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19.03.2011

12:50 Uhr

China

Porzellan wie Seide

VonMatthias Thibaut

120 Millionen Dollar für 80 feine chinesische Objekte – Sotheby’s beginnt mit der Auflösung der letzten großen westlichen Spezialsammlung.

Neun-Drachenteller: Die Rarität soll 3,8 bis 5,1 Millionen Dollar kosten. Quelle: Sotheby's

Neun-Drachenteller: Die Rarität soll 3,8 bis 5,1 Millionen Dollar kosten.

LondonAn Superlativen fehlte es im Markt für chinesische Keramik in den letzten Jahren nicht. Trotzdem wird die am 7. April von Sotheby’s in Hongkong versteigerte „Meiyintang Sammlung“ ein Meilenstein für den Markt, der sich rapide zum Äquivalent des westlichen Altmeistermarkts entwickelt. Es ist laut Sotheby’s-Experte Nicholas Chow die letzte große westliche Sammlung chinesischen Porzellans, die noch zum Verkauf steht.

Spitzenpreise wie die 53 Millionen Pfund für die mittlerweile legendäre, weil (noch) nicht bezahlte, Qianlong-Vase aus dem Londoner Auktionshaus Peter Bainbridge liegen auf dem Niveau eines großen Rubens oder Tizians. „Nicht bezahlt ist nicht das Gleiche wie nicht verkauft“, betont Nicholas Chow. Den Verkauf kommentiert er nicht, hält den Preis aber offensichtlich nicht für völlig irrational.

China wird die Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten beherrschen, und das feine Porzellan wird der Höhepunkt seiner Kultur- und Sammelgeschichte bleiben. „Dieser Markt steht erst am Anfang“, betont Chow. Seine Schätzung für 80 Stücke der Sammlung beträgt 120 Millionen US-Dollar, aber dabei sei ein „beträchtlicher Spielraum nach oben“ eingebaut.

Seit den achtziger Jahren, als Sotheby’s jüngst verstorbener großer China-Pionier Julian Thompson eine Reihe hochbedeutender Sammlungen versteigerte, hat es laut Chow „nichts mehr von dieser Bedeutung auf dem Markt gegeben in Umfang, Qualität und Geschmackssicherheit“.

Die unter strengster Verschwiegenheit über die Besitzer versteigerte Sammlung hat mit dem Namen „Meiyintang“ – die Halle der Rosenbeete – einen für chinesische Sammlungen typischen Namen. Dahinter steht aber die 50-jährige Sammeltätigkeit der aus der Schweiz stammenden Brüder Gilbert und Stephen Zuellig. Sie hatten in den frühen vierziger Jahren die von ihrem Vater in Manila gegründete Handelsfirma zu der in Asien im Bereich Pharma und Agrikultur starken Zuellig-Gruppe aufgebaut.

Kurz nach Beginn ihrer Sammeltätigkeit in den 1950er- Jahren beschlossen die Brüder, dass sich einer mit früher Keramik, der andere mit dem Porzellan der Yuan-, Ming- und Qing-Dynastien befassen würde. Die Sammlung wurde von der internationalen Spezialistin Regina Krahl katalogisiert und Anfang der 1990er-Jahre ausgestellt. Sie gibt den Maßstab ab für Akademiker und Sammler. Insgesamt enthält sie an die 200 bedeutende Kunstwerk aus Porzellan und Keramik. Sotheby’s soll nun den Porzellan-Teil auflösen und dürfte in den nächsten Jahren rund 450 Objekte auf den Markt bringen.

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