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14.02.2014

13:23 Uhr

Buch-Vorstellung

Schröders klare Vermarktung

VonDésirée Linde

„Bild“, Beckmann und Bankchef: Gerhard Schröder und der Herder-Verlag rühren für das Interview-Buch „Klare Worte“ die ganz große Werbetrommel. Bei der Präsentation spricht Deutsche Bank-Co-Chef Anshu Jain das Grußwort.

Solo bei Beckmann: Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links) und Fernsehmoderator Reinhold Beckmann heizen in 75 Minuten durch die Themen des Buches. dpa

Solo bei Beckmann: Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links) und Fernsehmoderator Reinhold Beckmann heizen in 75 Minuten durch die Themen des Buches.

DüsseldorfGerhard Schröder versteht sich auf Dreiklänge, die ihm Aufmerksamkeit verschaffen. Aus „Bild“, „BamS“ und Glotze, die der Ex-Kanzler einst als unerlässlich zum Regieren befand, werden für die Vermarktung seines Buches „Klare Worte“ nun drei neue Bs: „Bild“, Bankchef und Beckmann.

Mithilfe dieses medialen Dreizacks rühren Autor, Protagonist und Verlag gemeinsam die gigantische Werbetrommel für Schröders Interview-Buch. Der Journalist Oliver Meck befragt darin den Bundeskanzler a.D., und der Herder-Verlag verlegt das Buch, das am Freitag präsentiert wurde.

Im Frage-Antwort-Stil heizen Meck und Schröder in zwölf Kapiteln und knapp 240 Seiten durch Themen wie Rentenreform (attackiert er scharf), sein Verhältnis zu Wladimir Putin („gut befreundet“) und die legendäre Elefantenrunde nach seiner Wahlniederlage 2005 („ein Fehler“).

Schröder selbst hat im vergangenen Sommer dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück mit einem Zitat von Heinrich Heine geraten „Schlage die Trommel und fürchte dich nicht“. Er selbst beherrscht das Trommelspiel.

Gerhard Schröder

Die Person

Gerhard Fritz Kurt Schröder wurde am 7. April 1944 in Mossenberg als zweites Kind von Erika und Fritz Schröder geboren.

Politische Ämter

Er war von 1990 bis 1998 Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und von Oktober 1998 bis November 2005 der siebte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Von 1999 bis 2004 war er Vorsitzender der SPD.

Nach der Politik

Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist er als Rechtsanwalt sowie in verschiedenen Positionen in der Wirtschaft tätig.

Kritik am Kanzler a.D.

Harsche Kritik erntete Schröder, weil er kurz nach der Wahl einen Posten bei der Nord Stream AG annahm, an der der russische Konzern Gazprom einen Mehrheitsanteil von 51 Prozent hält.

Berater und Redner

Schröder ist unter anderem noch als Berater für den Schweizer Ringier-Verlag und dessen Verwaltungsratspräsidenten Michael Ringier tätig, als Redner der Agentur „Harry Walker“ in New York und der der Rothschild Bank sowie des chinesischen Außenministeriums. Außerdem ist er Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP. Agenturen vermitteln Schröder als Redner, zu Preisen zwischen 50.000 und 75.000 Euro.

Seine „klaren Worte“

Georg Meck, stellv. Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

Gerhard Schröder
„Klare Worte“
Im Gespräch mit Georg Meck über Mut, Macht und unsere Zukunft
Gebunden mit Schutzumschlag, 238 Seiten
19,99 Euro
ISBN 978-3-451-30760-7 Herder 2014

Wieder in der Öffentlichkeit

Seit dem Frühjahr 2012 tritt Schröder öffentlich wieder mehr in Erscheinung. Er äußerte sich zum Beispiel in Gastbeiträgen und Interviews in deutschen Zeitungen zu Europa. Ein politisches Comeback schloss er im Juli 2012 aus

Bei der offiziellen Präsentation des Buches am Freitag spricht Deutsche Bank-Co-Vorstandsvorsitzender Anshu Jain das Grußwort. Auch der Ort ist symbolträchtig gewählt: In den Räumen der Deutschen Bank Unter den Linden in Berlin wird der „Kanzler der Bosse“ seine Agenda 2010 verteidigen, über Sotschi und Generationengerechtigkeit räsonieren. Als sozialdemokratisch-linker Kontrapunkt ist EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) dabei.

Am Vorabend hatte Schröder bei der ARD-Talkshow Beckmann einen Solo-Auftritt und knapp 75 Minuten Zeit, um mit dem Moderator die Themen seines Buches abzuarbeiten. Ohne andere Gäste oder Publikum. „Ich streite mich doch nicht mit anderen Leuten herum“, sagte Schröder vorab. Es war am Donnerstagabend die große Bühne für den „Basta-Kanzler“ ohne nennenswerte Gegenwehr von Reinhold Beckmann.

Weiterer Vermarktungs-Coup: Ausgewählte Medien, darunter die „Bild“-Zeitung, durften vorab Passagen des Buches drucken.

Die Gewinnmarge für Schröders Gesprächsbuch „Klare Worte“ dürfte daher vergleichsweise hoch sein; allein die Vorabdrucke lassen sich Verlage in der Regel fürstlich bezahlen. Niedrig dagegen ist der Aufwand. Das vom Verlag beworbene „Gesprächsbuch“ ist ein Interview, wie es Georg Meck als stellvertretender Leiter des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) regelmäßig führt – nur in Langform. Wieviel von dem Geld, das das Buch – Stückpreis 19,99 Euro, Erstauflage 17.000 – einbringt, Schröder als Honorar bekommt, darüber halten sich erwartungsgemäß alle Seiten bedeckt.

Kommentare (2)

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werner

14.02.2014, 14:33 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

anacondafucker

14.02.2014, 14:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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