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23.04.2011

12:50 Uhr

Buchvorstellung

Norbert Blüm und das Plädoyer für "Ehrliche Arbeit"

VonFranz Müntefering

In seinem Buch "Ehrliche Arbeit" prangert der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm die mangelnde Wertschätzung der Arbeit an. Doch Blüm wirft mehr Fragen als er Antworten gibt - rezensiert Franz Müntefering.

Norbert Blüm spart in seinem neuen Buch nicht mit Kritik. Quelle: dpa

Norbert Blüm spart in seinem neuen Buch nicht mit Kritik.

BerlinMan muss etwas Geduld haben mit ihm, denn irgendeine Wunderkerze muss er immer noch schnell abbrennen, oder er muss noch einen kessen Reim reimen oder Binsen flechten. Auch über Gott und die Welt im Allgemeinen fällt ihm viel ein.

Man muss alles im Quadrat von wissenschaftlichem Exkurs, Predigt, römisch-katholisch-philosophischem Traktat und Anekdote als Beweisführung akzeptieren.

Man muss die Unter-Überschrift des Buches „Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier“ nicht so wichtig nehmen, denn dieser Teil des Buches erschöpft sich in der moralischen Entrüstung über bekannte Widerlichkeiten des Kapitalismus und der akuten Finanzkatastrophe im Besonderen.

Manchmal scheint der Glaube an die Naturgesetzlichkeit des Sieges der freundlichen Variante des Kapitalismus, der Sozialen Marktwirtschaft, durchzuschimmern. Das wäre ein fataler Irrtum. Da hat sich auf der anderen Seite Marx auch schon geirrt.

Aber – alles in allem und damit zum Lesenswerten dieses Buches: Beim Häuten der Fruchtzwiebel Norbert Blüm trifft man doch auf einen interessanten und umfassenden Kern: die Arbeit.

Arbeit als willentliche, abgestimmte, koordinierte, sinnerfüllende Tätigkeit, als eine spezielle menschliche Fähigkeit. Als die erlernte Eigenschaft, die Voraussetzung wurde und ist für viele Formen menschheitsgeschichtlicher Fortschritte, allerdings auch schlimmer Irrtümer und Rückschritte.

Arbeit als Gestaltungskraft, auch Gestaltungsmacht des Menschen, der Besseres will, Menschlicheres. Arbeit aber natürlich auch und das für sehr viele Menschen zur Sicherung des Lebensunterhalts, zur Überlebenssicherung. Arbeit als Grundlage für Wohlstand. Immer gilt: Arbeit verändert den Menschen, und der Mensch verändert mit seiner Arbeit die Welt.

Kommentare (3)

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MikeM

23.04.2011, 14:01 Uhr

Schon komisch, wenn Berufspoilitiker über "ehrliche Arbeit" reden. Die Herren haben noch nie wirklich gearbeitet und sich auf dem freien Arbeitsmarkt bewiesen. Stattdessen lassen sie sich fürstlich vom Volk versorgen, ändern ihre Meinungen je nach Windrichtung und arbeiten an ihrer Selbsterhaltung. Liebe Herrn Müntefering und Blüm: Bitte schaffen Sie sich selbst ab!

Account gelöscht!

23.04.2011, 14:11 Uhr

Der Kapitalismus kann nur nützen, wenn das angesteuetrte Ziel eine ausgewogene Gesellschaftspolitik ist. Es reicht nicht den Mangel an Gütern zu beseitigen (Verdienst des Kapitalismus). Es gilt auch, reale Chancen zu schaffen, dass sich Alle durch Leistung beteiligen können. Der Kapitalismus um seiner selbst willen, wie er heute neoliberal praktiziert wird, ist politischer Unfug. So interpretiere ich Blüms ausführungen.

Im übrigen fehlt es an Kapitalismus in vielen Branchen. Es existieren viele saatlich gestützte Wirtschafts-Oligopole. Der Vorteil des Kapitalismus der eigenen Erneuerung durch Pleiten nichterfolgreicher Firmen wird von Regierungen aktiv verhindert. Banken, Energieversorger und einzelne Industriebranchen werden extrem geschützt, was eher an die zentrale Wirtschaftspolitik kommunistischer Staaten erinnert. Merkwürdig - für konservative, demokratische Regierungen westlicher Prägung.

Sozialdemokraten-Schauspieler

23.04.2011, 14:28 Uhr

Ein geistiger Tiefflieger analysiert einen anderen.
Köstlich.
Müntefering hat doch nie verstanden was Sozialdemokratie bedeutet. Die SPD war für ihn nur ein Mittel, um der harten Arbeitswelt zu entfliehen und mit seinen beschränkten Möglichkeiten Karriere zu machen. Müntefering war und ist vor allem eines: sozialdemokratische Pose. Die SPD bezahlt dafür, die Wurzeln sind abgehackt, die Partei ist politisches Treibgut.

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