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23.11.2012

08:59 Uhr

Berliner Galerien

Von Lichtschleusen und "Umtarnfarben"

VonChristian Herchenröder

Comeback der Sechziger: Heinz Mack lässt Lichtkörper in einen verspiegelten Raum wachsen. Adolf Luther arbeitet mit motorisierten Konkavspiegeln und Jannis Kounellis mit „armen“ Materialien. Darüber hinaus empfiehlt sich ein Blick auf jüngste Werke von Johannes Wohnseifer und Tilo Baumgärtel.

Adolf Luther: Hohlspiegelobjekt, 1970, Galerie 401contemporary, Berlin. VG Bild-Kunst Bonn 2012. (Ausschnitt) Archiv

Adolf Luther: Hohlspiegelobjekt, 1970, Galerie 401contemporary, Berlin. VG Bild-Kunst Bonn 2012. (Ausschnitt)

BerlinDer Kunstmarkt feiert die Rückkehr der sechziger Jahre. Gleich drei benachbarte Berliner Galerien zeigen in ihren Herbstausstellungen Künstler, deren Marktkarriere in diesem bewegten Jahrzehnt begann. Der Lichtkinetiker und Zero-Vertreter Heinz Mack hat eine exzellent präsentierte, gut gemischte Übersichtsschau in der Galerie Arndt. Im alten Tagesspiegel-Gelände erinnert die Galerie 401 Contemporary an den Spiegelkünstler Adolf Luther mit Bildern und Objekten aus den Jahren 1959 bis 1970. Gegenüber, bei Blain/Southern läuft eine Ausstellung mit neueren Werken des Arte Povera-Protagonisten Jannis Kounellis. Sie reagiert auf den monumentalen Galerieraum und arbeitet mit den „armen“ Materialien, die zu einem Markenzeichen des in Rom lebenden Griechen geworden sind: Stahl, Sackleinen, Seile, Ruß. (Bis 26. Januar)

Die Mack-Ausstellung bei Arndt gibt substantielle Einblicke in das Gesamtwerk. Der rheinische Künstler, der von Beck & Eggeling in Düsseldorf vertreten wird, figuriert hier mit frühesten Arbeiten wie einem weißen Relief von 1959 (270.000 Euro) oder subtilen Graphitabreibungen, die um 22.000 Euro kosten. Das Angebot umfasst auch jüngst entstandene spektralfarbige Werke wie die Pastelle für 16.000 bis 20.000 Euro oder das große Acrylbild „Blauer Turm“ für 320.000 Euro. Von musealer Statur ist das aus beweglichen und statischen Elementen aufgetürmte „Cabinet of Light“ von 1964.

An Macks Expedition in die algerische Wüste erinnert das reliefierte Sandbild „Kleine Wüste“ von 1964 (140.000 Euro). Im „Virtuellen Volumen“ aus dem gleichen Jahr wachsen Lichtkörper in einen verspiegelten Raum, der Sonne und Weite suggeriert. Das Spiel mit ästhetischen Phänomen, die als monochrome Bilder, als Wellglasobjekte, als motorgetriebene Scheibe oder als geflügeltes Alurelief variable Lichtwirkungen und Brechungen generieren, zieht sich durch die gesamte Schau. (Bis 28. Februar)

Sammler entdecken Adolf Luther

Im Zentrum der Luther-Ausstellung steht der museale „Fokussierende Raum“ von 1968, der mit 41 motorbewegten Konkavspiegeln, vier Spotlights und Rauch sphärisch flutende Lichtbündel erzeugt. Frühestes Exponat ist ein schwarzes Materialbild von 1959, das mit 31.000 Euro ausgepreist ist. Seine pastosen Farbwülste bilden eine optisch-energetische Einheit, wie sie dann mit den hier gezeigten präsenten Lichtschleusen (um 15.000 Euro), den Linsen- und Hohlspielobjekten der sechziger und siebziger Jahre eine immer stärkere immaterielle Qualität gewinnt. Das große Hohlspiegelrelief von 1970 mit halbtransparenten, getönten Spiegelstreifen lässt den Betrachter zur 24-fach inkorporierten Lichtgestalt werden – Teil einer Erkenntnistheorie, die in experimenteller Konsequenz auf Entmaterialisierung zielt (60.000 Euro).

Die Luther-Preise sind in Bewegung. In der Sotheby's-Auktion der Sammlung Lenz im Februar 2010 erlöste die frühe weiße „Struktur für Licht“ 121.000 Pfund  und in der Villa Grisebach-Auktion vom Mai 2011 spielte ein 1977 für die Karstadt-Verwaltung entstandenes, 7 Meter breites Spiegelobjekt 122.000 Euro ein. Seitdem hat sich das Interesse an dem Lichtkünstler, der im April  100 Jahre alt geworden wäre, deutlich gesteigert. Nur die Museen halten sich  noch zurück. (Bis 16. Februar)

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