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13.04.2012

17:22 Uhr

Bieber, Madonna und Co.

Im Netz überleben nur Stars

VonDésirée Linde

Millionen-Aufrufe bei Youtube statt Demo-Tapes, Rundum-Vermarktung statt Plattenvertrag – bei der Suche nach zukunftsträchtigen Verdienstmodellen in einer kriselnden Branche drohen Künstler auf der Strecke zu bleiben.

Der kanadische Sänger Justin Bieber wurde übers Netz bekannt, ging dann aber zu Universal. dpa

Der kanadische Sänger Justin Bieber wurde übers Netz bekannt, ging dann aber zu Universal.

Düsseldorf/BerlinFür die Suche nach dem künftigen Star gönnt sich Tim Renner auch schon mal den Luxus vergangener Zeiten. Wie vor ein paar Wochen, als der Motor Music-Chef inkognito in Zürich einen Musikclub besuchte. Dort spielte die Band Buraka Som Sistema, die ihm seine 18 Jahre alte Tochter empfohlen hatte. Sie hatte die Band auf einem Festival gesehen. Renner hätte die portugiesisch-angolische Gruppe gern unter Vertrag genommen, die war aber schon komplett versorgt. Das wiederum wusste Renner nicht.

Dabei waren das Internet und mit ihm Star-Macher Renner an seine Grenzen gestoßen. „Das hatte ich nicht ergoogeln können“, sagt Renner. Ein seltener Moment in der Welt des Musik-Biz, dessen Digitalisierung sich selbst die Großen nach anfänglichen Beharr-Reflexen nicht mehr verweigern und sich so langsam aus der weltweiten Krise herauskämpfen. 2011 war das erste Jahr, in dem sich die weltweite Abwärtsspirale nicht weiterdrehte und auch der Deutschland-Markt im Vergleich zum Vorjahr mit einem Volumen knapp 1,5 Milliarden Euro stabil war. Erstmals seit 1997.

Welche Talente erfolgversprechend sind, wer die erhoffte Finanzspritze der Branchen-Multis oder auch von kleineren Labels wie dem von Renner auf einem stark zusammengeschmolzenen Markt bekommt, entscheidet sich längst auch über die digitalen Kanäle.

Nicht wie vor exakt einem halben Jahrhundert, als der Hamburger Starclub eröffnete, der die Beatles groß machte, und sie den Club. Als das – zugegeben – romantisierte Bild vom Talentscout auf der Hamburger Reeperbahn zwischen Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll noch eher stimmte als heute, wo die Newcomer-Suche nur einen Klick auf Youtube oder MySpace entfernt beginnt.

Die Musikindustrie in Zahlen

Weltweiter Musikverkauf

Der Umsatz mit physischer und digitaler Musik zu Endverbraucherpreisen weltweit betrug in 2001 rund 33,6 Milliarden US-Dollar, in 2010 waren es noch 24,4 Milliarden US-Dollar (inklusive Mehrwertsteuer).

Gesamterträge in Deutschland

2001
2.365 Milliarden Euro

2004

1,753 Milliarden Euro, davon digital: 13 Millionen Euro

2010
1.489 Milliarden Euro, davon digital: 204 Millionen Euro

Umsatzanteil der physischen Tonträger

2001
CD: 85 Prozent
MC: 3,0 Prozent
LP: 1,0 Prozent
Single: 11,0 Prozent
DVD/VHS: ---

2010
CD: 87,9 Prozent
MC: 0,7 Prozent
LP: 0,9 Prozent
Single: 1,5 Prozent
DVD/VHS: 8,9 Prozent

Quelle: Bundesverband Musikindustrie e.V.

Umsatzentwicklung in den Teilmärkten

Pop National
2009: 438 Millionen
2010: 414,3 Millionen (-5,4 Prozent)

Pop International
2009: 5,34 Millionen
2010: 459,6 Millionen (-13,9 Prozent)

Klassik
2009: 110,6 Millionen
2010: 105,6 Millionen (-4,6 Prozent)

TV-Compilations
2009: 123,1 Millionen
2010: 113,4 Millionen (- 7,9 Prozent)

Kinderprodukte
2009: 114,5 Millionen
2010: 114 Millionen (-0,5 Prozent)

Hörbücher
2009: 80,8 Millionen
2010: 78,4 Millionen (-3,0 Prozent)

Zahlen in Euro, gerundet

Beschäftigte in den Musikfirmen

Die Zahl der Beschäftigten in den Musikfirmen in Deutschland sank von rund 12.000 in 2001 auf etwa 8000 in 2010.

Die zehn größten Musikfirmen in Deutschland

Majors:
EMI Music
Sony Music
Universal Music
Warner Music

Indies:
Edel
Indigo
Readers Digest
Rough Trade
Soulfood Music
Tonpool

Ranking auf Basis von Umsatz zu Endverbraucherpreisen aus dem Musikverkauf

Musikabsatz in Stückzahlen

Singles
2001: 46,0 Millionen Stück
2010: 4,7 Millionen Stück

Alben
2001: 133,7 Millionen Stück
2010: 98,7 Millionen Stück

Gesamt (Single, Alben, MC, Vinyl, Musikvideo, DVD-A/SACD)
2001: 212,6 Millionen Stück
2010: 115,0 Millionen Stück

Tracks
2001: ---

2004: 7,5 Millionen Stück
2010: 63,3 Millionen Stück

Summe Digital
2001: ---

2004: 7,9 Millionen Stück
2010: 77,7, Millionen Stück

Teenieschwarm Justin Bieber ist so einer, der über das Internetportal MySpace bekannt wurde. „Aber die Währung ist die gleiche geblieben: Aufmerksamkeit. Egal ob Sie in einem Club auftreten oder Ihre Musik ins Netz stellen, Sie brauchen eine Idee, um Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt Renner. Diese Währung „war nur früher viel aufwendiger zu generieren“.

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