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19.11.2011

09:47 Uhr

Cologne Fine Art & Antiques

Eine Messe für Trüffelschweine

VonSusanne Schreiber

Von zarten Skizzen bis zu fertigen Bildern: Die Cologne Fine Art & Antiques setzt dieses Jahr erstmals auf Arbeiten auf Papier. Die Ausstellung hat ein durchgängig hohes Niveau und verführt zum Kunstkauf.

Stammeskunst und Design: Gemeinschaftsstand von Frank Landau und Dierk Dierking auf der Cofaa. Kölnmesse

Stammeskunst und Design: Gemeinschaftsstand von Frank Landau und Dierk Dierking auf der Cofaa.

KölnEin neues Messeformat erprobt sich gerade in Köln. Etliche Verkäufe schon beim Preview vor der Vernissage und begeisterte Äußerungen der Fachwelt, Konkurrenten eingeschlossen, bestätigen den Kurs der Kölner Messe. Die seit drei Jahren beständig von der Direktorin Ulrike Berendson weiterentwickelte Cologne Fine Art & Antiques (Cofaa) hat eine Abteilung dazugewonnen für Arbeiten auf Papier. Der Clou: durchgängig hohes Niveau und die unmittelbare Nachbarschaft von Alten Meistern und Großformaten zeitgenössischer Malerpranken – in großzügigen Kojen. So viel Platz haben die aktuellen Wilden nirgends sonst, auch nicht auf den Spezialmessen in Paris und London.

Dieter Kriegs heftige Malerei aus den 1970er-Jahren steht zwischen Figuration und Abstraktion. Sein Galerist Klaus Gerrit Friese hat u.a. eine 2 x 4,5 Meter messende Zeichnung („1978“) aufgehängt, die fasziniert, weil der Malgestus die Darstellung eines Schwimmers dominiert (38.000 Euro). Eine Wand weiter bei Katrin Bellinger entfaltet ein kleines Rötelblatt magische Anziehungskraft. Es sind Theaterskizzen von Antoine Watteau, die 420.000 Euro kosten sollen.

Das Spektrum reicht von zarten Skizzen verführerischer Damen-Akte von Gustav Klimt (bei Wienerroither & Kohlbacher) bis zu fertigen Bildern auf Karton. Mit-Initiator dieser immer überraschenden, lebendig pulsierenden Papier-Abteilung ist Fred Jahn. Der Doyen unter den Münchener Galeristen erwartet 42 000 Euro für eine bildmäßige Mischtechnik von Ernst Wilhelm Nay von 1949, die eine Figur im Ornament aufzulösen scheint. Bei Thomas Le Claire zeigen kleine Ölskizzen von Johann Dillis, Johann Dahl und Carl Carus, dass romantische Landschaften auf Karton erschwinglich sind (45 000 bis 68 000 Euro).

Nie kommt in der Papier-Sektion Langeweile auf: Emmanuel von Baeyers Stand sieht aus wie das Wohnzimmer eines Sammlers. Renée Ziegler stellt gerahmte Zeichnungen von Alberto Giacometti und Dieter Rot, von Jean Tinguely und Oskar Schlemmer mit der Breitseite in Bücherregale.

Wer deutschen Expressionismus sucht, findet Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner aus der bester Brücke-Zeit: einen erotischen Art in der Badewanne bei den Mitinitiatoren der Papier-Sektion, Angelika Arnoldi und Bruce Livie, für 94 000 Euro. Ein zartes Bleistiftnotat, das festhält, wie Kirchners Freundin Erna Cancan tanzt, verkauft Thole Rotermund für 89 000 Euro. Jörg Maass kann mit einer Rohrfederzeichnung von Ludwig Meidner aufwarten. Die „Straße bei Nacht II“ dieses Apokalyptikers soll 125.000 Euro kosten.

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