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10.11.2015

09:48 Uhr

Beutekunst aus Polen

Auf dem Warschauer Radar

VonOlga Kronsteiner

Während des Zweiten Weltkriegs verschwanden in Polen tausende Kulturgüter. Über den Kunsthandel gelangten solche Werke in Privatbesitz. Nun tauchen einige Objekte auf dem von polnischen Behörden überwachten Kunstmarkt auf.

In der Fachliteratur wird die als Kriegsverlust registrierte Büste einer Diana des französischen Bildhauers Jean-Antoine Houdon ohne den auffälligen Schultergurt beschrieben. Deshalb ist die Herkunft für das Auktionshaus im Kinsky nicht zweifelsfrei geklärt. Quelle: Im Kinsky

Aus einer österreichischen Privatsammlung

In der Fachliteratur wird die als Kriegsverlust registrierte Büste einer Diana des französischen Bildhauers Jean-Antoine Houdon ohne den auffälligen Schultergurt beschrieben. Deshalb ist die Herkunft für das Auktionshaus im Kinsky nicht zweifelsfrei geklärt. Quelle: Im Kinsky

WienGeht es um Kriegsverluste, konkret um in der NS-Zeit aus Museen verschwundene Kulturgüter, sind polnische Historiker und Institutionen aktiv wie schon lange nicht. Der vor kurzem über einen Bericht der Financial Times („Nazi claims spur fight between Vienna and Krakow over Bruegel”, 22. Oktober 2015) heraufbeschworene Kampf um ein Brueghel-Gemälde zwischen Österreich und Polen darf als beendet erklärt werden, bevor er begann.

Der darin geäußerte Verdacht, ein 1939 aus dem Nationalmuseum Krakau verschwundenes Gemälde befände sich nunmehr im Kunsthistorischen Museum Wien (KHM), erwies sich schnell als völlig haltlos. Denn tatsächlich handelt es sich um zwei Versionen des gleichen Motivs: einerseits um den „Kampf zwischen Fasching und Fasten“ von Pieter Brueghel d.Ä., seit 1748 durchgehend im KHM-Bestand, sowie andererseits um eine der vielen Wiederholungen seines Sohnes Pieter Brueghel d. J., die in Krakau verlustig ging.

Eine der vielen Wiederholungen des von Pieter Brueghel d. Ä. geschaffenen Motivs "Kampf zwischen Fasching und Fasten" von Pieter Brueghel d. J., die in Krakau verloren ging. Quelle: Vergleichsabbildung im KHM Archiv Gemäldegalerie

Brueghel im Visier

Eine der vielen Wiederholungen des von Pieter Brueghel d. Ä. geschaffenen Motivs "Kampf zwischen Fasching und Fasten" von Pieter Brueghel d. J., die in Krakau verloren ging. Quelle: Vergleichsabbildung im KHM Archiv Gemäldegalerie

Monitoring des Kunstmarktes

Dass polnische Beutekunst auch ins Ausland abwanderte, ist längst erwiesen. Dementsprechend intensiv wird das Monitoring des internationalen Kunstmarktes von den polnischen Behörden betrieben. Teils mit Erfolg.

Im August vergangenen Jahres kehrte Oswald Achenbachs Gemälde „Via Cassia bei Rom“ in den Bestand des Nationalmuseums in Breslau zurück. Entdeckt hatte es die Kriegsverluststelle des polnischen Kulturministeriums im Mai 2014 im Angebot von Van Ham. Das Gemälde des Düsseldorfer Malers, das nach einem Einbruch im Depot des Breslauer Museums seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt, wurde von der Auktion zurückgezogen, der Einlieferer nahm von seinen Eigentumsansprüchen Abstand.

Anfang dieses Jahres wurde ein Bozetto von Jacob Jordaens („Hl. Ivo unterstützt die Armen“) restituiert, das 2008 im Angebot von Sotheby’s London aufgetaucht war, im April war es wiederum ein Rokokotisch, der im Frühjahr 2013 bei Hermann Historica (München) den Besitzer wechseln sollte. Der „persönliche Spieltisch von Zar Alexander II“ war als „bedeutende und erstklassige Arbeit“ avisiert und der Rufpreis mit 35.000 Euro beziffert. In den Katalogangaben hatte man auch auf die Herkunft Schloss Lazienki bei Warschau verwiesen und landete damit natürlich auf dem Warschauer Radar.

Beute aus Schloss Lazienki

Bauherr des 1793 fertig gestellten Schlosses war der polnische König (1764-1795) Stanislaw Antoni Poniatowski, der eine exquisite Sammlung sein Eigen nannte. Bereits im Zuge des Ersten Weltkriegs wurde sie von russischen Truppen geplündert und kehrte 1922 (Vertrag von Riga) nach Polen zurück.

Während des Zweiten Weltkriegs und unter nationalsozialistischer Herrschaft bediente man sich neuerlich an den in Schloss Lazienki verwahrten Schätzen, deren Spur sich bis heute größtenteils verlor. Der Spieltisch wanderte Anfang 1940 zu Ausstattungszwecken in die Wohnung des damaligen tschechischen Gesandten. Anderes wurde November 1940 in Kisten verpackt und zum Sitz des Gouverneurs nach Krakau transportiert, darunter auch die Büste einer Diana des französischen Bildhauers Jean-Antoine Houdon.

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