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03.11.2011

18:56 Uhr

Contemporary Art

Die Zeit der Vorsicht ist vorbei

In New York sind die Schätzpreise für zeitgenössische Kunst um 18 Prozent gestiegen. Christie’s und Phillips locken die Einlieferer auch schon wieder mit Garantien. Die Sensation bei Sotheby’s sind vier Bilder von Clyfford Still aus Museumsbesitz.

Clyfford Still: "PH-1033", 1976, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Sotheby's

Clyfford Still: "PH-1033", 1976, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt)

New York.Clyfford Still, der wichtige Mitbegründer des Abstrakten Expressionismus, war ein schwieriger Einzelgänger. Er lehnte die kommerzielle Kunstszene und auch Ausstellungen ab und trennte sich von nur etwa sechs Prozent seiner Werke. Wenn eines seiner abstrakten, in intensiven Farben lodernden Bilder auf den Markt kommt, sind Bietgefechte garantiert. So geschehen zuletzt 2006, als Christie’s 21,3 Millionen Dollar erzielte.

Stadt setzt Verkauf von Museumskunst durch

Da ist es schon eine Sensation, wenn Sotheby’s am 9. November sogar vier seiner Bilder anbieten kann. Das ist einem Gerichtsbeschluss zu verdanken. Die Stadt Denver eröffnet am 18. November ein eigens für Stills Nachlass gebautes Museum. Um den Unterhalt seiner etwa 825 Gemälde und noch einmal so vielen Zeichnungen zu sichern, setzte sie vor Gericht den Verkauf durch. Insgesamt sollen in der Auktion für zeitgenössische Kunst 51 bis 71,5 Millionen Dollar eingenommen werden. Clyfford Stills “1949-A-No. 1” in Dunkelrot, samtigem Schwarz mit weißen Akzenten soll allein 25 bis 35 Millionen  Dollar einspielen.

Gerhard Richter: "Frau Niepenberg", Öl auf Leinwand, 1965. (Ausschnitt) Christie's Images Ltd. 2011

Gerhard Richter: "Frau Niepenberg", Öl auf Leinwand, 1965. (Ausschnitt)

Sotheby’s Abendauktion bietet am anderen Ende des expressiven Spektrums acht abstrakte Werke Gerhard Richters aus einer europäischen Privatsammlung an. Richters Farbfantasien galten bis zum Mai 2008, als eine abstrakte Komposition 15 Millionen Dollar erzielte, neben den figurativen Bildern nur als „ferner liefen“. Für das von Rot durchsprenkelte, in sattem Violett schillernde „Abstrakte Bild 849-3“ (1997) erwartet Sotheby’s 9 bis 12 Millionen Dollar.

Schätzpreise stiegen um 18 Prozent

Alle drei New Yorker Abendauktionen vom 7. bis 9. November gehen mit Bewährtem und mit großen Namen auf Nummer Sicher. Größte Hoffnungen ruhen immer noch auf der Popart und dem Abstrakten Expressionismus. Bei den Taxen sind sie jedoch schon weniger vorsichtig: Die Schätzpreise liegen im Durchschnitt um fast 18 Prozent über dem letzten November und vor allem Phillips und Christie’s lockten Einlieferer wieder mit Garantieversprechen.

Eine dritte Partei garantierte bei Christie’s Roy Lichtensteins „I can see the whole room! .. and there’s nobody in it!“ (1961). Die Witwe des ehemaligen Time Warner-CEO Steve Ross bringt das schwarzgrundige Bild nach über 20 Jahren zur Taxe von 35 bis 45 Millionen Dollar wieder auf den Markt.

Später Twombly bei Phillips

Mit “Silver Liz” (16/19 Millionen Dollar) aus Warhols zweiter Ausstellung in der Ferus Gallery in Los Angeles 1963 schürt Christie’s auch das in New York bereits schwelende Liz-Fieber für die Auktionen des riesigen Taylor-Nachlasses im Dezember. Einlieferer ist Unternehmer und Mega-Sammler Peter Brant. Auch Mark Rothkos Farbfeldmalerei „White Cloud“ (1956) in zarten Rot- und Orangetönen soll hier 18 bis 25 Millionen Dollar einspielen.

Phillips de Pury setzt am 7. November ebenfalls auf Klassiker als Verkaufsschlager: Cy Twomblys späte Kritzeleien von 2006 sind ehrgeizig auf 8 bis 12 Millionen getaxt.

Aber es kommen nicht nur Evergreens zum Aufruf. Über Christie’s trennt sich Peter Norton von 60 sehr günstig geschätzten Losen. Nach seinem Verkauf von Norton Utilities an Symantec 1990 hortete der Software-Entwickler provokante Kunst wie Paul McCarthys „Tomato Head (Green)“ von 1994 (1 bis 1,5 Millionen Dollar) oder Takashi Murakamis „DOB in the Strange Forest (Blue DOB) von 1999, für das 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar erwartet werden. Am 9. November können eingefleischte Bewunderer der Konzeptkunst bei Christie’s unter 37 Losen der bekannten Ghenter Sammlung Annick und Anton Herbert wählen.

Von

Barbara Kutscher

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