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11.11.2013

11:57 Uhr

Contemporary Art

Jäger des schnellen Geldes

VonBarbara Kutscher

Die New Yorker Auktionsriesen haben zeitgenössische Trophäenkunst zu Höchsttaxen im Angebot. Rigoros wird auf die Kaufkraft neuer internationaler Superreicher gesetzt. Ein Drittel der Werke ist entweder keine zehn Jahre alt oder war vor nicht langer Zeit schon einmal auf dem Markt.

Christie's peilt für Jeff Koons "Balloon Dog (Orange)" einen neuen Preisrekord zwischen 35 und 55 Millionen Dollar an. Reuters

Christie's peilt für Jeff Koons "Balloon Dog (Orange)" einen neuen Preisrekord zwischen 35 und 55 Millionen Dollar an.

New YorkWas folgt auf ein Rekordergebnis? Ein neuer Rekord. So hofft zumindest Christie’s. Am Abend des 12. Novembers sollen die enormen Mai-Einnahmen von 495 Millionen Dollar bei mindestens 500 Millionen getoppt werden. Man wolle die gegenwärtige Dynamik des Marktes nutzen, so die Experten. „Die letzte Saison brachte uns einen neuen Kundenstamm“, sagt Christie’s Abteilungsleiter Brett Gorvy.

Aggressiv wurde Trophäenkunst zu sehr hohen Taxen akquiriert. 23 Werke bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips sollen je über zehn Millionen Dollar einspielen. Dass Einlieferer aber auch wieder schnelles Geld jagen, zeigt etwa ein Drittel des Angebots, das nach nur kurzer Marktabwesenheit wieder verkauft („gepflippt“) wird oder selber noch nicht einmal zehn Jahre alt ist. Jüngster Teilnehmer ist Sotheby’s Großformat „Hooverville“ des 2001 gegründeten modischen New Yorker Kollektivs ‚The Bruce High Quality Foundation‘. Am Abend des 13. November soll es bei Sotheby’s mindestens 200.000 Dollar einbringen und ist dabei erst knapp ein Jahr alt.

100 Top-Kunden weltweit

Bei Christie’s appellieren Francis Bacons „Three Studies of Lucian Freud“ (1969) mit der (unveröffentlichten) Erwartung von 80 Millionen Dollar an weltweit etwa 100 Kunden. Drei Mal malte Bacon seinen Freund verbrezelt auf einem Thonetstuhl vor sonnengelbem Hintergrund. Das Trio wurde Mitte der Siebziger Jahre aufgeteilt und nach Paris, Rom und Japan verkauft. Ein italienischer Sammler nahm es schließlich über 15 Jahre auf sich, die Bilder wieder zu vereinen. Christie’s bietet aber auch großartige Vertreter der Pop-Art, wie Andy Warhols schwarzweiße ikonische „Coca-Cola [3]“- Flasche (1962) auf, für die der Sammler/Händler José Mugrabi 40 bis 60 Millionen erwartet.

Führende Vertreter des Abstrakten Expressionismus sollen die enorme internationale Nachfrage bedienen. Da gibt es Willem de Koonings abstrakte Long Island-Landschaft „Untitled VIII“ (1977) zu 20 bis 30 Millionen Dollar und Jackson Pollocks handlicheres Format „Number 16,1949“ in seiner typischen Drip-Technik. Das auf gelbliches Papier gemalte und dann auf Holzfaserplatte aufgezogene Bild soll mindestens 25 Millionen Dollar erlösen. Derselbe Einstiegspreis ziert auch Mark Rothkos „No 11 (Untitled)“ 1957 in Orangetönen. Diese Klassiker werden von Jeff Koons‘ gut drei Meter hoher stählerner Pudel-Skulptur „Balloon Dog (Orange)“ (1994-2000) herausgefordert. Sollte der Einlieferer, Unternehmer und Sammler Peter M. Brant aus Greenwich, Connecticut, seine obere Erwartung von 55 Millionen Dollar realisieren, ginge der Rekord für den teuersten lebenden Künstler wieder in die USA.

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