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03.06.2011

10:07 Uhr

Biennale von Venedig

Entdecken wie die Kunst tickt

VonSusanne Schreiber

Weltgeschichte und Gesellschaft sind wieder ein Thema für die Künstler. Doch die Biennale von Venedig zeigt neben vielen starken Länder-Pavillons auch blutleere Großausstellungen.

James Turrell: Eine fast körperliche Erfahrung ist das farbige Licht in der Raum-Installation "Ganzfeld Piece". Quelle: Florian Holzherr, Courtesy Häusler Contemporary München|Zürich

James Turrell: Eine fast körperliche Erfahrung ist das farbige Licht in der Raum-Installation "Ganzfeld Piece".

VenedigDas höhlenartige Labyrinth aus Alufolie, Klebeband, Medienfotos und Trash im Schweizer Pavillon sieht wüst, abstoßend und zugleich anziehend aus. Denn Thomas Hirschhorn, Enfant terrible der Schweizer Kunstszene, lässt zwei Welten aufeinanderprallen: unsere sich in Coca-Cola, sinnentleerter Telekommunikation und Home-Trainern erschöpfende Welt gelangweilten Konsums und die Aktion der Wutbürger in Nordafrika und Stuttgart, die Politiker zu Fall bringen.

Die Handys, die Hirschhorn massenweise ausbreitet, sind in beiden Graswurzelbewegungen ein Instrument des Aufstands. Wenn die alte Ordnung zu Bruch geht, splittert nicht nur Spiegelglas. In „Cystal of Resistence“ zeigt Hirschhorn neben kaputten Spiegelbildern Hunderte von Fotos von verletzten Kämpfern für die Freiheit. Drumherum leere Cola-Dosen und zerbrochene Bierflaschen; gut sichtbar ist die Taschenbuchausgabe von Paul Krugmans Abrechnung „The Return of Depression Economics“ angebracht.

Weltpolitik und Weltwirtschaft sind wieder Thema in der Kunst, das jedenfalls behauptet ein Teil der Länderbeiträge auf der 54. Biennale von Venedig. 89 Nationen nehmen teil, so viele wie nie zuvor. Die Biennale ist auch nach über 100 Jahren noch der Ort, um zu entdecken, wie die Kunst momentan tickt. 450.000 Besucher sollen bis November kommen.

eine surreale Geschichte von der Aufweichung des freien Willens

Ausgestellt wird in den angestammten Länderpavillons in den Giardini, aber auch verteilt über die Stadt in stattlichen Palästen. Die Großausstellungen im ehemaligen Arsenale und im Zentralen Pavillon, die die Biennale 2011 in die Hände der Schweizer Journalistin und Kuratorin Bice (Beatrice) Curiger legte, flankieren die Länderbeiträge. Zwei Dutzend unabhängige Sonderausstellungen buhlen parallel dazu um die Aufmerksamkeit der aus aller Welt angereisten Journalisten, Ausstellungsmacher, Museumsdirektoren, Sammler und Kunstfreunde.

Auch die Künstler im dänischen Pavillon setzten sich vehement in Beziehung zur Geopolitik. Kuratorin Katerina Gregos hat gleich 18 Installationskünstler, Maler und Cartoonisten eingeladen mit Beiträgen zum Thema „Freie Meinungsäußerung“. Dabei ist ihr eine beachtliche Wiederentdeckung gelungen. Jan Svankmajer (*1934) ist einer der wichtigen Animationsfilmer in Tschechien. Doch um 1968 herum hat er mit Schauspielern eine bitterböse, politische Allegorie auf die psychologische Unterdrückung im Kommunismus geschaffen.

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