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22.07.2015

13:51 Uhr

Chinesischer Künstler

Ai Weiwei kann wieder reisen

Vier Jahre lang durfte der chinesische Künstler Ai Weiwei sein Heimatland nicht verlassen. Jetzt hat er endlich wieder einen Pass – seine erste Reise könnte zu seinem Sohn nach Deutschland gehen.

Seit Jahren ist das Verhältnis zwischen dem Künstler Ai Weiwei und den chinesischen Behörden schwierig. Zuletzt kam es jedoch zu einiger Entspannung. ap

Schwieriges Verhältnis

Seit Jahren ist das Verhältnis zwischen dem Künstler Ai Weiwei und den chinesischen Behörden schwierig. Zuletzt kam es jedoch zu einiger Entspannung.

PekingDer chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hat nach über vier Jahren seinen Reisepass von den chinesischen Behörden zurückerhalten. Das bestätigte eine Sprecherin Ais der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Zuvor hatte der 57-jährige Ai am Mittwoch ein Bild von sich und dem Pass auf dem Fotodienst Instagram gepostet.

Chinas berühmtester zeitgenössischer Künstler war 2011 wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen auf dem Weg nach Hongkong von der Polizei festgenommen worden. Nach 81 Tagen in Einzelhaft kam er wieder auf freien Fuß. Danach stand er zunächst unter Hausarrest. Sein Pass wurde einbehalten.

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Es ist eine kleine Sensation: Der chinesische Künstler Ai Weiwei stellt wieder in Peking aus. Der Staat und er haben einen Modus Vivendi gefunden, meint Frank Sieren. Trotzdem darf Weiwei nicht nach Deutschland reisen.

Eine der ersten Reisen Ais könnte nun nach Deutschland gehen. Der Künstler will nach eigenen Angaben seinen sechsjährigen Sohn besuchen, der in Berlin zur Schule geht. Außerdem will er sich in Deutschland einer Nachuntersuchung seiner Kopfoperation unterziehen. Ai war 2009 in München operiert worden, um die Spätfolgen eines brutalen Übergriffs chinesischer Beamter auf ihn zu behandeln.

Schon vor der Rückgabe des Reisepasses hatte sich das Verhältnis der Behörden zu Ai in den vergangenen Monaten deutlich entspannt. Innerhalb kurzer Zeit konnte Ai in Pekings Künstlervierteln 798 und Caochangdi gleich vier neue Ausstellungen eröffnen. Seit seiner Festnahme war das für lange Zeit undenkbar gewesen.

Protestbewegungen und ihre Namen

China

Demonstranten in Hongkong schützen sich mit Schirmen vor Regen oder Tränengas: Es ist von der „Regenschirm-Revolution“ die Rede. Andere Volksbewegungen mit ungewöhnlichen Namen:

Portugal

In der „Nelken-Revolution“ stürzten 1974 portugiesische Offiziere Diktator Antonio Salazar.

Ungarn

Der Begriff „stille Revolution“ beschrieb den reibungslosen Übergang vom Einparteienstaat zur Demokratie in Ungarn 1989.

Tschechoslowakei

In der „samtenen Revolution“ brachte die tschechoslowakische Bürgerrechtsbewegung 1989 die kommunistische Herrschaft zu Fall.

Georgien

Die friedliche „Rosen-Revolution“ fegte 2003 in Georgien Präsident Eduard Schewardnadse aus dem Amt.

Ukraine

Binden und Fahnen der Oppositionsbewegung gegen Viktor Janukowitsch gaben der „orangenen Revolution“ in der Ukraine 2004 ihren Namen.

Kirgistan

In der mittelasiatischen Republik Kirgistan erzwangen 2005 Massendemonstrationen der „Tulpen-Revolution“ einen Machtwechsel.

Tunesien

Mit der „Jasmin-Revolution“ in Tunesien begann 2010 der Arabische Frühling.

Die von Ai in seinem Pekinger Atelier erstellten Werke wurden zwar in zahlreichen Galerien und Museen weltweit gezeigt – nicht aber in China. Ai Weiwei gilt als „soziales Gewissen“ des Landes, weil er sich immer wieder kritisch mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in China auseinandersetzt. Im Berliner Martin-Gropius-Bau war ihm im vergangenen Jahr eine große Ausstellung gewidmet, die rund 240 000 Menschen sahen.

Von

dpa

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