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29.01.2010

11:10 Uhr

Berliner Galerien

Austausch mit Paris belebt die Szene

VonChristian Herchenröder

Die Kooperation mit französischen Galerien entwickelt sich zum Erfolgsmodell. Dazu gibt es eine Reihe von bemerkenswerten Ausstellungen im arktischen Kunstwinter.

Der Rahmen ist alles, das Bild ist verschwunden in "La bataille" des Künstlerduos Kolkoz. Galerie Wentrup

Der Rahmen ist alles, das Bild ist verschwunden in "La bataille" des Künstlerduos Kolkoz.

BERLIN. Es gibt keine Ermüdungserscheinungen. Das Berliner Kunstmarktjahr beginnt bei eisigen Temperaturen mit dem programmatischen Auftritt Pariser Galerien. 27 Händler nehmen an diesem zweiten Galerienaustausch teil - ein Stimmungsbarometer, das die Kunstachse Berlin-Paris fördert und in wirtschaftlichen Krisenzeiten Kontinuität zeigt.

Die Stimmung ist ohnehin besser als erwartet. Zwar sind die Amerikaner in den letzten 14 Monaten als unkritische Dauerkunden ausgefallen, aber bei Künstlern mit Qualität und Renommee gab es in den letzten Monaten keine existenzbedrohlichen Absatzprobleme. Bis jetzt hat nur Rafael Jablonka seine Galerietätigkeit aufgegeben, was kaum verwundert, weil hier das Rad mit teuren One-man-Shows deutlich überdreht wurde. Matthias Arndt trennt sich von seinen Partnern und eröffnet Ende April neue Räume an der Potsdamer Straße unter dem neuen Label Arndt mit einer Schau seiner Programmkünstler nebst eingeladenen Gästen, die Galerie am Wasser wird geschlossen. Die Berliner Dependance der Galerie Konrad Fischer, von der es immer wieder hieß, sie verlasse Berlin, beteiligt sich am deutsch-französischen Galerieaustausch und zeigt mit der Pariser Galerie Nelson-Freeman die fabulierfreudigen Farbzeichnungen von Anne-Marie Schneider.

Dialog bei Carlier/Gebauer


Interessant ist die Künstlermischung, die Carlier/Gebauer in Kooperation mit den Pariser Galerien Natalie Seroussi und Michel Rein in der Markgrafenstraße aufgefahren hat. Die figurenreichen Videos des Hauskünstlers Aernout Mik und ein Flaggenfoto von Paul Graham (16.000 Euro) flankieren eine Suite autistischer Selbstporträts des Litauers Mark Raidpere (komplett 12.000 Euro), die in ihrer Radikalität an die Wiener Aktionisten der 60er-Jahre erinnern. In die Dreidimensionalität überführt ist das Studierzimmer des Hl. Hieronymus in einem Gemälde Antonello da Messinas: Das von Raphael Zarka minutiös nachgeschreinerte Kabinett nimmt den Bildraum beim Wort (9.000 Euro). Starke dokumentarische Präsenz haben die in den 90er-Jahren entstandenen Berlin-Fotos von Jean-Luc Moulène (11.500 Euro).

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