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31.03.2017

07:35 Uhr

Christie's

Eine Gala-Auktion weniger

VonSusanne Schreiber

Christie’s speckt ab. Nicht nur die Filiale South Kensington wird aufgegeben. Jetzt sagte das Auktionshaus auch die Londoner Juni-Auktion mit zeitgenössischer und Nachkriegs-Kunst ab. Die Begründung ist dürftig.

schreiber

DüsseldorfDer Wettbewerb um Kunstwerke im High-End-Bereich sowie um gute Bilanzen ist beinhart. Wenn etwas nicht läuft wie erhofft und geplant, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen, werden in großen Auktionshäusern rigoros Schnitte gemacht. So ließ der neue CEO von Christie’s, Guillaume Cerutti, kürzlich verkünden, dass der Versteigerungsort für nicht ganz so wertvolle Einlieferungen, South Kensington in London, aufgegeben werde. Die dort abgehaltenen Live-Versteigerungen werden die Online-Auktionen zugeschlagen. Auch der Standort Amsterdam muss Federn lassen und darf nur noch wenige höherwertige Versteigerungen durchführen. Zwölf Prozent von Christie’s Gesamtbelegschaft werden ihren Hut nehmen müssen.

Der neueste Coup: Christie’s verzichtet auf seine traditionelle Versteigerung von zeitgenössischer und Nachkriegs-Kunst im Juni 2017 in London. Verkauft wird das in der positiven Marketing-Sprache als „Innovation im Kalender“ und als Konzentration auf die beiden Termine im Februar/März nach dem chinesischen Neujahr und im Oktober, dann parallel zur Frieze-Woche. Die Gala-Auktion ist für 6. Oktober angesetzt.

London im März 2017. Am Pult von Christie's steht Auktionator Jussi Pylkkanen. Christie's Images Ltd. 2017

Spannung im Saal

London im März 2017. Am Pult von Christie's steht Auktionator Jussi Pylkkanen.

Die Erklärung in der nur im englischen Sprachraum verbreiteten Mitteilung fällt indes wenig überzeugend aus: Da werden neben sich jährlich wiederholenden Ereignissen wie den New Yorker Mai-Auktionen und die Art Basel auch Großveranstaltungen angeführt. Dass alle zwei Jahre die Biennale nach Venedig lockt und die alle fünf Jahre stattfindende Documenta Besucherströme nach Kassel und diesmal auch nach Athen leitet, hat bislang noch immer alle Kunstfreunde in Bewegung setzen können. Sollte das 2017 nicht mehr möglich sein? Schwer vorstellbar. Von der nicht weniger impulssetzenden Großausstellung „Skulptur Projekte“ in Münster, die nur alle zehn Jahre Kenner nach Münster führen, gar nicht zu reden. Sie sind in der Pressemitteilung nicht mal erwähnt.

Mangel an Top-Kunst

Christie’s kürzt und hält dennoch am Juni-Termin für die Impressionisten, die moderne britische und irische Kunst fest: Dafür sind der 27. und der 26. Juni reserviert. Auch der Mitbewerber Sotheby’s versichert, an den traditionellen Juni-Auktionen mit zeitgenössischer Kunst in London festzuhalten.

Da bleibt nur ein Schluss und folgende Vermutung übrig: Ein oder mehrere Super-Sammler haben sich nicht zur Einlieferung hochkarätiger Spitzenwerke – solche, die eine Auktion tragen und das Niveau definieren – entschließen können. Der eklatante Mangel an Top-Kunst, sei es für den Juni oder den Oktober, könnte zur Absage der ganzen Juni-Versteigerung geführt haben. Oder es steht eine Verlagerung des Auktionsgeschehens in den asiatischen Raum an, dort, wo noch satte Wachstumsraten locken. 2016 waren 35 Prozent von Christie’s Neukunden Asiaten. Aber von einer Verlagerung wird nicht explizit gesprochen.

Jussi Pylkkanen, Christie’s Global Präsident, lässt sich in der Presseaussendung so zitieren: „Wir wollen unseren Sammlern immer das allerbeste Material zum richtigen Zeitpunkt anbieten. Da der Kunstweltkalender in Bewegung geraten ist, führen wir den Markt an, indem wir auf die Bedürfnisse unserer globalen Kundschaft eingehen.“

Mit dem ausgesprochen brillanten Ergebnis der 91,1 Millionen Pfund im Rücken, die im Oktober 2016 in London umgesetzt werden konnten, gehe es jetzt darum, Londons Position maximal zu stärken. Und – so ergänzen wir – keine schwache Performance abzuliefern, die dem Gesamtergebnis schaden könnten. Wir erinnern uns: In allen Krisen, auch nach der Pleite der Bank Lehman Brothers, sind Christie‘s und Sotheby’s gut gefahren, wenn sie für Reduktion und Konzentration gesorgt haben.

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