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01.08.2011

14:50 Uhr

Buchkritik

Im Schnittpunkt der globalen Widersprüche

VonBernd Ziesemer

Fred Kempes neues Buch heißt "Berlin 1961" und wagt einen Blick auf die geteilte Hauptstadt rund um den Mauerbau. Beobachtungen aus einer Zeit, in der die Welt mehrfach am Abgrund stand.

US-Präsident John F. Kennedy (l), der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (M) und Bundeskanzler Konrad Adenauer in den frühen 60ern durch Berlin. Quelle: dpa

US-Präsident John F. Kennedy (l), der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (M) und Bundeskanzler Konrad Adenauer in den frühen 60ern durch Berlin.

HamburgWir Deutschen haben uns angewöhnt, den 13. August 1961 vor allem als eine nationale Tragödie wahrzunehmen: als Datum unserer endgültigen Teilung für viele Jahrzehnte. Es gibt inzwischen zahllose Bücher und Fernsehdokumentationen, die sich mit der Rolle der beiden deutschen Regierungen in diesen entscheidenden Tagen der deutschen Geschichte beschäftigen. Der amerikanische Publizist Fred Kempe, seit seiner Zeit als Korrespondent und später Chefredakteur des "Wall Street Journal Europe" einer der besten Deutschland-Kenner jenseits des Atlantiks, kennt diese Sichtweise der Dinge genau.

Aber er lässt sich durch sie in seinem neuen Buch "Berlin 1961" auch nicht allzu sehr beeindrucken. Kempe bietet einen anderen, frischen Blick auf die geteilte Stadt. Bei ihm erscheint Berlin in jenem Schicksalsjahr als Schnittpunkt der wichtigsten globalen Widersprüche der damaligen Zeit - und verwandelt sich für einen brandgefährlichen Moment in einen Ort, von dem ein dritter Weltkrieg hätte ausgehen können.

Wir vergessen in unserer nationalen Nabelschau oft, dass 1961 eben nicht nur das Jahr des Mauerbaus war. Es war auch das Jahr der gescheiterten amerikanischen Invasion in der kubanischen Schweinebucht. Der sowjetische Kosmonaut Jurij Gagarin gelangte als erster Mensch in den Weltraum. Beide Ereignisse schockierten die westliche Welt und erschütterten das amerikanische Selbstvertrauen bis ins Mark. Der frisch gewählte US-Präsident John F. Kennedy erschien vielen Amerikanern und vielen Verbündeten als zu unerfahren und politisch überfordert, um mit diesen Herausforderungen fertigzuwerden - und das schon vor dem 13. August 1961.

Umgekehrt konnte sich der sowjetische Staats- und Parteiführer Nikita Chruschtschow, der für seine Unberechenbarkeit berüchtigt war, auf dem Gipfel seiner Macht fühlen.

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