Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.05.2017

10:09 Uhr

Blamage

Sammlertamtam in Berlin

VonSusanne Schreiber

Heiner Bastian hat sein Geschenk an die Preußen-Stiftung zurückgezogen. Das von Chipperfield erbaute Galeriehaus am Kupfergraben wird jetzt kein Bildungszentrum.

schreiber

DüsseldorfWas für ein Danaergeschenk hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) im Oktober 2016 angenommen? Der Sammler, Autor ehemalige Sekretär von Joseph Beuys und Kunsthändler Heiner Bastian verkündete damals Erstaunliches: Er werde sein Galeriehaus, das David Chipperfield an den Kupfergraben 30 gebaut hatte, doch nicht verkaufen (und vom Sammler Reinhold Würth finanzieren lassen), sondern verschenken. Aus dem großherzigen Geschenk wurde diese Woche allerdings ein Scherbenhaufen, der neben Ärger und Schmach auch Planungs- und Anwaltskosten produziert haben dürfte. Denn die Familie Bastian hat die Schenkung kurz vor der Unterzeichnung der Verträge zurückgezogen. Ganz nach dem Motto „Was schert mich mein Geschwätz von gestern.“ Eine Blamage für alle.

Der Preußen-Stiftung blieb nichts anderes übrig, als das Ende hoch fliegender Träume bekanntzugeben. Sie „hat diesen äußerst überraschenden Schritt mit großem Unverständnis und Bedauern zur Kenntnis genommen“. Und betont, dass „alle Gespräche im Zusammenhang mit der Schenkung bis zuletzt in bestem Einvernehmen verliefen“. Hermann Parzinger, Präsident der SPK, und sein Team hatten vor gehabt, das Galeriehaus 2018 als eine Bildungseinrichtung eröffnen. „Entsprechend intensiv verliefen die vorbereitenden konzeptionellen und organisatorischen Planungen,“ heißt es in der kurzen Pressemitteilung.

Das viergeschossige Galeriehaus von David Chipperfield  schließt die letzte prominente Baulücke zwischen Museumsinsel und Schinkels Neuer Wache. Céline und Heiner Bastian ließen es errichten. picture-alliance

Chipperfields Galeriehaus am Kupfergraben

Das viergeschossige Galeriehaus von David Chipperfield schließt die letzte prominente Baulücke zwischen Museumsinsel und Schinkels Neuer Wache. Céline und Heiner Bastian ließen es errichten.

Wie kann eine Galeristenfamilie, die erst bella figura macht, dann eine so schlechte Figur machen? Die Begründungen bleiben dürftig und geben tatsächlichen Beweggründe nicht an: Wie schon beim Wechsel vom Verkauf zum Geschenk wird die „emotionale Bindung an das Haus“ angeführt. Auch die Umnutzung als Schulungsort scheint der Familie nicht gefallen zu haben. Doch die Umwidmung des lichtdurchfluteten Ausstellungshauses in ein Weiterbildungszentrum nahe der Museen sei von Anbeginn an klar gewesen, beharrt die Stiftung.

Wie hatte es Heiner Bastian im Herbst 2016 noch formuliert: „Wir haben uns darum entschieden, in der Übergabe des Hauses auf jegliche Kompensation zu verzichten und das Haus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ohne jede Auflage zu schenken“. Jetzt kann man nur mutmaßen, dass es einem oder einigen Familienmitgliedern doch um Kompensationen geht für das so perfekt an die Museumsinsel gebaute Bijoux von einem Neubau. Sohn Aeneas hatte die 2007 eröffnete Galerie Bastian erst 2016 vom Vater übernommen. Aktuell stellt er auf der Tefaf in New York aus.

Sammler sind kapriziös wie Künstler

Das Sammlertamtam mit den Bastians erinnert an die grundsätzlich komplizierten Beziehungen von Privatsammlern zu großen Museen. So wurde bei Heinz Berggruen ein Preis bezahlt, die SPK stellte den Deal aber dennoch gern als reines Geschenk dar. Je größer die Sammlung, desto verwickelter das Ganze. Sammler sind nicht selten so kapriziös wie Künstler. Da schaffen es unterfinanzierte Museen eher selten die wohlmeinende Gabe mit ihrer Sammlungskonzeption zu 100 Prozent überein zu bekommen. Schließlich hört kein Sammler es gern, dass nicht alle seine Lieblinge einen Platz beispielsweise in der Nationalgalerie beanspruchen können.

Eugène Delacroix: "Zwei Pferde vor einem Stall". Das Gemälde des Vaters der Moderne bekam die Neue Pinakothek in München von einem ehemaligen Mitarbeiter geschenkt. Quelle: Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Geschenk eines Connaisseurs

Eugène Delacroix: "Zwei Pferde vor einem Stall". Das Gemälde des Vaters der Moderne bekam die Neue Pinakothek in München von einem ehemaligen Mitarbeiter geschenkt. Quelle: Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Es geht auch anders. Aber wenn, dann sind das aber in der Regel kleinere Geschenke, keine ganzen Sammlungen oder eine Luxusimmobilie in Welt-Top-Lage, sondern Einzelwerke oder überschaubare Konvolute. Diese Woche meldeten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München einen Zugewinn. Von einem Connaisseur und ehemaligen Mitarbeiter!

Christoph Heilmann war 1975 bis 2000 Konservator der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Jetzt schenkt der Pensionär seiner alten Wirkungsstätte, der Neuen Pinakothek, ein bedeutendes Gemälde des französischen Romantikers Eugène Delacroix. „Zwei Pferde vor einem Stall“ erweitern die Sammlung der französischen Malerei der Romantik um ein frühes Hauptwerk. Die Neue Pinakothek besitzt bislang vier Gemälde von Eugène Delacroix, die vornehmlich sein Interesse an literarischen Stoffen spiegeln: „Mit dem jetzt neu hinzugekommenen Gemälde wird eine bislang in der Sammlung fehlende Facette des Künstlers anschaulich: die wirklichkeitsnahe, einfühlsame, dabei malerisch großartige Darstellung einfacher Kreaturen in ihrer Umgebung,“ heißt es in der Medienmeldung.

Christoph Heilmann gehört zu den Sammlern, denen das Auffinden von Kunst und deren ästhetischer Genuss wichtig sind, nicht der Gewinn durch Verkauf. Darum hat er 2003 die Christoph Heilmann Stiftung gegründet. Sie umfasst  seine private Sammlung früher Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts und ging 2013 als Dauerleihgabe an die Städtische Galerie im Lenbachhaus. Chapeau!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×