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12.01.2013

10:28 Uhr

Chinesische Kunst in Paris

Der Schatten des irren Lachens

VonOlga Grimm-Weissert

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Künstler Yue Minjun fand im Westen bisher kaum statt. Das dürfte sich nun ändern: Die Pariser „Fondation Cartier pour l'art contemporain“ zeigt ein Best of seiner Bilder.

Yue Minjun: „I am Dragon-3“ ist ein Ölgemälde von 2008. Exhibition Yue Minjun

Yue Minjun: „I am Dragon-3“ ist ein Ölgemälde von 2008.

ParisIm Gegensatz zu den krampfhaft lachenden Männern seiner Gemälde ist der chinesische Malerstar Yue Minjun (geboren 1962) ein zurückhaltender Mann. Sein Gesichtsausdruck lässt auf Konzentration und asiatische Selbstdisziplin schließen. Diskret grau-schwarz und elegant gekleidet, beobachtet er aufmerksam seine Umgebung.

Bekannt wurde der chinesische Maler und Bildhauer Yue Minjun mit seinen Grinsemännern, deren festgefahrenes Zähnefletschen zur Maske wird. Seit Anfang der 1990er-Jahre malte Yue Minjun manisch sein Selbstbild mit dem krampfhaften Lachen, das an die gebleckten Zähne eines Nussknackers erinnert. Im Westen betrachtete man die Bilder mit dem zum Markenzeichen gewordenen Grinsen mit gewisser Skepsis.

Das zweite markante Charakteristikum der Bilder von Yue ist ihr Preis, der sich seit der Jahrtausendwende rasch vervielfachte, um 2008 bei 6,9 Millionen Euro zu kulminieren. Beide Faktoren, die Grinsemänner und die astronomisch hohen Preise, verhinderten eine echte Auseinandersetzung westlicher Kritiker mit dem Werk von Yue Minjun.

Die groß aufgezogene Schau, die die Pariser "Fondation Cartier pour l'art contemporain" bis 17. März präsentiert, führt zu einer 180 Grad-Kehrtwendung. Denn die Auswahl ist stupend, quasi ein "Top of the Best". Wobei Yues Gemälde auch durch ihre Megaformate beeindrucken, denen selbst die besten Abbildungen nicht gerecht werden können. Erst im Ausstellungsparcours vollzieht der Besucher die thematische Entwicklung des Malers im politisch-sozial eng gesteckten Umfeld nach.

Die Yue-Schau konnte so gut werden, weil ihre Organisatoren eng mit seinen auf der ganzen Welt verstreuten Sammlern zusammenarbeiteten. Kunstmarkt-Stars auf der Sammlerseite wie der Schweizer Uli Sigg, Hermann Iskandar aus Jakarta, die Athener Familie Capelouzos die dänisch-chinesische Faurschou-Stiftung sowie Pekinger Künstlerkollegen stellen ihre Gemälde zur Verfügung, die meist zu Auktionsrekordpreisen erstandenen wurden.

Cartiers Hauskuratorin Grazia Quaroni arbeitete eng mit der China-Verantwortlichen von Christie's, Aurélia Chabrillat, sowie mit Spezialisten von Sotheby's zusammen, um die Auktionskäufer in Hongkong, Singapur, New York, der Schweiz, England oder Frankreich aufzufinden, wie Quaroni erzählt. "Die Mayonnaise ist mir gelungen," kommentiert sie humorvoll und erleichtert wegen der positiven Reaktionen auf die Schau.

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