Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2016

19:19 Uhr

Mein Leben im Baumhaus Teil 8

„Nachfrage nach Minihäusern steigt gewaltig“

VonVera Münch

Klein Wohnen ist in. Die Singularisierung der Gesellschaft und Preissteigerungen bei Haus und Grund, sowie die Sehnsucht nach mehr Natur und weniger Besitz machen Minihäuser als Zuhause sehr attraktiv.

Baumhaus - Videoblog Teil 5

So bauen Sie Ihr eigenes Baumhaus

Baumhaus - Videoblog Teil 5: So bauen Sie Ihr eigenes Baumhaus

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinIsabella Bosler ist Geschäftsführerin der Tiny Houses Consulting UG in Bayern. Sie betreibt ein Infoportal online (www.tiny-houses.de) und berät Menschen, die sich für den Bau und ein Leben in einem Minihaus interessieren. In Amerika schon lange präsent, steigt die Anfrage seit zwei Jahren auch bei ihr deutlich an.

Was hat Sie denn bewogen, diese Initiative in Deutschland zu gründen?
Ich habe vor fünf Jahren einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung über das Tiny House Movement in den USA gelesen. Zu dieser Zeit hatte ich selbst den Wunsch meine Wohnsituation zu verändern. Ich stellte fest, dass bei vielen Menschen der Wunsch nach einem eigenen Haus groß ist. Parallel dazu steigt die Zahl der Single-Haushalte an und die Leute haben weniger Geld.

Was bedeutet das konkret?
Das eigene Dach über dem Kopf sollte bezahlbar sein, Sicherheit bieten und möglichst noch einen Garten haben. Denn die Menschen, die ein Minihaus möchten, bevorzugen auch eine naturnahe Lage. Viel Grün muss drum herum sein.
Ich habe mich dann näher mit dem Tiny House Movement beschäftigt und dachte das könnte auch hier funktionieren. Deshalb habe ich 2011 begonnen, das Infoportal aufzubauen.

Die verschiedenen Baumhaus-Modelle

Das Spiegel-Baumhaus

Der Mirror Cube von Andreas Wenning steht inmitten der Weinberge von Heilbronn. Der Bremer Architekt verwirklichte dieses Projekt im Jahr 2015. Das Spiegel-Domizil hat eine Terrasse auf fünf Metern Höhe und einen Meter darüber befindet sich die quadratische Baumhauskabine. Das Baumhaus selbst steht auf einem Stahltagwerk, während die Terrasse durch Seilaufhängungen auf einer Kiefer zu Hause ist. Die Fassade besteht aus hochspiegelndem Edelstahl. Innen ist es gemütlich, mit Sofaflächen, Elektrizität und Heizung.

Das größte Baumhaus der Welt

Das größte Baumhaus der Welt befindet sich in Crossville, Tennessee (USA). Erbauer Horace Burgess behauptet, den Auftrag zum Bau des Hauses von Gott persönlich erhalten zu haben. Seit 1993 hat er daran gebaut und über 250.000 Nägel darin versenkt. Das Haus wird durch sechs Eichen getragen. Es hat zehn Stockwerke und eine Gesamtfläche von mehr als 3000 Quadratmetern. Im „The Minister’s Treehouse“ findet man einen Basketballplatz, ein Penthouse und sogar eine Kirche mit eigener Glocke. Gewicht: eine halbe Tonne.

Restaurant in den Wipfeln

Für eine Werbekampagne der Neuseeländischen Gelben Seiten wurde in einem Mammutbaum ein exquisites Baumhaus-Restaurant gebaut. Das tropfenförmige Lokal thront in zehn Metern Höhe und ist mit zehn Metern Durchmessern und zwölf Metern Höhe ein echter Hingucker. Die Architekten Peter Eising und Lucy Gauntlett entschieden sich für einen über 60 Meter langen Zugangssteg. Das Restaurant in Auckland kann bis zu 18 Gäste bewirten, im unteren Bereich befinden sich Küche und Toiletten.

Das flexible Baumhaus

Die Cambium GmbH aus dem Allgäu möchte mit dem ErlebNest möglichst vielen Menschen den Traum vom Baumhaus ermöglichen. Allerdings nur für die Freizeit. Das modulare Konzept besteht aus einer Lounge, die mit Schlafmodulen ergänzt werden können. Die Baumnester erreicht man über die Lounge, die man über eine Leiter mit Fallschutznetz sicher erreichen kann. Die Nester sollen ein Aufenthaltsort zum Lesen und Träumen sein, fernab vom Alltag. Laut Cambium bietet die Lounge genügend Platz für ein romantisches Candle Light Dinner.

