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26.07.2011

10:22 Uhr

Bayreuther Festspiele

„Tannhäuser“ geht in Buhrufen unter

Böse Buhrufe zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele: Die Neuinszenierung von Wagners „Tannhäuser“ ging total daneben. Weder Ensemble noch Bühnenbild überzeugten das Publikum, das mit reichlich Prominenz gespickt war.

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BayreuthKnapp an einem veritablen Opernskandal vorbei - in einem Meer aus Buhrufen für das Regieteam um Sebastian Baumgarten ist die neue Inszenierung des „Tannhäuser“ von Richard Wagner zur Eröffnung der 100. Bayreuther Festspiele am Montagabend zu Ende gegangen. Drei Stunden ununterbrochen diverse Kessel und einen Alkoholtank anschauen zu müssen, war denn doch dem überwiegenden Teil des Premierenpublikums zu viel. Hingegen gab es viele Bravi für die Solisten und orkanartigen Beifall für den Festspiel-Chor (Einstudierung: Eberhard Friedrich). Das Bayreuth-Debüt des neuen Tannhäuser Lars Cleveman fiel allerdings bescheiden aus.

Baumgarten und sein Bühnenbildner Joep van Lieshout verorten die Wartburg in einer riesigen Biogasanlage. Im Hintergrund steht der knallrote Alkoholator. Gastanks und allerlei andere Behälter mit dicken Schläuchen wecken Fabrikatmosphäre. Biogas entsteht aus menschlichem Abfall, und dieses Gas wird wiederum zur Herstellung von Nahrung verwendet - für den Bühnenbildner entspricht diese Installation dem System, wie es auch auf der Wartburg herrscht. Das verwöhnte Publikum auf dem „Grünen Hügel“ wusste damit freilich nichts anzufangen. Manch enttäuschte Zuschauer schrie seine Wut gar in Fäkalsprache heraus.

In seiner „Tannhäuser“-Inszenierung versucht Baumgarten den Konflikt des Titelhelden zwischen wahrer Liebe im geordneten System der Wartburg und bloßer Begierde in der sinnlichen Welt der Venus herauszuarbeiten. Cleveman wird den hohen Ansprüchen an die Rolle bei seinem Bayreuth-Debüt aber kaum gerecht. Seinem Tenor fehlt der Glanz, das Dramatische in der Stimme, er kann keine musikalischen Bögen spannen. Entsprechend verhalten fiel der Beifall am Ende für ihn aus.

Camilla Nylund als Elisabeth steigerte sich im Laufe des Abends hörbar, während Stephanie Friede als schwangere Venus mitunter unschön forcierte. Günther Groissböck überzeugte als Landgraf, Michael Nagy gab einen fast lyrischen Wolfram von Eschenbach - allesamt Debütanten auf dem „Grünen Hügel“.

Thomas Hengelbrock - auch er zum ersten Mal bei den Bayreuther Festspielen engagiert - jagte mit flotten Tempi beinahe durch das dreistündige Werk Richard Wagners. Das bestens disponierte Festspielorchester mit glänzend aufspielenden Blechbläsern folgte ihm aber diszipliniert.

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Von

dpa

Kommentare (4)

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PaterEberhard

26.07.2011, 11:15 Uhr

In den USA heissen die Inszenierungen, die man uns hier zumutet, "European trash stagings". - Müll. Und der sollte alllmählich anderswo entsorgt werden.

oboe41

26.07.2011, 12:28 Uhr

Warum wehren sich die Sänger,das Orchester und der Dirigent nicht gegen den modernen Schwachsinn von Regisseuren,die nicht begriffen haben,dass sie nur dafür sorgen sollten,mit ihrer Inszenierung die Musik nicht zu stören.Ich schließe mich den Buhrufen uneingeschränkt an.

Ein Opernfreund,der immer seltener wegen dieser Regisseure in die Oper geht.

Geige81

26.07.2011, 12:43 Uhr

Bei den Sängern fehlt mir die Kenntnis, da kenn ich mich zu wenig aus, aber wenn man sich die Inszenierung genau angeschaut hat merkt man, das es ganz schön ins Detail geht. Mir hat die Inszenierung sehr gut gefallen, im Hintergrund sehr modern, aber stimmig und vorne die Hauptrollen in teils zu der damaligen Zeit passenden Kostümen. Ich würde sofort wieder rein gehen!

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