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02.06.2014

16:04 Uhr

Berlin Auktion

Ein guter Tag für KPM-Porzellan

VonChristian Herchenröder

Lempertz setzt Porzellan aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur flüssig ab. Die Käufer sind zu gleichen Teilen Berliner, deutsche und ausländische Sammler. Für Gemälde, Zeichnungen und Fotografien mit Berlin-Bezug können sie sich weniger begeistern.

Siebenteiliges historistisches Service der Königlichen Porzellan-Manufaktur mit starker Vergoldung und repräsentativen Berlin-Ansichten auf Blaugrund (um 1860). Lempertz

Siebenteiliges historistisches Service der Königlichen Porzellan-Manufaktur mit starker Vergoldung und repräsentativen Berlin-Ansichten auf Blaugrund (um 1860).

BerlinVorwiegend ältere Semester saßen im Berliner Auktionssaal von Lempertz, als am 24. Mai 2014 KPM-Porzellane aus der Sammlung des Dahlemer Architekten Fritz Tielebier und weitere 95 Lose der Berliner Porzellanmanufaktur unter den Hammer kamen. Die insgesamt 338 Katalognummern, darunter 134 Lose aus der Sammlung Tielebier, spielten rund 750.000 Euro ein. Größere Ausfälle gab es nur im letzten Teil der Auktion, als Gemälde, Zeichnungen und Fotografie mit Berlin-Bezug ausgeboten wurden.

Für KPM-Porzellan war es ein guter Tag. Viele Sammler und Auftragskäufer waren zur Stelle, Internet-Bieter waren streckenweise erfolgreich. Nach Aussage des Auktionshauses kam ein Drittel der Käufer aus Berlin, ein weiteres Drittel aus der Bundesrepublik und wiederum ein Drittel aus dem Ausland. So sicherte sich ein russischer Sammler für 17.080 Euro eine um 1839 mit üppigem Blumenstilleben bemalte Bildplatte der KPM.

Neue Haltung zu Restaurierungen 

Teuerstes Porzellanobjekt der Auktion wurde ein siebenteiliges historistisches Service (Tête-à-tête) der Manufaktur mit starker Vergoldung und repräsentativen Berlin-Ansichten auf Blaugrund. Das um 1860 entstandene Schaustück ging für 51.200 Euro an einen deutschen Sammler. Vergleichbare Geschirre waren in den Auktionen immer teuer. Schon 1994 erlöste bei Christie's ein seladonfarbig grundiertes Exemplar 33.900 Pfund (damals 68.000 DM) und 2002 stieg im selben Auktionshaus ein weiteres Exemplar mit hellblauem Grund auf 25.095 Pfund.

Ausschnitt aus einer Porzellanbildplatte der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM), um 1839. Lempertz

Ausschnitt aus einer Porzellanbildplatte der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM), um 1839.

Von den Losen der Sammlung Tielebier waren viele Stücke restauriert, was auch in den Katalogbeschreibungen deutlich angemerkt war. Die Restaurierungen stehen in Zusammenhang mit der Provenienz und den seltenen Referenzstücken und Dekoren. Anders als in früheren Zeiten bevorzugen Sammler heute lupenreine Porzellane. Eine große klassizistische Deckelvase aus dem Berliner Schloss mit Achillesdarstellung und geklebtem Deckelbruch stieg von 6.000 auf 15.250 Euro.

Teile aus den königlichen Hofservicen wurden lückenlos abgenommen. Eine Kompottschüssel aus dem roten Tafelservice für Friedrich II. mit fünf Randchips ging für 5.980 Euro an einen Internetbieter (Taxe 1.400). Teile eines um 1765 entstandenen Kaffee- und Teeservices mit Schäferszenen in Grisaillemalerei gingen für 7.690 Euro an einen Telefonbieter.

Zurückhaltung beim Silber

Aus gemischtem Privatbesitz kam die blaugrundige Kratervase mit den Biskuitreliefs der Prinzessin Luise und des Kronprinzen Wilhelm, die ein Berliner Sammler für 18 300 Euro ersteigerte. Aus dem umfangreichen, in Einzellots aufgeteilten Hochzeitsservice für Marie-Elisabeth von Preußen (1836) ließen sich die meisten Stücke absetzen. Beim Silber hielten sich die Käufer zurück. Ausreißer unter den Bildern war eine kleine anonyme Potsdam-Ansicht des 19. Jahrhunderts, die von 2.500 auf 14.640 Euro stieg. Sechs Berliner Palisander-Stühle nach Schinkel-Entwurf wurden einem Internet-Bieter für wohlfeile 7.320 Euro zugeschlagen. Auf der Berliner Kunsthandelschau „Orangerie“ von 1987 war ein ebensolcher Satz (derselbe?) von dem Berliner Möbelspezialisten A. Stahlmach für 32.000 DM angeboten worden.

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