Wohnen im Märchenparadies

Über airbnb lässt sich ein Aufenthalt im Märchenparadies nahe am Meer buchen. Cornwall ist sowieso bekannt für Romantik. Neben dem „Tree Sparrow House“ gibt es Zigeunerwägen und eine Märchenhütte. Das Baumhaus sitzt in zwei Metern Höhe auf einer Esche und bietet einen Blick auf Land und auf die Falmouth Bucht inklusive Sonnenuntergang über den benachbarten Obstgärten.
Das Haus ist mit Elektrizität und Heizung ausgestattet, es hat ein Doppelbett, sowie eine Küche und Sitzbereich, ein Waschbecken mit kaltem Wasser und eine Toilette.

Die Baumhaus-Kommune

Mitten im Regenwald von Costa Rica befindet sich die Selbstversorger Baumhaus-Kommune Finca-Bellavista. Sie wurde 2005 von Erica und Matt Hogan gegründet, um eine große Fläche Regenwald zu schützen. Mittlerweile zählt die Kommune rund 30 Baumhäuser mit verschiedenen Architekturen. Einwohner und Gäste können hier den Regenwald erkunden und ein Leben zurück in der Natur erleben. Berge und Flüsse mit Wasserfällen bieten Abwechslung. Den Gründern ist wichtig, dass das Bewusstsein für die Natur und die Verbindung zur Erde beim Aufenthalt geachtet wird. „Dies ist ein heiliger Grund“, heißt es auf der Webseite.

Die Freigeist-Kugel

In Vancouver, Kanada findet man die einzigartigen Baumhaus-Kugeln von „Free Spirit Spheres“, um die Natur auf besondere Weise zu erleben. Die Kugeln sind nach dem Biomimikry-Prinzip gebaut. Bedeutet, die Architektur der Natur wird als Vorbild genommen, um nachhaltiges Wohnen zu ermöglichen. Die Kugeln wurden Nüssen nachempfunden, die Befestigungstechnik wurde bei den Spinnen abgeguckt. Die Häuser haben einen Durchmesser zwischen 2,80 und 3,20 Metern und sind ausgestattet mit Bett, Schränken und einem Waschbecken.

Fünf Sterne Luxus im Baum

Die Tsala Treetop Lodge in der Plettenberg Bay in Südafrika ist nur etwas für Luxusliebhaber. Vom ursprünglichen Baumhausfeeling ist hier nicht mehr viel zu spüren. Das Hotel ist mitten im Wald mit einer Aussicht über das ganze Tal. Zehn Baumsuiten und sechs Baumhäuser sprühen vor Glanz und Glamour. Sie sind aus Stein, Holz und Glas konstruiert und haben bis zu zwei separate Schlafzimmer, einen Kamin, ein großes Badezimmer und einen eigenen Infinity-Pool. Dazu gibt es natürlich einen Zimmerservice, falls man nicht im zugehörigen Edelrestaurant dinieren möchte. Natürlich darf in Südafrika auch der Weinkeller nicht fehlen.

Und wie gut funktioniert es?
Es ist relativ langsam angelaufen, aber das war auch ganz praktisch, weil man alles in Ruhe aufbauen konnte. Seit zwei Jahren merkt man einen deutlichen Zuwachs. Zum einen, weil das Angebot steigt, es gibt mehr Anbieter für kleine Wohn- und Containerhäuser und auch in den Medien ist das Thema präsenter. Seit Herbst letzten Jahres ging es auch bei uns mit den Anfragen noch mal richtig nach oben.

Was genau ist denn ein Tiny House eigentlich? Wie unterscheidet es sich von normalen Häusern?
Der Begriff kommt aus Amerika. Die Grenzen sind fließend, mal sind die Häuser mobil, mal stationär. Aber ein Tiny House hat tendenziell nie mehr als 20 Quadratmeter. Bei uns ist die Nachfrage momentan nach sogenannten Kleinhäusern, die 60 bis 100 Quadratmeter haben am größten. Das ist also ein Unterschied zu den USA.

Würden Sie gerne in einem Baumhaus wohnen?

Woher kommen Ihre Erkenntnisse?
Wir hatten über die Webseite auch eine Umfrage laufen um den Bedarf festzustellen. Und da kam eine Größe von 60 bis 80 Quadratmeter heraus, in ökologischer Holzbauweise. Daraufhin habe ich gemeinsam mit einem Architekten das Konzept „Ecohome 4.2“ entwickelt, das sind Kleinhäuser, die auch zu zweit bewohnt werden können. Von den eigentlichen Tiny Häusern sind wir da schon noch ein ganzes Stück weg.

Sind die Häuser dann günstiger, oder was genau ist der Vorteil?
Auch bei einem kleinen Haus muss man mit rund 2000 Euro pro Quadratmeter rechnen. Beim Hausbau entstehen die Hauptkosten auf den ersten Quadratmetern. Also eine Vorstellung, für 10000 Euro ein Häuschen zu bekommen ist unrealistisch. Man muss schon mit mindestens 25.000 Euro rechnen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×