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10.03.2012

14:22 Uhr

Cindy Sherman

Weiblichen Archetypen im Fokus

VonBarbara Kutscher

Sherman gehört zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern. Bereits früh liebte sie die Verwandlung in andere Personen und Wesen vor dem Spiegel. Von dem Rollenspiel zwischen Kamera und Spiegel konnte sie schon schnell leben.

Cindy Sherman: Die Serie „Centerfolds“ stellt Frauen in Krisensituationen dar, hier „Untitled 92“. Phillips de Pury & Company

Cindy Sherman: Die Serie „Centerfolds“ stellt Frauen in Krisensituationen dar, hier „Untitled 92“.

New York"Bevor ich jemals fotografiert habe, habe ich mich gerne verkleidet und bin in meinem Zimmer in unterschiedlichen Charakteren herumspaziert", schilderte Cindy Sherman gegenüber dem Regisseur John Waters den Start ihrer Weltkarriere. Das Interview ist im sorgfältig edierten Katalog der großen MoMA-Retrospektive abgedruckt.

Ganz allein mit dem Spiegel verwandelt sich die eher scheue Sherman (58) mit Kleidern aus Secondhandläden, Make-up, Perücken und künstlichen Körperteilen in eine Armee von komplexen Charakteren. So hässlich wie möglich sollte das Alter Ego sein, dann gilt ihr die Verwandlung als gelungen. Sherman zählt heute zu den wichtigsten Künstlern unserer Zeit.

Viel kunsttheoretische Tinte ist über Fragen der Identität und Repräsentation vergossen worden. Die junge Kuratorin Eva Respini aus der Fotoabteilung im MoMA bemüht sich, einen frischen Ansatz zu finden: "Sherman ist heute aktueller denn je. Sie adressiert Themen, die gerade im Zentrum unserer visuellen Kultur stehen. Zu Zeiten von Celebrity Make-overs, Reality-Shows, YouTube und Facebook scheinen ihre Formen von Repräsentation gültiger zu sein als zu ihrer Entstehungszeit." Zum ersten Mal sieht das amerikanische Publikum Shermans riesige "Photomurals" von 2010, die schon im Kiewer Pinchuk Art Centre und der Biennale di Venezia gezeigt wurden. Anstelle von Schminke nutzte sie hier das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop zur Manipulation ihres Gesichts.

Aus dem derzeit 513 Arbeiten umfassenden Œuvre wählte Respini 180 Fotos von den späten 1970er-Jahren bis heute. Sämtliche Werke sind unbetitelt und nur durch die von der New Yorker Galerie Metro Pictures zugewiesenen Archivnummern identifiziert. Dort stellt Sherman seit 1980 aus. In Los Angeles, Rom und Paris zeigen sie die Gagosian Galleries, in Europa wird sie von Sprüth Magers (Berlin, London) vertreten.

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