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30.11.2011

15:59 Uhr

Collection Lambert

Der lange Arm des Staates

Der Galerist Yvon Lambert hat dem französischen Staat einen Großteil seiner Sammlung geschenkt. Sie bleibt als Dauerleihgabe in der „Collection Lambert“ von Avignon, wo sie sich seit elf Jahren als befristete Leihgabe des Galeristen befindet. Doch Avignon interessierte sich zu wenig um die Gabe. Nun wollen Stadt und Staat sich gemeinsam für die Sache stark machen.

Nan Goldin: "Guido on the dock", Venice, 1998, Farbfotografie. (Ausschnitt) Collection Lambert

Nan Goldin: "Guido on the dock", Venice, 1998, Farbfotografie. (Ausschnitt)

ParisDer Galerist Yvon Lambert gibt offiziell die Schenkung von 450 Werken zeitgenössischer Kunst aus seiner Sammlung an den französischen Staat bekannt. Sie bleibt als Dauerleihgabe in der „Collection Lambert“ in Avignon. In diesem Museum für zeitgenössische Kunst befinden sich bereits seit elf Jahren die bedeutendsten Werke der Künstler, die in der Sammlung vertreten sind.

Ursprünglich hatte der Galerist mit der Stadt vereinbart, der „Collection Lambert“ rund 350 Werke 20 Jahre lang als Leihgabe zu überlassen. Er versprach eine Schenkung. Als Gegenleistung renovierte die Stadt ein Palais des 17. Jahrhunderts, das Hôtel de Caumont. Dort lagert die Sammlung und dient seither für Ausstellungen. Im Dezember 2010 drohte Lambert jedoch, die Sammlung aufgrund schlechter Konservierungsbedingungen und zu enger Verwaltungs- und Ausstellungsräume abzuziehen. Die Stadt hielt sich überdies nicht an die Abmachung, den Ausbau der „Collection Lambert“ voranzutreiben. Ein Gebäude in der Nachbarschaft soll für die Erweiterung dienen. Jetzt retteten Kulturminister Frédéric Mitterrand, Staatspräsident Nicolas Sarkozy und die Avignoner Bürgermeisterin Marie-Josée Roig die Situation. Sie versprachen, sich über die Finanzierung des Ausbaus, der eine Verdopplung der Museumsfläche bringt, zu einigen.

Mindestens 63 Millionen Euro wert

Dadurch, dass Yvon Lambert seine Sammlung dem Staat schenkt, wird sie unverkäuflich. Fachleute vermuten, dass der Wert für die 450 Werke bei 90 bis 100 Millionen Euro liegt. Im Jahr 2010 ergab eine vorsichtige Schätzung 63 Millionen Euro für die ersten 350 Arbeiten. Zurzeit bestimmen sechs Spezialisten des Auktionshauses Christie’s den Wert der Sammlung.

Trotz der phänomenalen Einnahmen durch den Tourismus während des alljährlichen Theaterfestivals und der Ausstellung von Miquel Barcelo in der „Collection Lambert“ im Sommer 2010, hatten Kultur und bildende Kunst für die Bürgermeisterin bis jetzt keine Priorität. Das hat Yvon Lambert vor einem Jahr eindeutig verärgert. Mit seiner umfangreichen und vielfältigen Sammlung brachte der Galerist einen Anziehungspunkt mehr in die Papststadt Avignon. Übrigens hat weder der Staat noch die Stadt irgendeinen Einfluss auf die Auswahl der Werke, die alleine Yvon Lambert bestimmt. Die Lokalpolitiker verfügen wohl auch kaum über die nötigen Kompetenzen.

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