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04.03.2017

18:04 Uhr

Buchtipp „Nimm dir das Leben, das du wirklich willst“

Millionen Wege zum Glück

VonJohannes Steger

Warum macht uns die Arbeit unglücklich? Und wie finde ich heraus, was ich mit meinem Leben anfangen will? Der Autor Martin Cordsmeier hat mit zahlreichen Menschen gesprochen, um den Weg zum beruflichen Glück zu finden.

Was macht uns im Job wirklich glücklich? Reuters, Sascha Rheker

Start-up-Büro:

Was macht uns im Job wirklich glücklich?

DüsseldorfUff, wieder so ein Ratgeber, lautet der erste Impuls. Cordsmeier betont zwar, dass sein Buch genau das nicht sein soll. Doch der Eindruck bleibt haften, da er den Leser duzt und erst einmal in bester Ratgeber-Manier vorbetet, was da alles falsch gelaufen ist mit dem eigenen Leben.

Das Hauptproblem: Die Autoren der eigenen Geschichte, so Cordsmeier, sind vor allem die anderen. Eltern, Lehrer, Mitschüler, Vorgesetzte, Kollegen mit all ihren Erwartungen. Die formen Denkmuster, die uns irgendwann vergessen lassen, wer wir sind.

Und selbst wenn sich die Selbstreflexion doch einmal aufdrängen will, geben wir ihr weder Zeit noch Raum und machen weiter wie bisher. Am Ende werden wir zu Wesen, die sich nach allem richten, nur nicht nach uns selbst, analysiert Cordsmeier. Authentizität fällt weg.

„Spiegel“-Bestseller Sachbuch

Platz 1

Eckart von Hirschhausen
Wunder wirken Wunder
Rowohlt, Euro 19,95

Stand: 04.03.2017

Platz 2

Roger Willemsen
Wer wir waren
S. Fischer, Euro 12,00

Platz 3

Cameron Bloom
Penguin Bloom
Knaus, Euro 19,99

Platz 4

Peter Wohlleben
Das geheime Leben der Bäume
Ludwig, Euro 19,99

Platz 5

Andrea Wulf
Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur
C. Bertelsmann, Euro 24,99

Platz 6

Yuval Noah Harari
Homo Deus
C.H. Beck, Euro 24,95

Platz 7

Christian Nürnberger und Petra Gerster
Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten
Gabriel, Euro 14,99

Platz 8

Michail Gorbatschow
Kommt endlich zur Vernunft - Nie wieder Krieg!
Benevento, Euro 7,00

Platz 9

Horst Lichter
Keine Zeit für Arschlöcher!
Gräfe und Unzer, Euro 16,99

Platz 10

Peter Wohlleben
Das Seelenleben der Tiere
Ludwig, Euro 19,99

Quelle: Im Auftrag des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ermittelt das Fachmagazin „buchreport“ wöchentlich die Bestsellerlisten durch elektronische Abfrage der Verkaufszahlen bei rund 450 Buchhändlern.

Wie soll sie auch entstehen, wenn man sich stets den Anforderungen anderer unterordnet. Erst wenn die Anpassungsschmerzen zu stark quälen, suchen Menschen Hilfe. Vernachlässigt man die eigenen Bedürfnisse weiter, folgen dem Unwohlsein erst Krankheiten mit den bekannten volkswirtschaftlichen Schäden für Arbeitgeber. Schlimmer noch: Manch einen führt der Kraftakt, das wahre Selbst nicht auszuleben, in die Kriminalität.

Solche mitunter steile Thesen, belegt Cordsmeier mit vielen Studien, Expertenmeinungen und Fallbeispielen. Er beschreibt das Schicksal des 24-jährigen Ronny, der hauptberuflich alte Leute und Kinder überfiel. „Für ihn war es das einzige greifbare Ventil“, schreibt der Autor. Sein Schauspieltalent habe niemanden interessiert und irgendwo müsse die überschüssige Energie ja hin, lässt er Ronny sagen.

Buchtipp „Wenn das Volk sich erhebt“: Revolution!

Buchtipp „Wenn das Volk sich erhebt“

Revolution!

Arabischer Frühling, Proteste in Gezi-Park und auf dem Maidan - ein revolutionärer Furor entlädt sich seit einigen Jahren in vielen Weltregionen. Aber was ist das eigentlich, eine Revolution. Gero von Randow hat ein kluges Buch darüber geschrieben.

Für seine Diagnose, die Entfremdung vom eigenen Ich, liefert Cordsmeier die passende Therapie: seine gemeinnützige Stiftung millionways. Mit ihr verfolgt er das Ziel, Menschen und Ideen zusammenzubringen, verborgene Talente zu fördern und mehr aus dem persönlichen Potenzial zu machen.

Mit den richtigen Unterstützern verwirklichte etwa ein Steuerberater seinen Lebenstraum und wurde Fotograf. Ein Obdachloser arbeitet heute als Entwickler von Outdoorbekleidung. Anhand solcher Biografien zeigt der Autor, wie sich Denkmuster auflösen lassen, und macht nebenher noch kräftig Werbung für seine Stiftung.

Der Weg zurück in die Selbstsicherheit ist beschwerlich. Denn die Selbstentwertung beginnt früh. Das macht Cordsmeier im Kapitel über Talent deutlich. Talent, das lerne man schon in der Schule, haben vor allem die anderen, die Begnadeten. Ein Da Vinci, eine Marie Curie. Ein Goethe. Du bist nicht Goethe, also versuch auch nicht, so zu schreiben – so ähnlich können Entmutigungen lauten.

Ein fataler Mechanismus, findet der 32-Jährige. Der habe die Welt vieler Kunstwerke, Erfindungen und Erfolgsgeschichten beraubt. Cordsmeier fordert ein Umdenken und empfiehlt, sich stärker an Kindern zu orientieren. Sie hätten eine ungetrübte Wahrnehmung dafür, was sie können und was sie daraus machen wollen. Kunst, Musik oder Tüftelei.

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