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07.06.2012

17:48 Uhr

Bunker, Ballsaal, Bahnhof

Die Documenta überrascht mit Inspiration

Ein „Nichts-Tun-Garten“, eine Handtuch von Hitler und ein rosa Hund: Die 13. Documenta ist alles andere als einfach. Vielleicht gerade deshalb kommt die Ausstellung noch vor der offiziellen Eröffnung bereits so gut an.

Aus tausenden lebenden Bienen besteht der Kopf einer liegenden Skulptur des Künstlers Pierre Huyghe. dpa

Aus tausenden lebenden Bienen besteht der Kopf einer liegenden Skulptur des Künstlers Pierre Huyghe.

KasselNoch vor der offiziellen Eröffnung am Samstag bekommt die documenta viel Lob. Während frühere Ausgaben der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst oft mit ätzender Kritik und Spott überzogen wurden, wird die 13. Ausgabe als abwechslungsreich, inspirierend und durchdacht gewürdigt.

So zeigte sich Kasper König, Direktor des Kölner Museums Ludwig und einer der einflussreichsten deutschen Ausstellungsmacher, bei einem Rundgang begeistert. „Unbedingt hinfahren!“, sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Es lohnt sich auf jeden Fall.“ Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sagte der dpa, es sei eine spannende documenta, für die man sich Zeit nehmen müsse. Es sei auch eine sehr politische Ausstellung: „Sie lässt sich auf den Zustand der Welt ein, da wird nichts verkleistert, nichts beschönigt.“

Ein bei der documenta (13) ausgestelltes Handtuch von Adolf Hitler mit den Initialen A.H. und eine Puderdose von Eva Braun (l). dpa

Ein bei der documenta (13) ausgestelltes Handtuch von Adolf Hitler mit den Initialen A.H. und eine Puderdose von Eva Braun (l).

Das Medienecho fiel durchweg positiv aus. „Eine Weltkunst-Schau, die sich lohnt“, schrieb das „Hamburger Abendblatt“. „Die Welt“ urteilte: „Auf hoch respektable Weise setzt sie die Geschichte des stolzen Ausstellungsformats fort.“

Wenn die documenta am Samstag von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet wird, sind in Kassel nicht nur Werke von Künstlern zu sehen. Auch physikalische Experimente, ökologische Projekte und Arbeiten am Außenstandort Kabul gehören zum weit gefassten Konzept. Bis Mitte September erwartet das „Museum der 100 Tage“ 750 000 Besucher.

Innerhalb Kassels wurde das documenta-Gelände so ausgeweitet wie nie zuvor. Außer in Museen und Parks wird Kunst auch an vielen alltäglichen Orten zu sehen sein - in einem alten Bahnhof, in einem Bunker, einem Hotel mit Ballsaal, Kaufhäusern oder leerstehenden Büros. Als einen der wichtigsten Orte bezeichnet die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev ein ehemaliges Kloster außerhalb Kassels, das Gefängnis, KZ und Besserungsanstalt war und heute als psychiatrische Klinik genutzt wird.

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