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03.12.2014

19:43 Uhr

Christie's Chefwechsel

Unternehmensstrategie am Scheideweg

VonMatthias Thibaut

Sotheby’s sucht nach einem neuen Chef und bei Christie’s macht Steve Murphy Platz für Patricia Barbizet. François Pinaults rechte Hand ist zugleich Lenkerin der Pinault-Holding Groupe Artemis. Der Versuch einer Erklärung.

Patricia Barbizet, Direktorin der Groupe Artemis, wird neue Chefin von Christie's. Quelle: Christie's

Patricia Barbizet, Direktorin der Groupe Artemis, wird neue Chefin von Christie's. Quelle: Christie's

LondonHeimweh nach seinem Pferd in Milwaukee kann es nicht gewesen sein, was Christie’s amerikanischen Chef Steve Murphy dazu brachte, am Dienstagabend, kurz vor Beginn der Altmeisterauktion im Londoner Hauptquartier, seinen Rücktritt bekannt zu geben. Was er nun mache, wisse er noch nicht, ließ er wissen, er werde aber in London bleiben. Auch zu Sotheby’s wird er nicht wechseln, wo der Chefposten vakant ist. „Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun“, versichert man bei Christie’s. Aber klar ist, dass die beiden Auktionsgiganten und bitteren Rivalen, Sotheby’s und Christie’s, beide vor tief greifenden Änderungen stehen. Bei Sotheby’s wurden die Spekulationen, der führende Anteilseigner Dan Loeb könne die Firma privatisieren und vom Markt nehmen, erneut geschürt, als Chefmanager Bill Ruprecht vor zwei Wochen seinen Rücktritt bekannt gab.

Neue Christie’s Chefmanagerin wird Patricia Barbizet, die bisher schon „Chairman“ war und Murphy von Paris aus auf die Finger sah. Dort leitet sie die Groupe Artemis, die Holding von Christie’s Besitzer François Pinault und seinem Sohn François-Henri Pinault. Barbizet, eine der mächtigsten französischen Managerinnen, die auch mit Nicolas Sarkozy vertraut ist, wird bei Christie’s nun beide Rollen innehaben.

Unternehmen fit gemacht

Barbizet und Pinault hatten Murphy vor vier Jahren zu Christie’s geholt; der erste Amerikaner in der altehrwürdigen englischen Firma, der erste Generaldirektor, der als Außenseiter kam und nicht im Auktionsgeschäft selbst groß geworden ist. Eine Außenseiterrolle, die er in vier Jahren bei Christie’s nie verlor und wohl auch nicht verlieren wollte. Was war seine Aufgabe? „Christie’s fit für die Zukunft“ zu machen, sagte er damals in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Murphys Abschiedserklärung macht klar, dass er das Geforderte geleistet hat. „Wir haben einen ehrgeizigen Dreijahresplan abgeschlossen; das Unternehmen ist in der stärksten Führungsposition seiner Geschichte“. Barbizet selbst sekundierte diese Sicht der Dinge: Unter Murphys Führung habe Christies „eine echte Führungsposition erreicht, mit Verkäufen und Profiten auf ihrem höchsten Niveau“. Im ersten Halbjahr 2014 setzte Christie’s mit Kunstverkäufen 2,7 Milliarden Pfund um, 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Murphy weist darauf hin, dass der ganze Jahresumsatz bei seinem Eintritt 2010 nur 3,3 Milliarden Pfund betrug.

Frage nach der wahren Profitabilität

Was in Christie’s Chefetage in den letzten Tagen vorging, ist im Moment nicht klar. Als Privatunternehmen gibt Christie’s wenig Einblicke. Seine wahre Profitablität ist in den Steuererklärungen versteckt, die in Paris abgegeben werden. Insider äußerten sich überrascht über die Art und Weise der Bekanntgabe von Murphys Abgang mitten in der Londoner Altmeisterwoche – statt in der Weihnachtspause. Fragen um Christie’s wahre Profitabiliät werden gestellt. Man munkelt von Geschäftszielen, die nicht erreicht wurden, trotz Barbizets Versicherung. Hat Murphy so üppig gelebt, dass Patricia Barbizet von Paris über den Kanal geschickt wird, um die Zügel wieder in die Hand zu nehmen?

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