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12.08.2011

09:56 Uhr

Charlotte Roche

Der kalkulierte Bestseller

VonPetra Schäfer

Die planmäßige Vermarktung von Charlotte Roches neuem Roman ist ein Lehrstück für Erfolg auf dem Buchmarkt. Mit dem kalkulierten Tabubruch und dem bewussten Spiel mit den Medien stürmt die Autorin die Bestsellerlisten.

Die ersten Exemplare von "Schoßgebete" gingen schnell über die Buchladentheke. Quelle: dapd

Die ersten Exemplare von "Schoßgebete" gingen schnell über die Buchladentheke.

DüsseldprfDie Rechnung ist aufgegangen, das Geschäftsmodell hat funktioniert. Mehr als 200 000 Exemplare haben die Buchhändler bei Verkaufsstart des neuen Charlotte-Roche-Romans "Schoßgebete" über Sex in der Ehe und die Selbsterkenntnis einer jungen Frau am Mittwoch auf ihren Tischen aufgehäuft, weitere 300 000 Exemplare hat der Münchener Piper Verlag als Erstauflage drucken lassen. "Diesmal hatten wir den Handel auf unserer Seite", freut sich Verleger Marcel Hartges. Nicht einmal 15 000 Exemplare von Charlotte Roches Erstling "Feuchtgebiete" hatten die Buchhändler vor dreieinhalb Jahren bestellt.

Das ist nicht schlecht für ein Debut, doch die Bücher waren aufgrund der explosionsartigen Nachfrage schnell vergriffen. "Und ein Nachdruck braucht halt Zeit. Zu vorsichtige Bestellungen des Handels verursachen dann zwangsläufig Lieferengpässe", sagt Hartges, damals Verlagsleiter bei DuMont.

Diesmal hat Hartges ein Lehrstück über das Machen eines Bestsellers hingelegt: Für den zweiten Aufschlag der Fernsehmoderatorin hat der Verleger generalstabsmäßig geplant, inklusive einer Marketingkampagne, die schon vor einem halben Jahr startete.

Die Vermarktung im Buchladen oder beim Internetbuchhändler ist dabei besonders wichtig. Aber eine Platzierung auf den besten Tischen habe sich Piper bei Roches Roman nicht erkaufen müssen, so wie es in der Branche besonders bei neuen Krimi-Titeln üblich ist. "Wir haben schon seit Monaten fieberhaft auf den Titel gewartet", sagt Birgit Sieben-Weuthen, Filialleiterin von Kölns größter Buchhandlung Meyerscher am Neumarkt. Auf allen drei Etagen des Hauses warten die "Schoßgebete" auf Käufer, 700 Exemplare fürs Erste. Wichtig sei aber eher, dass der Titel bei Verkaufsstart "die Massen bewegt, am besten mit Hilfe der ,Bild'-Zeitung und anderer Boulevardmedien", so die Buchhändlerin.

Den ersten medialen Aufschlag hatte Roche in dieser Woche im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", mit einem mehrseitigen Interview über Alkoholismus, Magersucht und Selbstmordgedanken. Sechs weitere Gespräche mit Zeitungen und Magazinen erschienen in den letzten Tagen. Es gibt Dutzende Interviewanfragen beim Verlag, aber bis heute ist die Autorin noch im Urlaub. Angesichts der zahlreichen Anfragen sei sie schlicht außerstande, allen Interviewwünschen nachzukommen, so der Verleger.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.08.2011, 12:31 Uhr

"In jedem Fall ist es besser als "Feuchtgebiete" auf der Leinwand realisierbar: ..."


Darum geht`s also bei den Roche-Büchern, seit dem Megaerfolg von Harry-Potter: Thema "Ficken, Ficken und immer an die Kinowand denken"... .

Ist schon bezeichnend, das auch im Land der Dichter und Denker der Leser nur noch nach den (geistigen) Ergüssen ehemaliger Promis (oder Pseudo-Promis) schielt , die z.T. erst über das TV der Masse bekannt oder populär gemacht wurden: Oliver Kahn, Dieter Bohlen, Roche etc. etc.. .

War deine Visage auf dem Fernseher zu sehen und hat die Sendung Quote gemacht, dann schreib ein "provokantes" Buch und kassier nochmal ab... .

Ich schätze mal, die Geschichten der Klofrau aus dem Pinkelhäuschen um die Ecke sind allemal interessanter. Und die kann das Geld gebrauchen. Die anderen sind eh schon verwöhnt.

Account gelöscht!

12.08.2011, 12:32 Uhr

Dabei kann sie nicht einmal schreiben. Ich kaufe mir ja auch keine CD von jemandem, der nicht Klavie spielen kann und einfach nur auf den Tasten herumklimpert. Aber Propaganda ist halt alles: die Dummen werden es schon kaufen.

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