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12.05.2015

12:45 Uhr

Berliner Philharmoniker

Suche nach neuem Chefdirigenten geht weiter

Trotz einer elfstündigen Marathonsitzung haben die Musiker der Berliner Philharmoniker noch keinen Nachfolger für den 2018 scheidenden Dirigenten Simon Rattle gefunden. Die Suche kann sich noch über ein Jahr hinziehen.

Er wird 2018 die Berliner Philharmoniker verlassen. Einen Nachfolger für Simon Rattle gibt es bislang nicht. dpa

Simon Rattle

Er wird 2018 die Berliner Philharmoniker verlassen. Einen Nachfolger für Simon Rattle gibt es bislang nicht.

BerlinNach der geplatzten Wahl eines neuen Chefdirigenten müssen die Berliner Philharmoniker wieder auf Kandidatensuche gehen. Das Orchester werde sich dafür die nötige Zeit nehmen, sagte Orchestervorstand Peter Riegelbauer am Montagabend nach dem Scheitern der Abstimmung in Berlin.

„Das kann auch ein Jahr dauern.“ Bis dahin wolle das Orchester über die Namen und die künftige künstlerische Ausrichtung intern beraten.

Die Wahl eines Nachfolgers für Simon Rattle im Jahr 2018 war nach einer elfstündigen Marathonsitzung der 123 wahlberechtigten Musiker am späten Montagabend ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Trotz mehrerer Wahlgänge habe man sich auf keinen Dirigenten einigen können, sagte Riegelbauer. Die Leitung des Orchesters gilt als eine der begehrtesten Positionen in der Welt der klassischen Musik.

Die Dirigenten der Berliner Philharmoniker

Hans von Bülow, 1887-1892

Der Dirigent, der 1865 in München die Uraufführung von Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ geleitet hatte , setzte die Maßstäbe für den späteren Ruhm des Orchesters. 1892 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, zwei Jahre später starb er.

Arthur Nikisch, 1895-1922

Nach seiner Rückkehr aus den USA übernahm er 1895 das Orchester. Mit Nikisch unternahmen die Philharmoniker ihre ersten großen Reisen, unter anderem zur Krönung des Zaren nach Moskau. Nikisch blieb 27 Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1922.

Wilhelm Furtwängler, 1922-1934 und 1952-1954

Mit 36 Jahren trat er 1922 als Chef an. Nachdem das NS-Regime die Uraufführung von Paul Hindemiths Oper „Mathis der Maler“ verboten hatte, legte er sein Amt nieder. Ein Jahr später kehrte er zurück, ohne Ämter. 1945 erhielt er Berufsverbot. In einem Entnazifizierungsverfahren wurde er freigesprochen. 1952 erhielt er seine Position offiziell zurück, zwei Jahre vor seinem Tod.

Herbert von Karajan, 1956-1989

Seit 1956 entwickelten sich die Philharmoniker mit Karajan zum „Global Player“ mit Tourneen in die USA, Japan und China sowie Platten- und TV-Aufnahmen. Karajan setzte sich für den Bau der Philharmonie ein, die 1963 eröffnet wurde. Als er gegen den Willen des Orchesters die Klarinettistin Sabine Meyer verpflichten wollte, kam es zum Eklat. 1989 legte Karajan sein Amt nieder. Drei Monate später starb er.

Claudio Abbado, 1990-2002

Die Laufbahn des Italieners war früh mit dem Orchester verknüpft. Mit 33 Jahren gab er sein Debüt in Berlin. 1990 wurde er zum Chefdirigenten gewählt. Abbado widmete sich unter anderem dem Werk Gustav Mahlers, konzertanten Opernaufführungen und großen Zyklen - und wurde vom Publikum angehimmelt. Nach dem letzten Konzert als Chef 2002 regneten mehr als 4000 Blumen auf ihn herab. Bis zu seinem Tod 2014 kehrte er immer wieder als Gast nach Berlin zurück.

Simon Rattle, seit 2002

Auch der Brite dirigierte vor seinem Start 2002 sehr oft das Orchester. Er pflegt einen transparenten Klang und setzt sich für zeitgenössische Komponisten ein. Sehr aktiv ist er am Bildungsprogramm für junge Leute beteiligt. Große Erfolge hatte Rattle mit seinen Zyklen der Symphonien von Brahms, Sibelius und Mahler. Ab 2017 wird er Chef des London Symphony Orchestra und will bis zu seinem Abschied ein Jahr zwischen London und Berlin pendeln.

Die Philharmoniker sind das einzige Spitzenensemble, das selbstständig über ihren Chefdirigenten entscheidet.

Im Gespräch für die Leitung der Philharmoniker waren unter anderem Andris Nelsons, Chef des Boston Symphony Orchestra, Christian Thielemann, Leiter der Staatskapelle Dresden, und Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper.

Die Philharmoniker waren am Montagmorgen an einem zunächst geheim gehaltenen Ort zusammengekommen. Später wurden die Journalisten vor die Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem gebeten, wo sie bis in den späten Abend auf das Ergebnis warteten. In der Kirche hat das Orchester wegen ihrer guten Akustik zahlreiche Platten und CDs aufgenommen.

Rattle hatte angekündigt, dass er seinen Vertrag über das Jahr 2018 nicht verlängern werden. Der Brite ist seit 2002 im Amt. 2017 tritt er als Chefdirigent des London Symphony Orchestra an und will dann ein Jahr lang zwischen Berlin und London pendeln.

Die Berliner Philharmoniker

Bedeutung

Die Berliner Philharmoniker zählen zu den ältesten selbstständigen freien Orchestern und gelten als einer der namhaftesten Klangkörper der Welt.
Quelle: dpa

Nazi-Zeit

1934 übernahm das Deutsche Reich alle Gesellschaftsanteile der GmbH, die Musiker wurden zu Angestellten der Gesellschaft.

Nach dem Krieg

Nach 1945 übernahm der Magistrat von Groß-Berlin die Pflichten des Reiches. Das Orchester wird vom Land Berlin über eine Stiftung gefördert.

Organisation

Auch heute noch hat das Orchester mit seinen 128 Planstellen ein weitgehendes Recht auf Selbstverwaltung, das 1952 geregelt und 1992 ergänzt wurde.

Von

dpa

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