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05.05.2015

07:37 Uhr

Berlin Auktion

Russen bieten ohne Hemmungen

VonChristian Herchenröder

Lempertz’ Berlin Auktion ist erfolgreich wie noch nie. 90 Prozent der Offerte mit russischem Revolutionsporzellan wechselt den Besitzer Tassensammler schöpfen aus dem Vollen und deutscher Handel sichert sich Spitzenstücke aus der KPM-Offerte.

Der Porzellanteller mit Leninporträt und der Inschrift Inschrift „Wer nicht arbeitet, der isst nicht“ kletterte von geschätzten 10.000 auf 44.600 Euro (inkl. Aufgeld). Quelle: Lempertz

Sowjetische Losung

Der Porzellanteller mit Leninporträt und der Inschrift Inschrift „Wer nicht arbeitet, der isst nicht“ kletterte von geschätzten 10.000 auf 44.600 Euro (inkl. Aufgeld). Quelle: Lempertz

BerlinSo voll wie an diesem Samstag, dem 2. Mai 2015 war der Saal noch nie. Die in das Gallery Weekened gelegte Berliner Auktion von Lempertz war dank stringenter Saalgebote und beherzter Online-Bieter ein voller Erfolg. Mit brutto 1,76 Millionen Euro wurden alle bisherigen Ergebnisse weit übertroffen. Das lag an dem profunden Angebot von KPM-Porzellanen und an dem aus einer Wiener Sammlung eingelieferten sowjetischen Porzellan, dessen 52 Lose allein schon 550 000 Euro erzielten und zu 90 Prozent abgesetzt wurden. Hier sorgten fünf Bieter, zwei davon am Telefon in London und Moskau, und drei Aktive im Internet für die unerwarteten Preissprünge, die den Ausrufen folgten.

Die überwiegend russischen Käufer orientierten sich nicht an den vorsichtigen Taxen. Sie trieben einen Porzellanteller mit Leninporträt und der Inschrift „Wer nicht arbeitet, der isst nicht“ auf brutto 44 600 Euro (Taxe bis 10.000 Euro). Von 4.000 auf 43.400 Euro stieg ein Teller mit dem Siegeskranz der Oktoberrevolution 1917, von 6.000 auf 38.400 Euro ein Teller mit dem Märchenmotiv eines Wein trinkenden Liebespaars. Mit stattlichen 32.240 Euro wurde eine um 1934 mit Reitern der Roten Kavallerie bemalte Zuckerdose nebst Tasse bewertet (Taxe bis 2.500 Euro). Das sind Zuschläge, die mit Londoner Auktionsergebnissen konkurrieren können.

Privatsammler sticht Berliner Museen aus

Schon eines der ersten Lose in der Auktion mit Berlin-Objekten stieg weit über die Schätzung: Antoine Pesnes Porträt der von Friedrich dem Großen geförderten Tänzerin Barberina Campanini wurde mit 20.000 Euro aufgerufen und ging für 104.000 Euro an einen süddeutschen Privatsammler, der damit die Berliner Museen überbot.

Das Prachtstück der Auktion, eine große, 1836 datierte KPM-Kratervase mit umlaufender Potsdam-Ansicht von dem Manufaktur-Maler Eduard Wilhelm Forst aus Berliner Privatbesitz wurde zunächst unter Vorbehalt für 195.000 Euro zugeschlagen, aber nach der Auktion für netto 205.000 Euro in den Bremer Kunsthandel abgegeben, was brutto der Höchstschätzung von 250.000 Euro entspricht. In den Münchner Handel wandern die zwei exzeptionellen Tafelaufsätze mit Wilddarstellungen nach J.E. Ridinger, die um 1815 für die Prinzessin Charlotte von Preußen geschaffen wurden, zum immer noch moderaten Preis von 49.600 Euro und die auf dem Fuße folgende Münchner Vase mit Berliner Ansichten bei 37.200 Euro.

Paradies für Tassensammler

Tassensammler konnten an diesem Vormittag aus dem Vollen schöpfen. In einer Serie von rund 20 ausgebotenen Tassen feinster Bemalung waren vor allem die Stücke der Campanerform begehrt. Die Preissprünge für die meist von 800 bis 1.200 Euro taxierten Stücke gingen bis zum Hammerpreis von 3.600 Euro für eine rundum mit Rosenblüten dekorierte Tasse. Bei den mit Blumenbouquets und botanischen Motiven bemalten Ziertellern reichten die Zuschläge ebenfalls bis zum magischen Hammerschlag 3.600 Euro.

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