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28.06.2017

19:09 Uhr

Beckmann, van Gogh, Picasso

Einblick in die Jagd nach Kunsttrophäen

VonSusanne Schreiber

Die aktuellen Auktionen in London realisieren wieder mal Höchstpreise für museale Gemälde von Beckmann und van Gogh. Warum werden einzelne Werke so astronomisch teuer? Ein Einblick in das Betriebssystem Kunstmarkt.

DüsseldorfWenn buchstäblich alles stimmt, dann erhöht sich der Kaufpreis eines Weltklasse-Gemäldes auch mal um 103 Prozent. Sechzehn Jahre hatte der Höchstpreis für ein Gemälde des expressiven, deutschen Malers Max Beckmann (1884 – 1950) bei 22,6 Millionen Dollar gelegen. Seit gestern Abend liegt der neue Rekord bei 36 Millionen Pfund oder 45,8 Millionen Dollar.

Das Auktionshaus Christie’s www.christies.com konnte in London Beckmanns „Hölle der Vögel“, eine harsche Kritik am Nazi-Regime, an den Großgaleristen Larry Gagosian abgeben. Dessen schwerreicher Auftraggeber bewilligte nach kurzem Bietgefecht eine Verdopplung des alten Top-Preises.

Warum werden einzelne Kunstwerke so astronomisch teuer? Bei Beckmanns „Hölle der Vögel“ ist es die Entlarvung der Nationalsozialisten als Mörder, Folterer und Gleichschalter. Gemalt in den Jahren 1937/38, da war der Maler gerade aus Deutschland geflohen, zuerst nach Amsterdam, dann nach Paris.

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Unter Beckmanns mythologisch-symbolischen Figurenbildern findet sich wohl keines, das mit einer so deutlich politischen Aussage aufwartet und malerisch so brillant ist. Diese Rarität, dazu eine erstklassige Provenienz aus der Sammlung von Richard Feigen, ein guter Erhaltungszustand und eine lückenlos dokumentierte Herkunftsgeschichte sind neben dem einzigartigen Thema die Voraussetzung für solche Höchstpreise.

Für Bilder mit diesem Potenzial braucht der Kunsthandel besondere Kunden: Sie müssen nicht nur äußerst liquide sein. Sie sammeln vorzugsweise nicht einen Maler oder eine Epoche, sondern „Weltkunst“. Solch potente Sammler jagen hinter Trophäen her.

Wer dafür in Frage kommt, hat ein Privatmuseum oder viele Räume für die Kunst und fürchtet sich nicht wegen der grausamen Folterszene im Vordergrund des Höllenbildes. Ein Sammler, der 46 Millionen – oder 112 Millionen Dollar wie für Munchs „Schrei“ – in die Hand nehmen kann, denkt nicht primär an einen späteren Weiterverkauf. Er demonstriert seine finanzielle Potenz beispielsweise als Investmenthändler mit Kunstwerken, die von der Qualität her jedem Spitzenmuseum gut anstehen würden.

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