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22.01.2016

08:05 Uhr

Bilanz Auktionsjahr 2015

Die Schweiz ist keine Insel

VonChristian von Faber-Castell

Sotheby's und Christie's setzen 2015 mit Diamanten so viel um wie das umsatzstärkste Schweizer Auktionshaus. Allerdings haben derartige Sensationsmeldungen nichts mit der Marktrealität der Eidgenossen zu tun. Bei der Schweizer Kunst haben die Auktionsriesen das Nachsehen.

Albert Anker: "Das Winzerfest", 1865, Öl auf Leinwand, signiert und datiert, 108 x 182 cm. Geschätzt auf: 3,5 bis 5 Millionen SFr., verkauft für 4,2 Millionen SFr. bei Koller Auktionen, Zürich, 4. Dezember 2015

Erzielte den höchsten Preis für ein Gemälde in 2015

Albert Anker: "Das Winzerfest", 1865, Öl auf Leinwand, signiert und datiert, 108 x 182 cm. Geschätzt auf: 3,5 bis 5 Millionen SFr., verkauft für 4,2 Millionen SFr. bei Koller Auktionen, Zürich, 4. Dezember 2015

ZürichDie zurzeit auf politischer Ebene so strapazierte Feststellung: „Die Schweiz ist keine Insel“ gewinnt für den Kunstmarkt eine besondere Bedeutung. Im Vergleich zu Ländern mit alten höfischen Traditionen ist die noch bis vor etwa 120 Jahren weitgehend landwirtschaftlich geprägte, industriefreie Schweiz nämlich ein ressourcenarmes Land. Zumindest was die Alte Kunst und Antiquitäten und zum Teil auch die neue Kunst betrifft. Dementsprechend hängt der Kunstmarktplatz Schweiz überdurchschnittlich stark von ausländischen Verkäufern und Käufern ab.

Kleine Zahl großer Sammler

Zwar hat sich hierzulande in den letzten 100 Jahren eine aktive, wenn auch zahlenmäßig dünne Sammlerelite herausgebildet und unter anderem als Museumsstifter hervorgetan. Aber von ihr kann der heimische Kunstmarkt nicht leben, zumal sich die wenigen heutigen Schweizer Spitzensammler immer stärker auf den globalen Kunstmarkt ausrichten. Viele jener ausländischen Kunstkäufer und -verkäufer aus den umliegenden Europäischen Ländern haben sich im vergangenen Jahr jedoch auf eine Warteposition zurückgezogen, was natürlich auch im Schweizer Kunstmarkt seine Spuren hinterlassen hat.

Josephines Diamanten

Der unabhängig davon weltweit voranschreitende Geschmackswandel weg von klassischen Antiquitäten und „Staubfängern“ hin zu Designobjekten, Kuriositäten und Neuer Kunst hat die Auktionshäuser und spezialisierte Händler zusätzlich in Bedrängnis gebracht.

Über diese anspruchsvolle, schwierige Marktsituation können auch Sensationsmeldungen von den Genfer Juwelen- und Uhrenversteigerungen von Christie's und Sotheby's nicht hinwegtäuschen. Sie spielten am 11. und 12. November 2015 zusammen rund 272 Millionen SFr. (alle Preise inkl. Aufgeld) ein. Davon entfielen allein 77,3 Millionen SFr. oder über ein Viertel auf den am Abend des 10. November von Christie's versteigerten The Sweet Josephine“-Diamanten. Das kissenförmige, fancy lebhaft rosafarbene Schmuckstück wurde für 28,7 Millionen SFr. oder 1,77 Millionen Dollar pro Karat verkauft.

Bieter Joseph Lau

Am nächsten Tag erzielte bei Sotheby's der kissenförmige, fancy lebhaft blaue „The Blue Moon of Josephine“-Diamant 48,6 Millionen SFr. Das entspricht einem Rekordkaratpreis von 4,03 Millionen Dollar pro Karat. Beide Megasteine wurden telefonisch vom chinesischen Immobilienunternehmer Joseph Lau in Hongkong für seine siebenjährige Tochter Josephine ersteigert und entsprechend nach dieser benannt.

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