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19.11.2014

08:46 Uhr

Cologne Fine Art

„Wir wollen Emotionen wecken“

VonChristiane Fricke

Die Kunst- und Antiquitätenmesse „Cologne Fine Art“ hat das Cross-Over der Sammelgebiete zum Prinzip erhoben. Herausgekommen ist ein inspirierendes Gemisch, das Tradition, Moderne und Zeitgenössisches wie selbstverständlich miteinander verbindet.

Stil-Ikonen setzen Akzente: Eine strahlende Monika Gottlieb legt letzte Hand an eine Abendrobe von Nina Ricci. Foto: Marius Becker dpa

Stil-Ikonen setzen Akzente: Eine strahlende Monika Gottlieb legt letzte Hand an eine Abendrobe von Nina Ricci. Foto: Marius Becker

KölnIn Sparten oder gar in Schubladen denken – das war einmal. Die "Cologne Fine Art" (Cofa), die gestern Abend mit 100 Ausstellern eröffnete, hat Zusammenballungen vom Gleichen den Kampf angesagt und das vor zehn Jahren noch singuläre Cross-Over zum Prinzip erhoben. Herausgekommen ist ein anregender und keinesfalls langweiliger Mix mit verführerischer Ausstrahlung und Potential für Entdeckungen im Preisbereich zwischen drei- oder vierstelligen Eurobeträgen bis hin zum einstelligen Millionenbetrag etwa für einen Chagall auf dem Stand Von Vertes (1,95 Millionen Euro). Zwar ist das Angebot an Alten Meistern und mittelalterlicher Kunst unterbelichtet, doch der Einbruch der zeitgenössischen Kunst in das einst Antiquitätengeschwängerte Angebot macht sich gut auf der Cofa. Schöner kann der allgemeine Geschmackswandel nicht bedient werden.

Hochkaräter am Stand der Galerie von Vertes: Marc Chagalls Gemälde "Danseuses au double-profil vert". Foto: Marius Becker dpa

Hochkaräter am Stand der Galerie von Vertes: Marc Chagalls Gemälde "Danseuses au double-profil vert". Foto: Marius Becker

Einen der interessantesten der zahlreichen kuratierten Stände hat ausgerechnet oder bezeichnenderweise ein Galerist, der vor allem für ein zeitgenössisches Programm steht: Tobias Hirschmann aus Berlin. Sein Cross-Over zum Thema „Paare“ ist ebenso kühn wie verblüffend, etwa wenn er eine mit roter Tinte überarbeitete Fotografie von Rebecca Horn mit einem zeitgenössischen zwischen figürlicher und ornamentaler Anmutung hin und herschwankenden Teppich kombiniert. 15.500 Euro kostet der C-Print, auf dem sich die rote Tinte über Sturm gepeitschte Bäume legt als wäre sie selbst vom Winde verweht. Der aus Seide und Kaschmir feinst geknüpfte Teppich frappiert mit ähnlichen Farben und Strukturen und kostet 21.000 Euro.

Bilder, die heil machen

Wieder ein Gesamtkunstwerk ist der Stand von André Kirbach, der sich in diesem Jahr dem Begriff der „Unitas“ (Einheit) widmet. Es ist, als versuche der Galerist die in Streit und Kriegen auseinanderdriftende Welt mit den Mitteln der Kunst zu befrieden. Dazu gehört auch, einen in Ungnade gefallenen Heiligen in Würde wieder auferstehen zu lassen. Holzwürmer fraßen an der um 1400 in Spanien geschaffenen Figur, der die Nase abgeschlagen (ersetzt) und das Gesicht mit einem Beil verletzt wurde (22.000 Euro). Zentrum des Standes ist ein Oktogon aus acht bearbeiteten Steinquadern von Heiner Koch (geb. 1947) für 29.000 Euro, umgeben von einer achtteiligen Serie monochromer Meditationsbilder von Jörg Bürkle (4.500 Euro) und einem im Vergleich geradezu winzigen Auferstehungsbild (um 1500) eines Antwerpener Malers (18.000 Euro). An Ständen wie diesen darf man getrost vergessen, dass es auf einer Messe vor allem um das Geschäft geht.

„Wir wollen Emotionen wecken und wegkommen von vorgegebenen Mustern“, erklärt Thomas Salis, der sich mit Uwe Dobler einen Stand teilt. Die in warmem Braun gestrichenen Standwände harmonieren außerordentlich mit der grausilbrig patinierten Oberfläche alten Stahls, der einst ein gewaltiger Tank gewesen sein muss, bevor ihn ein französischer Möbelbauer um 1900 in eine elegante Anrichte verwandelte. Kostenpunkt: 9.000 Euro. Was auf ihr steht, sieht ein wenig aus wie eine zeitgenössische Skulptur, ist aber das voll mechanisierte Modell eines Eisenbahn-Chassis der Firma Couchard aus der Zeit der Industrialisierung (11.500 Euro). Darüber schwebt Jean Miro´s „Solitude III“ (1960), ein minimalistisches, mittelformatiges Ölgemälde, auf dem eine duftig gestupfte Wolke aus mehr oder weniger deckendem Weiß einen Dialog mit dem kartonbraunem Malgrund und Formationen kleiner schwarzer und grüner Kreisformen führt (625.000 Euro + MwSt.).

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