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02.12.2011

21:07 Uhr

Bassenge

Die Schätzpreise vervielfachen sich

VonChristian Herchenröder

Der Versteigerer Bassenge kann bei seinen Herbstauktionen eine Serie von Überraschungszuschlägen verzeichnen.

Jan Toorops „Bildnis eines Bauern vor einer Kathedrale“ (Ausschnitt) war umkämpft. Bassenge

Jan Toorops „Bildnis eines Bauern vor einer Kathedrale“ (Ausschnitt) war umkämpft.

BerlinDer Paukenschlag kam ganz am Ende. In der Spezialauktion von Gemälden und Handzeichnungen des Berliner Hauses Bassenge kämpften zwölf Bieter meist am Telefon um eine auf 12.000 Euro geschätzte Kohle- und Kreidezeichnung des holländischen Symbolisten Jan Toorop (1858-1928). Ein New Yorker Händler siegte bei netto 425.000 Euro (565.000 Dollar) nach 15-minütigem Bietgefecht gegen ein holländisches Museum, deutsche Händler und weitere amerikanische Interessenten.

Dieser Zuschlag zeigt, dass im globalen Kunstmarkt kein noch so dezent platziertes Objekt mehr ein übersehener, günstig zu erwerbender „Sleeper“ bleibt. Der internationale Handel durchforstet intensiv das Angebot der deutschen Auktionshäuser, die nach wie vor als Käufer-Dorado gelten.

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Bei Bassenge wurde zu Beginn der Gemäldeversteigerung ein keineswegs brillant erhaltenes Tafelbild ausgeboten, das als "Umbrische Schule" katalogisiert war, obwohl es doch eher in die emilianische Richtung weist. Auf 10.000 Euro geschätzt, wurde es von einem New Yorker Händler gegen sechs Mitbieter für netto 75.000 Euro ersteigert.

Dieser Trend zur Vervielfachung der Schätzpreise setzte sich fort. Eine knappe Stunde später stieg ein Pferdeporträt von Jakob Philipp Hackert durch römisches Privatgebot von 2800 auf 22.000 Euro, und ein Frauenbildnis des russischen Klassizisten W.L. Boworikowskij ging bei 92.000 Euro (Schätzpreis 12.000) an einen Sammler aus St. Petersburg.

Bei den Zeichnungen war Münchener Handel gegen sechs Mitbewerber bei einem als „Augsburgisch“ katalogisierten Entwurf für eine Silberschale erfolgreich, der mit 28.000 Euro das Zehnfache der Schätzung erreichte. Mehrere deutsche Zeichnungen des 19. Jahrhunderts gingen - wie gewohnt - in die USA.

In der Auktion mit Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts war Rembrandt mit 34 Losen die Hauptfigur. Privatsammler engagierten sich stärker denn je. Teuerste Blätter wurden mit 30.000 Euro (9000) das Selbstbildnis in runder Pelzmütze, das ein Münchener Sammler erwarb, und mit 24.0000 Euro (18.000) „Der heilige Hieronymus bei dem Weidenstumpf“, den ein niederländischer Sammler ersteigerte. Für 12.000 Euro ging der „Tod der Maria“ in eine französische Sammlung und für 13.000 Euro der frühe Druck des biblischen Blattes „Christus lehrend“ in eine Bielefelder Sammlung.

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