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06.05.2013

10:38 Uhr

Chinesisches Kulturgut

Eigennütziges Geschenk

VonOlga Grimm-Weissert

Zwei Tierbronzen kehren zurück nach China: der Kopf einer Ratte und eines Hasen. Sie stammen ursprünglich aus der Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé und sollten vor vier Jahren versteigert werden. Ihre neuen Besitzer, das Familienunternehmen Pinault, verbindet mit dem wertvollen Geschenk geschäftliche Interessen.

Die beiden chinesischen Bronzeköpfe dienen jetzt geschäftlichen Interessen. ap

Die beiden chinesischen Bronzeköpfe dienen jetzt geschäftlichen Interessen.

ParisDie französische Unternehmerfamilie Pinault möchte „dem chinesischen Volk“ zwei wertvolle Bronzeskulpturen schenken: den Kopf einer Ratte und eines Hasen. Das gab François-Henri Pinault, Sohn François Pinaults, im Rahmen eines Besuchs des französischen Staatspräsidenten François Hollande in Peking bekannt. Die Skulpturen wurden im 18. Jahrhundert für einen der Sommerpalais des Kaisers von China gegossen. Jetzt erhalten sie den Status eines diplomatischen Geschenks, um die in China gut eingeführten Luxusprodukte des Imperiums der Familie Pinault noch besser zu platzieren.

China forderte Rückgabe

Die beiden Bronzeskulpturen sorgten 2009 für Aufregung und leichte Verstimmung zwischen China und Frankreich. China forderte ihre Rückgabe, als sie auf der von Christie’s und dem Auktionshaus Pierre Bergé & Associés organisierten Auktion der Sammlung Yves Saint Laurent/Pierre Bergé auftauchten. Bergé antwortete, er gebe sie nur zurück, wenn in China die Menschenrechte respektiert würden.

Bieter bezahlte nicht

Daraufhin versuchten die Chinesen vergeblich, die Versteigerung der beiden Bronzen zu verhindern. Anlässlich der Auktion am 25. Februar 2009 steigerte der (damals anonyme) chinesische Telefonbieter Cai Mingchao beide der auf je 8 bis 10 Millionen Euro geschätzten Köpfe auf jeweils brutto 15,7 Millionen Euro. Etwas später gab Cai Mingchao seine Identität und seinen Entschluss bekannt, die Bronzen nicht zu bezahlen. Daraufhin nahm Pierre Bergé sie zurück.

In alle Winde verstreut

Die kunstvoll gestalteten Bronze-Tierköpfe aus der Zeit des Kunstförderers Kaiser Qianlong (1736–1795) schmückten einen Springbrunnen. Entworfen wurde er von dem Jesuitenpater Giuseppe Castiglione (1688-1766), Hofmaler des Kaisers Qianlong. Er bestand aus zwölf Steinskulpturen in Menschengestalt mit Bronze-Tierköpfen, die den chinesischen Tierkreis darstellten.

Das Sommerpalais wurde während des Opiumkriegs 1860 von französischen und englischen Truppen zerstört und die geraubten Bronzetierköpfe in alle Winde verstreut. Fünf Köpfe (Affe, Rind, Schwein, Tiger und Pferd) tauchten in den letzten 26 Jahren auf Auktionen in Hongkong und New York auf, wo Mäzene oder Spender sie zugunsten des chinesischen Staates erwarben.

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