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11.03.2013

08:38 Uhr

Burkhard Leismann

Erneute Anklage im Kölner Fälscherskandal

VonChristiane Fricke

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Burkhard Leismann, den Direktor des Kunstmuseums Ahlen, erhoben. Es geht um ein angebliches Gemälde von Fernand Léger, eine Fälschung von Wolfgang Beltracchi. Leismanns Anwalt versucht, die Vorwürfe im Zwischenverfahren vor dem Kölner Landgericht zu entkräften.

Ausschnitt aus dem angeblich von Fernand Léger gemalten Bild, das 2010 im Kunstmuseum Ahlen sichergestellt wurde. Archiv

Ausschnitt aus dem angeblich von Fernand Léger gemalten Bild, das 2010 im Kunstmuseum Ahlen sichergestellt wurde.

KölnAnderthalb Jahre nach der Verurteilung des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi hat die Kölner Staatsanwaltschaft jetzt gegen Burkhard Leismann, Direktor des Kunstmuseums Ahlen, Anklage erhoben. Es geht um seine Rolle bei der Vermittlung eines angeblich 1913 gemalten kubistischen Stilllebens von Fernand Léger mit der Bezeichnung „Natur Morte“, das sich später als eine Fälschung Wolfgang Beltracchis herausstellte.

Unter anderem der angebliche Léger war im Kunstmuseum Ahlen eingelagert worden. Überbringer war Otto Schulte-Kellinghaus, im Herbst 2011 mitverurteilter Komplize von Wolfgang und Helene Beltracchi. Die Staatsanwaltschaft soll Leismann nun Beihilfe zum versuchten gewerbsmäßigen Betrug in diesem einen Fall vorwerfen, bestätigte der Anwalt des Kunsthistorikers, Herman-Josef Bunte, gegenüber dem Handelsblatt. Staatsanwaltschaft und das Landgericht geben zurzeit keine Auskünfte. Das Ermittlungsverfahren gegen Leismann wurde bereits im November 2010 eingeleitet.

Überraschende Anklage

Die Anklage, die am 1. März zugestellt wurde, kam nach Auskunft des Anwalts für den Betroffenen überraschend. In einer gemeinsamen Presseerklärung, die auch der Kunsthistoriker selber und Meinolf Wiesehöfer für den Träger des Ahlener Kunstmuseums unterschrieben haben, heißt es, Leismann werde vorgeworfen, „dass er seit April/Mai 2010 Zweifel an der Echtheit des Gemäldes hätte haben müssen und trotz dieser Zweifel mit bedingtem Vorsatz die Verkaufsbemühungen der eingeschalteten Kunstvermittler weiter unterstützt und vorangetrieben habe“. Die Anklage gehe nicht davon aus, dass der Museumsdirektor von der Fälschung des „Léger“-Gemäldes wusste. Im Übrigen steht nach Ansicht von Bunte die Anklageschrift „in krassem Widerspruch“ zur Nichteröffnung von Ermittlungsverfahren gegen andere in das Kunstfälschersystem Beltracchi verstrickte Experten, die sich erfolgreich darauf berufen konnten, sie seien getäuscht worden und hätten an die Echtheit der Fälschungen geglaubt.

Gründe für die Entlastung

Nun hoffen Leismann und sein Anwalt, dass sie die Vorwürfe der Anklage im Zwischenverfahren vor dem Landgericht entkräften können. Zur Entlastung seines Mandanten führt Rechtsanwalt Bunte dem Handelsblatt gegenüber eine Reihe von Gründen auf. Neben der hohen malerischen Qualität der Léger-Fälschung führt er u.a. die drei Aufkleber des Bildes ins Feld. Auf ihnen hätten sich zum Teil Hinweise auf Ausstellungskataloge, in einem Fall aber auch ein handschriftlicher, unterschriebener Vermerk des Düsseldorfer Galeristen Alex Vömel befunden, seit 1933 Inhaber der Düsseldorfer Galerie von Alfred Flechtheim. „Ich erkenne die Handschrift meines Vaters“, soll der Sohn des Verstorbenen, Edwin Vömel, Leismann gegenüber gesagt haben, der ihn dazu befragte.

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