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30.07.2011

15:26 Uhr

Christie's CEO im Interview

"Das Theater der Auktion ist attraktiv"

VonMatthias Thibaut

Steven Murphy, Christie's neuer CEO, über den Kunstmarktboom und kulturelle Veränderungen, den Markt in China und die nicht abbrechenden Verkaufsgerüchte.

Steven Murphy, Direktor von Christie's. Quelle: Elke Bock/laif für Handelsblatt

Steven Murphy, Direktor von Christie's.

Handelsblatt: Mr. Murphy, als New Yorker leiten Sie nun in London eine urenglische Firma. War das eine große Umstellung?

Steven Murphy: Es gab eine Schlagzeile, "Erster Yankie bei Christie's". Ich bin Amerikaner, und man sollte nie versuchen, jemand anderes zu sein, als der man ist. Meine Frau Annie und ich kannten London beide beruflich sehr gut. Aber hier leben ist etwas anderes. Es ist eine wunderbare Stadt, aber wir haben unsere Heimat verlassen, unsere Kinder, unsere Freunde, ich habe ein Pferd in Pennsylvania, das sich nach mir sehnt. Zeit für Heimweh hatte ich aber noch nicht. Der Job bei Christie's ist wie ein Schnellboot mit einem Loch im Boden. Wenn man stoppt, geht man unter.

Bei Christie's sind Sie nicht nur als Amerikaner ein Außenseiter. Sie sind auch der erste CEO, der sich nicht bei Christie's hochgearbeitet hat. Ihr Vorgänger Ed Dolman fing als Möbelträger an. Steckt da eine Strategie dahinter?

Ich weiß nicht. Ed Dolman wollte ausscheiden. François Pinault und Patricia Barbizet suchten einen Nachfolger, der gewisse Dinge erreichen sollte. Wir waren im Gespräch, und wir beschlossen, es zu versuchen.

Was sollen Sie erreichen?

Pinault ist Unternehmer, aber auch Sammler und versteht die Besonderheiten von Christie's sehr gut. Sie wollen, dass die Firma wächst, aber an der Kultur und Identität festhält, ohne die Christie's nicht Christie's wäre. Sie wollten jemanden, der nicht nur Wachstumsmöglichkeiten und strategische Optionen aufzeigt, sondern auch die Werte, das gewisse Etwas von Christie's, versteht. Das war für mich attraktiv.

Viele glauben, Sie seien als Außenseiter in die Firma gebracht worden, um Christie's für den Verkauf aufzuhübschen. Man spekuliert ja seit Jahren, dass Pinault verkaufen will.

Ich habe noch nie in meinem Leben für eine Firma gearbeitet, bei der es solche Spekulationen nicht gab. Sie müssten Monsieur Pinault fragen. Aber ich kann ohne Zögern sagen, dass es mir in meiner Karriere immer darum ging, Firmen so aufzubauen, dass die Mitarbeiter bessere Entfaltungschancen haben. Ich bin hier, weil man mich bat, für Wachstum zu sorgen und zu expandieren.

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