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05.07.2012

16:00 Uhr

Cecily Brown

Die Dinge sollen ein wenig in der Luft hängen

Die Malerei von Cecily Brown ist virtuos, packend und anachronistisch. Beste Voraussetzungen, um am Markt zu punkten. Die Ausstellung der Britin im Essl Museum nahe Wien zeigt die ungebrochene Vitalität, die sie dem traditionellsten aller künstlerischen Medien abzugewinnen vermag.

Cecily Brown: Girl Eating Turtle Dove, 2011-12, Öl auf Leinen, (Diptychon). (Ausschnitt) Robert McKeeverCecily Brown, Courtesy Gagosian Gal.

Cecily Brown: Girl Eating Turtle Dove, 2011-12, Öl auf Leinen, (Diptychon). (Ausschnitt)

KlosterneuburgDie Frage nach dem Tod der Malerei dürfte mittlerweile hinlänglich beantwortet sein – an deren Vitalität hegt wohl kein ernsthafter Beobachter der aktuellen Kunst Zweifel. Ob sie zu revolutionären Neuerungen fähig ist, steht indes auf einem anderen Blatt.

Zur Klärung dieser Frage trägt die aktuelle Ausstellung der britischen Malerin Cecily Brown, geboren 1969, im Klosterneuburger Essl Museum zwar nicht bei. Dass Browns Malerei die Grenze zwischen Abstraktion und Figuration auslotet, wie hier mehrfach betont wird, lässt sie noch keineswegs neues Terrain betreten. Dennoch hat schon lange niemand derart virtuos, packend und differenziert das traditionelle Medium interpretiert.

Browns Bilder unterschiedlichen Formats – im Essl Museum werden nicht nur Gemälde, sondern auch drei Monotypen gezeigt – erscheinen geradezu spektakulär; in der – viel zu großen – Ausstellung offenbart sich, wie sehr die Malerei auch im 21. Jahrhundert den Betrachter noch in seinen Bann ziehen kann: um lange Zeit vor einem Kunstwerk zu verbringen, braucht man keine endlosen Videoarbeiten zu betrachten.

Die Gemälde sollen ihr eigenes Leben führen

Zu behaupten, Browns Malerei besäße meditative Dimensionen, wäre dennoch verfehlt. Eher ähnelt sie einer Abenteuerreise. Unvermutet tun sich hier abstrakte Räume hinter Farbdickicht auf, tauchen dort Tiere zwischen Kaskaden von Farben auf oder ein enormer Tiefenzug reißt den Blick hinter einem sich liebenden Paar geradezu weg. Die Art, wie sich ein Gesicht hinter grauen Schlieren verbirgt, wie anderswo Pink, Zitronengelb und Orange aufeinander stoßen oder wie mit dem Rakel gezogene Flächen von Pinselstrichen geradezu angegriffen werden, all das kann getrost als „große Malerei“ bezeichnet werden, ein Begriff, der ebenso anachronistisch ist wie die Kunst der Britin selbst.

„Ich will, dass die Gemälde ihr eigenes Leben führen“, erklärte Brown in Klosterneuburg, „die Dinge sollen ein wenig in der Luft hängen. Es gibt eine Beziehung zwischen den Bildern, sie führen eine Debatte miteinander.“ Tatsächlich erweist sich das Hin- und Herspringen zwischen den unterschiedlichen Werken als ebenso fruchtbar wie die genauere Betrachtung einer einzigen Leinwand – einzelne Elemente finden sich mehrfach, etwa die merkwürdigen, wie geheime Zeichen aussehenden sternförmig angeordneten Pinselstriche. Zudem werden die unterschiedlichen Formate der Gemälde bewusst – absichtlich hängte Brown kleine Formate neben großen. „Kleinere Gemälde helfen mir, größere zu bewältigen“, erzählt sie, „die großen sind von vornherein beeindruckend, schlicht aufgrund ihrer Größe, das ist leichter. Bei den kleinen dagegen muss man sich hinsetzen, sich darin versenken.“

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