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29.12.2012

13:24 Uhr

Berliner Galerien

In Schwerelosigkeit verflüchtigt

VonChristian Herchenröder

Die Berliner Galerien locken mit starken Ausstellungen zum Jahreswechsel. Das Angebot reicht von der Malerei des 19. Jahrhunderts über die Skulptur der Jahrhundertwende bis zur Handzeichnung junger Künstler.

Jannis Kounellis, Blick in die Ausstellung bei Blain/Southern in Berlin. Blain-Southern, Berlin

Jannis Kounellis, Blick in die Ausstellung bei Blain/Southern in Berlin.

BerlinZum Jahreswechsel hat die Berliner Galerieszene markante Ausstellungen zu bieten, deren Radius vom 19. Jahrhundert bis zur jungen Handzeichnung reicht. Fünf Ausstellungen geben Raum für Neu- und Wiederentdeckungen.

Klassische Positionen vertritt eine Accrochage bei Wolfgang Werner in der Fasanenstraße. Sie beginnt chronologisch mit einer Feuerbach-Skizze Corot’scher Anmutung und führt über ein in seiner Farbauflösung höchst modern wirkendes Ölbild von Odilon Redon („Roger et Angelique“, 285.000 Euro) zu zwei frühen Liebermann-Gemälden, von denen der noch der Piloty-Schule nahe „Witwer“ von 1873 Sozialempathie verrät. Er soll 380.000 Euro kosten.

Emil Noldes Aquarell "Dampfer und Segler" von 1913/14. Kunsthandel Werner, Berlin

Emil Noldes Aquarell "Dampfer und Segler" von 1913/14.

Es folgen Gemälde von Paula Modersohn-Becker und Nolde-Aquarelle. Im Mittelpunkt stehen Bronzen von Bernhard Hoetger, der in seinen Pariser Jahren als legitimer Nachfolger Auguste Rodins gefeiert wurde und dessen trompetenhaft gebauschte Tanzfigur von 1901 („Der Sturm“, 65.000 Euro) die deutsche Antwort auf den Jugendstilkünstler Raoul Larche ist. (Bis Ende Januar)

Streichholzspuren auf Papier

Eine schöne Mischung von bewährten Stammkünstlern und jungen Absolventen der Kunsthochschule Weissensee präsentiert die auf Zeichnungen spezialisierte Galerie Fruehsorge in ihrer letzten Ausstellung in der Heidestraße. Was die bis zum 23. Februar gezeigten Arbeiten verbindet, ist ihr Materialumgang. Er zeigt sich etwa in Gestalt von Abreibungen von 82 Streichhölzern auf Papier von Nadine Fecht (in einem Diptychon, dessen linke Seite von regelmäßigen Farbstiftpunkten beherrscht wird, für 6.000 Euro) oder in den gewellten Rußlinien auf einem Großblatt von Valentin Emil Lubberger (4.000 Euro).

Eine Entdeckung sind die subtilen Zeichnungen des Weissensee-Schülers Kazuki Nakahara. Auf ihnen erscheint in freier Tuschkalligraphie oder in strenger geometrischer Balance als einziges Farbvaleur das Wiedererkennungszeichen eines von oben angepeilten kreisrunden Haarschopfes (850 Euro).

Blick in die R.B. Kitaj-Ausstellung von Moeller Fine Art in Berlin. Moeller Fine Art, Berlin

Blick in die R.B. Kitaj-Ausstellung von Moeller Fine Art in Berlin.

Schlaflos durch London

Parallel zur großen Ronald Kitaj-Retrospektive im Jüdischen Museum zeigt die Galerie Moeller Fine Art am Tempelhofer Ufer 15 Gemälde des 2007 in Los Angeles gestorbenen Künstlers, der sich in seiner Malerei auch mit seiner jüdischen Herkunft auseinandergesetzt hat. Die Preise beginnen bei 40.000 Euro für Kleinformate. Einige der hier ausgestellten Bilder sind biographischer Natur. So rekapituliert der früh als Vertreter der britischen Pop Art gefeierte Maler in dem von Alarmrot beherrschten Gemälde „The First Time“ eine Intimszene kurz nach dem Verlust seiner Unschuld (220.000 Euro). In dem Nachtstück „Up all Night (Fulham Road)“ geistert der an Schlaflosigkeit Leidende durch Londoner Straßen. Das Bild „The Room (Rue St. Denis“ zeigt ein leeres Zimmer, das von einer roten Bettdecke dominiert wird. Im steilen Hochformat „Two Messiahs“ umschlingt sich ein Liebespaar, das eine Post-Pop-Melange von Kokoschka, Klimt und Schiele ist (220.000 Euro); eine Hommage an die Wiener Lehrjahre des Künstlers. (Bis 15. Februar)

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