre Taxe liegt bei zwei bis drei Millionen Euro. Unter den 313 Losen von Sotheby's Versteigerung ragen noch heraus: eine sitzende Figur aus der Olmeken-Kultur in Mexiko aus grünem Serpentin (300.000 bis 400.000 Euro) sowie eine aus Basalt gehauene Wassergöttin der Azteken (um 500 000 Euro).

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