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18.08.2012

12:08 Uhr

Bilanz

Paris bleibt ein Sammler-Eldorado

VonOlga Grimm-Weissert

90 Auktionshäuser konnten an der Seine im ersten Halbjahr 2012 knapp eine halbe Milliarde Euro umsetzen. Nirgends sonst auf dem Kontinent ist die Auswahl so breit. Spitzenreiter im Umsatz: Das „Hôtel Drouot“.

Ein Teil einer Büste des Bildhauers Edme Bouchardon: Das Marmorabbild des Charles F. de la Tour du Pin erwarb der Louvre. Drouot Auktionen, Paris

Ein Teil einer Büste des Bildhauers Edme Bouchardon: Das Marmorabbild des Charles F. de la Tour du Pin erwarb der Louvre.

ParisIn Paris existieren nach wie vor 90 zugelassene Auktionshäuser. Das ist extrem viel im Vergleich mit anderen Weltstädten, in denen die Konzentration auf wenige Auktionshäuser Warenangebot und Bilanzen überschaubar macht. Von 90 Auktionshäusern sind 74 Teilhaber von "Drouot Enchères", einer Aktiengesellschaft, die das Auktionshaus "Hôtel Drouot" betreibt.

Die übrigen 16 Pariser Auktionatoren arbeiten als Angestellte für die großen unabhängigen Auktionshäuser. Die Zahl der in Paris versteigerten Objekte ist gleichermaßen phänomenal: Mindestens 550 000 Lose, auf etwa 1 750 Auktionen verteilt, kommen alljährlich unter den Hammer. Das Gros, nämlich 16 00 Auktionen, mit mehr als 500 000 Losen, geht auf die Konten der Drouot -Versteigerer.

Einige "Drouot"-Auktionen sind nicht mal katalogisiert. Das ermöglicht 5 000 Zwischenhändlern, die jeden Morgen in die Säle stürmen, Schnäppchen zu machen.

Glossar

Hôtel Drouot

Der Name "Hôtel Drouot" leitet sich von einer Straße in Paris ab: In der Rue Drouot im 9. Bezirk befindet sich das "Hôtel des Ventes". Damit ist diesmal weder eine Gästeherberge noch ein Stadtpalais gemeint, sondern schlicht das Auktionshaus.

Marktleader

Die Marktleader im "Drouot" bilanzieren meist Zuwachs. Millon sowie Cornette de Saint Cyr errechneten ein Plus von fünf Prozent, Beaussant und Lefèvre ein Plus 13 Prozent. Claude Aguttes verzeichnet ein Minus von 3,3 Prozent.

Erst diese Quantität an Material erklärt die 250 Millionen Euro, die im ersten Halbjahr 2012 allein im "Hôtel Drouot" umgesetzt wurden. Dazu kommen noch mindestens 150 weitere Auktionen von Sotheby's, Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan, Christie's, Tajan und Pierre Bergé & Associés. Insgesamt versteigerten die Pariser Auktionshäuser für 497,5 Millionen Euro Kunst im ersten Halbjahr dieses Jahres.

Erst wenn man den beträchtlichen, aber nicht eindeutig zu beziffernden Umsatz der zahlreichen Antiquitätenhändler und Galeristen hinzurechnet, werden der Stellenwert und das Marktpotenzial von Frankreichs Kapitale richtig klar.

Gleichwohl brachte das vergangene Halbjahr in Paris, wie in anderen Städten, eine Minderung des Umsatzes. 2011 konnten die Pariser Auktionshäuser noch 579,4 Millionen Euro umsetzen. Das bedeutet eine Einbuße von 14 Prozent für 2012.

Interessanterweise erzielte Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan als einziges Haus eine fast 25-prozentige Steigerung im Verhältnis zum Vorjahr. Mit 73,4 Millionen Euro rangiert Artcurial nun hinter Sotheby's, wo man 91,4 Millionen Euro bilanzierte. Das sind um acht Prozent weniger als im Vorjahr. Einen heftigen Umsatzeinbruch erlitt Christie's, wo nur 69 Millionen Euro zu Buche schlugen, rund 38 Prozent weniger als 2011.

Diesmal verkündet Tajan um zehn Prozent mehr, obwohl das von Rodica Seward geleitete Haus Tajan effektiv um 32 Prozent weniger umsetzte als im Vergleichszeitraum. Eine Sonderstellung nimmt das Haus Pierre Bergé & Associés ein, das bisher im "Hôtel Drouot" und in Brüssel versteigerte. Bergé schloss seine Brüsseler Niederlassung Ende Juni. Dadurch sind seine Pariser Umsätze beträchtlich gestiegen: Nämlich von 5,5 Millionen Euro auf 11,7 Millionen, das heißt um 115 Prozent.

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