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23.04.2011

17:08 Uhr

Bilder vom Krieg

Der Krieg ist in unserer Hand

VonSusanne Schreiber

Das Schlachtfeld in Afghanistan hält Einzug ins Wohnzimmer – in Kunst und Computerspiel. Wie Bilder vom Krieg entstehen, beschäftigt viele Künstler. Filmemacher Harun Farocki hat eine erhellende Übersichtsschau nach Darmstadt gebracht.

Die Serie beleuchteter Globen von Ingo Günther heißt "Worldprocessor". Um die Brisanz der Aussagen zu entdecken, braucht es eine Weile. Quelle: Günzel/Rademacher

Die Serie beleuchteter Globen von Ingo Günther heißt "Worldprocessor". Um die Brisanz der Aussagen zu entdecken, braucht es eine Weile.

DarmstadtDer Einstieg ist ein Abstieg. Statt hinauf in die Sonderausstellungshalle kann der Besucher hinabsteigen in den Wasserspeicher im Keller des weltberühmten Museums Mathildenhöhe und sich einen leichten Start in ein schweres Thema gönnen. In der 1899 von Reformern gegründeten Künstlerkolonie in Darmstadt geht es derzeit um Krieg und sein Abbild in Medien und Kunst.

Weit unter den von Touristen so geschätzten Jugendstil-Interieurs der Mathildenhöhe gibt es zwei wassergefüllte Hallen, die der Besucher mit bereitgestellten Gummistiefeln betreten darf. Direktor Rolf Beil bespielt den trendigen Ausstellungsort gern.

Die Konzeptkünstler Antje Ehmann und Harun Farocki haben zahllose Kriegsfilme untersucht. Dabei stellten sie fest, dass es zwei Motive gibt, die formelhaft für jeden Kriegsfilm verbindlich sind: die Schlammschlacht und der Flugzeugabsturz. So wie sich der Besucher in seinen wasserdichten Stiefeln durch das feuchte Element schiebt, robben sich Filmstars in harten Filmschnitten als Soldaten durch Schlamm und Matsch. Die beiden Siebenminuten-Folgen entstammen der 2011 fertiggestellten Serie „Tropen des Krieges“.

Oben in den Sonderausstellungshallen ist dann Schluss mit lustig. „Serious Games“ zeigt, wie Bilder vom Krieg produziert, manipuliert und verwertet werden. Da packen Angst und Schrecken, Grausamkeit und Elend den Betrachter unmittelbar.

Der Titel „Serious Games“ stammt von einer neuen Werkserie Harun Farockis, der 2009 in Darmstadt mit dem Wilhelm-Loth-Preis – benannt nach dem lokalen Bildhauer – geehrt wurde. Doch statt einer Soloschau setzte der Filmemacher und Videokünstler eine von ihm und Antje Ehmann kuratierte Themenausstellung durch. Ralf Beil hat den Parcours so eingerichtet, dass Farocki in jedem der vier Räume präsent ist.

In der Zweikanalprojektion „Watson ist hin“ nimmt uns Harun Farocki mit in ein amerikanisches „Battle Simulation Center“. Junge Soldaten trainieren vor dem Kampfeinsatz in Afghanistan die „Feindberührung mit Infanteristen“ – am Bildschirm. Wir sehen ihre Reaktionsschnelligkeit, Coolness beim Töten. Wir sehen, wie der Ausbilder Sprengsätze und Heckenschützen im Computerprogramm platziert.

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