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28.03.2017

11:54 Uhr

Boris Fuchsmann

Der Mann mit der 100-Kilogramm-Goldmünze

VonMartin Dowideit, Gertrud Hussla

Noch gibt es keine Spur der 100-Kilogramm-Goldmünze, die aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen wurde. Der Eigentümer des Sammlerstücks ist nach Handelsblatt-Informationen ein Düsseldorfer Immobilienentwickler.

Boris Fuchsmann

Noch keine heiße Spur nach Goldmünzen-Diebstahl

Boris Fuchsmann: Noch keine heiße Spur nach Goldmünzen-Diebstahl

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DüsseldorfDie im Berliner Bode-Museum in der Nacht auf Montag entwendete 100-Kilogramm-Goldmünze gehört nach Handelsblatt-Informationen einem Düsseldorfer Immobilienentwickler: Boris Fuchsmann. Der 70-Jährige hatte die Münze 2010 als Leihgabe dem Berliner Museum überlassen. Fuchsmann ist Kunstsammler und Unternehmer. Er plant und baut unter anderem Luxus-Wohnimmobilienprojekte in Düsseldorf und Umgebung.

Wie genau die Münze versichert ist, wollten weder die Staatlichen Museen zu Berlin noch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz „aus ermittlungstechnischen Gründen“ mitteilen. Alle Ausstellungsobjekte seien aber versichert. Die Berliner Museen haben in Folge des Diebstahls ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Von der in Berlin Goldmünze fehlt am Dienstag noch immer jede Spur. Wie eine Polizeisprecherin auf Anfrage mitteilte, gibt es seit dem Vortag keine neuen Anhaltspunkte. Unbekannte hatten das Geldstück mit einem geschätzten Materialwert von 3,8 Millionen Euro aus dem Bode-Museum auf der Museumsinsel gestohlen. Berichte, wonach die zwei Zentner schwere und 53 Zentimeter große kanadische Münze vermutlich mit einer Schubkarre abtransportiert wurde, wollte die Polizei nicht bestätigen. „Das ist möglich, aber das ist Täterwissen. Wir halten uns dazu erst einmal bedeckt“, sagte die Sprecherin. In der Nähe des Museums war nach dem Coup in der Nacht zu Montag eine ausziehbare Leiter gefunden worden.

Unterdessen haben die Staatlichen Museen zu Berlin nach dem spektakulären Raub in allen 19 ihrer Museen in der Hauptstadt die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Das sagte ein Sprecher dem „Tagesspiegel“ am Dienstagvormittag. Dazu gehören unter anderem das Pergamonmuseum, die Alte Nationalgalerie, das Alte Museum, das Neue Museum sowie das Kulturforum in Tiergarten. Am Montag hatte der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Michael Eissenhauer mitgeteilt: „Wir sind schockiert, dass die Einbrecher unserer Sicherheitssysteme überwunden haben, mit denen wir seit vielen Jahren unsere Objekte erfolgreich schützen.“

Wenn Münzen aus Museen verschwinden

August 2016

Aus dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig verschwinden mehr als 570 wertvolle Münzen. Als ein Exemplar, das eigentlich im Depot hätte liegen müssen, in der Öffentlichkeit angeboten wird, überprüft das Haus den gesamten Depotbestand der rund 25.000 Münzen sowie weiterer Gegenstände. Bis heute ist lediglich ein kleiner Teil der Münzen wieder aufgetaucht. Tatverdächtig ist ein ehemaliger Beschäftigter des Museums. Im Dezember 2016 wird der Verlust auf knapp 350.000 Euro geschätzt.

Juni 2012

Aus dem Städtischen Museum in Göttingen werden mittelalterliche Goldmünzen geklaut. Das Haus gibt den Gesamtwert der historischen Stücke, die großteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammen, mit rund 65.000 Euro an. Insgesamt seien 18 unterschiedlich große Goldstücke verschwunden.

April 2012

Aus einer mit mehr als 100 Millionen Euro versicherten Gold-Ausstellung in Münster stehlen Diebe rund 50 Münzen. 30.000 Euro sind sie laut dem Museum wert.

November 2010

Aus dem Museum der Universität Tübingen werden 44 historische Münzen aus dem Zeitraum vom 5. Jahrhundert vor Christus bis zum 3. Jahrhundert nach Christus gestohlen - ihr Wert: zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Der Täter habe nur solche Gold- und Silbermünzen entwendet, die einen hohen Wiederverkaufswert hätten, heißt es. Münzen mit hohem Seltenheitswert waren nicht darunter.

Die Polizei hatte am Montag Zeugen dazu aufgerufen, sich bei ihr zu melden. Dabei wollte sie unter anderem wissen, wer rund um das Bode-Museum und den Monbijoupark am Montag zwischen 2.00 und 4.00 Uhr Verdächtige gesehen hat. Gefragt wurde auch, wem größere Mengen Gold angeboten worden seien.

Nach ersten Erkenntnissen kamen die Diebe wohl zwischen 3.20 und 3.45 Uhr über die Bahntrasse, die wenige Meter am Museumsgebäude vorbeiführt. An den Gleisen wurde eine Leiter gefunden. Vermutlich stellten die Täter die Leiter auf einen Sockel des Gebäudes. Auf dem gleichen Weg seien sie dann wohl in Richtung Hackescher Markt über die Gleise entkommen. Wie sie ihre zwei Zentner schwere Beute transportierten, blieb zunächst unklar.

Die 100 Kilo schwere und 53 Zentimeter große „Big Maple Leaf“ mit dem Bild von Königin Elizabeth II. hat einen Nennwert von einer Million kanadischer Dollar (700.000 Euro). Sie wurde 2007 von der Royal Canadian Mint, der königlichen kanadischen Münze, geprägt. Von der Münze gibt es nur fünf Exemplare, die von Investoren gekauft wurden, da Gold als sicheres Anlageobjekt gilt. Neben Fuchsmann zählt die britische Königin Elisabeth II. zu den Eigentümern eines Exemplars. Eine Seite der Münze zeigt drei Ahornblätter – Symbole des Prägelandes Kanada.

Mit Material von dpa.

Kommentare (9)

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Herr Marc Hofmann

28.03.2017, 12:20 Uhr

So kaputt wie die Stadt Berlin so kaputt ist auch die Sicherheit und der Schutz von Objekten.

Herr Wolfgang Wüst

28.03.2017, 12:53 Uhr

Das darf doch wohl nicht wahr sein! Warum haben die das Ding nicht gleich auf der Straße ausgestellt. Knapp 4 Mio € in Gold ohne entsprechende Sicherheits-Maßnahmen, von der Überwachung über die Alarmierung bis hin zur Gefahrenabwehr war wohl eine komplette NULLNUMMER!

In meinen Augen gehören die Verantwortlichen wegen Organisationsverschuldens angeklagt. Zwingend!!

Herr Helmut Metz

28.03.2017, 13:04 Uhr

"So kaputt wie die Stadt Berlin so kaputt ist auch die Sicherheit und der Schutz von Objekten."

Kann man so nicht pauschalisieren: das Bundeskanzleramt, aber etwa auch das Bundesinnenministerium sind gesichert wie Hochsicherheitsgefängnisse. Habe ich mir in Berlin selber angeschaut. Sie sehen: für Personen- und Objektschutz der ReGIERung (die Untertanen könnten ja aufmüpfig werden - denen nähert man sich nur im Wahlkampf, wenn es unbedingt sein muss, und auch das nur mit Leibwächtern) wird selbstverständlich genug von unserem hart erarbeiteten Steuergeld verbraten...

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