Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2011

10:51 Uhr

Blick in die Kunstgeschichte

Die Kunst der Technik

VonGünther Luxbacher

Industrie und Technik sind in der Kunstgeschichte von verschiedensten Künstlern kontrovers behandelt worden. Maschinen und Fabriken, Flugzeuge und Loks stoßen bei den einen auf helle Begeisterung, bei anderen auf radikale Ablehnung. Eine kleine Führung durch die Kunst mit der Technik.

Ausschnitt aus: Paul Friedrich Meyerheims, Lokomotivbau bei Borsig. 1873-1876. Quelle: Deutsches Technikmuseum Berlin. Deutsches Technikmuseum Berlin

Ausschnitt aus: Paul Friedrich Meyerheims, Lokomotivbau bei Borsig. 1873-1876. Quelle: Deutsches Technikmuseum Berlin.

BERLIN . Mit Beginn des industriellen Zeitalters entdecken die Künstler das Thema Technik. Während die einen der Faszination Maschine erliegen, warnen die anderen vor dem Wahn der Konstrukteure. Im Werk von bekannten und weniger namhaften Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts findet der Flaneur bemerkenswerte Zusammenhänge zwischen technischer und gesellschaftlicher Entwicklung ausgearbeitet - zu manchmal erstaunlich günstigen Preisen.

William Turner, der Hauptmeister der englischen Romantik, und Adolph Menzel, der große Berliner Kunsterneuerer, erkannten in Dampfschiffen, Eisenbahnen und Eisenwalzwerken zeittypische und beachtenswerte Sujets. Um 1900 wurde es große Mode unter Fabrikanten, Künstler mit Industrieansichten zu beauftragen. Lovis Corinth, Hauptmeister des deutschen Impressionismus, malte eine menschenleere (heute leider verschollene) Ansicht der "Maschinenhalle in der AEG".

Bilder sind auch gemalte Sozialkritik

In der Phase der Neuen Sachlichkeit rückte Carl Grossberg Rohranlagen und Dampfkessel vom Bildrand ins Bildzentrum. Doch neben der Technikbegeisterung stehen auch Bilder, die Wirtschafts- und Sozialkritik üben, Umweltprobleme und Rüstungswahn anprangern. So stellt etwa Conrad Felixmüllers ausgemergelter "Kohlebergarbeiter" keinen stolzen Bergmann dar, sondern einen ausgepowerten Werksoldaten. Die Fördertechnik und der Scheibengasbehälter lasten auf seinen schmächtigen Schultern. Einen seltenen Probedruck dieser bekannten Farblithographie hat die Galerie Nierendorf in Berlin für 120 000 Euro im Sortiment.

Einer der typischen Industriemaler war der zunächst auf Glasmalerei spezialisierte Hans Uhl. Dem Städel-Schüler gelang es, 1920 vom Berliner Maschinen- und Lokomotivbau-Unternehmen Borsig unter Vertrag genommen zu werden. Noch einmal sollte er die alte Werksmanns-Herrlichkeit in Form des klassischen Schmieds auferstehen lassen. Dieser steht nun aber nicht mehr am Amboss oder Wasserhammer, sondern arbeitet in der "Gesenkschmiede" an der Herstellung normierter Werkstücke

.

Handwerk hatte zwar keinen goldenen Boden mehr, aber der deutsche Facharbeiter war noch immer die Basis der Weltgeltung der deutschen Industrie. Ein in impressionistischen Anklängen gehaltenes Ölgemälde aus Uhls Phase bei Borsig bietet Art Consulting Bernhard Maurer in Berlin für 2 200 Euro an.

Der Erste Weltkrieg war auch eine Zäsur für die Technik. Millionenfach kamen da Menschen erstmals mit Maschinengewehren, Automobilen, Tanks und Flugzeugen in Berührung. Für Fernand Léger läuteten die Fronterlebnisse nach einer frühen kubistischen Phase seine "periode mechanique" ein. 1920 begann er damit, Kompositionen aus mechanischen Elementen wie Drehteilen und gebohrten Blechen zusammenzustellen. Seine "Konstrukteure" von 1920 sind eine Mischung aus Fleisch und Stahl und als handsignierte Lithographie bei Nierendorf mit 12 000 Euro angesetzt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×