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31.01.2007

17:02 Uhr

Bestsellerautor erlag Lungenentzündung

Trauer um Sidney Sheldon

Eine Welt voll Reichtum, Glanz, Schönheit und wilder Affären servierte der amerikanische Bestsellerautor Sidney Sheldon seiner Lesergemeinde rund um den Globus. Nach seinem Tod im Alter von 89 Jahren trauerten am Mittwoch Menschen in aller Welt um einen Schriftsteller, der es meisterhaft verstand, sie mit seinen kunstvoll konstruierten Plots in Atem zu halten.

HB LOS ANGELES. Sheldons packende Krimis und unvergleichlich romantischen Romane sind in 51 Sprachen übersetzt und werden in 180 Ländern der Welt verschlungen. Dass er selbst in bitterster Armut aufgewachsen war und als einziger in seiner Familie einen Schulabschluss besaß, plauderte Sheldon 2005 in seinen Memoiren „The Other Side Of Me“ (Die andere Seite von mir) aus. Sheldon war am Dienstag in Kalifornien den Folgen einer Lungenentzündung erlegen.

1917 als Sidney Schechtel in Chicago geboren, besuchte Sheldon ein gutes Dutzend Schulen. Wegen ihrer Mietschulden blieb die jüdische Familie nie lange an einem Ort. Beide Eltern, ein Verkäufer und eine Hausfrau, hatten die Schule früh verlassen und nie in ihrem Leben ein Buch gelesen, wie die „Los Angeles Times“ am Mittwoch schrieb.

Sidney gewann nach der High School ein Stipendium an der angesehenen Northwestern Universität, musste das Studium in der Zeit der Depression dann aber doch wegen Geldmangels abbrechen. Er hielt sich als Platzanweiser im Kino und Schuhverkäufer eine Zeit lang über Wasser. Dann forderte er sein Glück heraus und zog über New York nach Los Angeles, wo er für 17 Dollar die Woche an Drehbüchern mitschreiben durfte. Nach mehreren Musicals, die er zusammen mit seinem Freund und Kollegen Ben Roberts verfasste, kam 1948 endlich der Durchbruch.

Sheldon bekam für die Filmkomödie „So einfach ist die Liebe nicht“ (1947) mit Cary Grant und Shirley Temple in den Hauptrollen den Oscar für das beste Originaldrehbuch verliehen. Doch „in der Nacht, die eigentlich die glücklichste Nacht meines Leben hätte sein sollen, war ich dem Selbstmord nahe“, schrieb er knapp 60 Jahre später in seiner Autobiografie. Ein Psychiater bestätigte ihm, dass er manisch- depressiv war.

Sheldon schrieb die Vorlagen für Dutzende Hollywood-Hits, Theaterstücke und weltweit populäre Fernsehserien wie die Sitcom „Bezaubernde Jeannie“ und die bekannte Krimiserie „Hart aber herzlich“. Erst zu seinem 50. Geburtstag schenkte er sich sozusagen selbst seinen ersten Roman: „Das nackte Gesicht“. Seither erschienen weitere 17 Romane von ihm, durchgehend Weltbestseller und fast alle verfilmt, der letzte mit dem Titel „Der Zorn der Götter“.

Dass ihm einige Kritiker Banalität und unglaubwürdige Plots vorwarfen, schmälerte Sheldons Ansehen wenig. „Das Geheimnis von Sidneys anhaltendem Erfolg ist, dass er ein großartiger Erzähler ist“, verteidigte ihn sein Agent Mort Janklow im Jahr 2004 in der Zeitung „The Times“ und fuhr fort, „die Leser bewundern seine Charaktere, oftmals Frauen in Gefahr. Er kann instinktiv die Gefühle von Frauen erfassen“. Sheldon selbst ließ Kritik an sich abperlen. „Ich schreibe nicht für Kritiker. Ich schreibe für Leser“, sagte er gelassen.

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