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09.12.2017

14:03 Uhr

Buchtipp: „In einem anderen Licht“

Ganz oben ist es kühl

VonChristian Rickens

Katrin Burseg lässt ihren Roman im Hamburger Medien- und Mäzenatenmilieu spielen. Zentrale Erkenntnis der Oberschichtsoziologie: Zu denen da oben gehört man, wenn man ihren Habitus perfekt beherrscht.

Katrin Burseg lässt ihren neuen Roman im Medienmilieu der Hansestadt spielen. dpa

Hamburg

Katrin Burseg lässt ihren neuen Roman im Medienmilieu der Hansestadt spielen.

HamburgNur wenige deutsche Romanautoren trauen sich an Protagonisten aus der Oberschicht der Bundesrepublik heran. Vergeblich warten wir bislang auf eine deutsche Version jener wuchtigen Sittengemälde, die beispielsweise Tom Wolfe mit Büchern wie „Fegefeuer der Eitelkeiten“ oder „Ein ganzer Kerl“ abgeliefert hat.

Immerhin: Katrin Burseg lässt ihren neuen Roman im Hamburger Medien- und Mäzenatenmilieu spielen. Sie entwickelt zwar nicht Wolfes Bissigkeit, dazu ist ihr Blick auf diese Klientel zu wohlwollend. Aber fein beobachten kann Burseg, die selbst als Journalistin gearbeitet hat.

Die Scheidung einer Chefredakteurin beschreibt die Autorin als „unaufgeregte Trennung, so elegant wie Anna selbst“. Das Interieur der Blankeneser Villa, in der die Reederswitwe Dorothea Sartorius residiert, schildert Burseg mit ebensolcher soziologischer Akribie wie die kühle Distanz, die in den weißen Häusern entlang der Elbchaussee herrscht.

In diesem Roman wird nicht geschrien, es werden höchstens Augenbrauen hochgezogen. Das Vermögen ist längst in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht, für deren Geschäftsführung man sich „ein kleines Gehalt“ auszahlt.

Doch wofür die Stiftungserträge ausgegeben werden, bestimmt man selbstverständlich allein. Und auch die überraschende Wendung am Ende des Buchs passt zur zentralen Erkenntnis der Oberschichtsoziologie: Zu denen da oben gehört man, wenn man ihren Habitus perfekt beherrscht – selbst wenn man früher jemand ganz anderes war.

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